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Drei, zwei, eins

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Von: Jakob Böllhoff

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Loris Karius, noch im Trikot von Union Berlin.
Loris Karius, noch im Trikot von Union Berlin. © dpa

Loris Karius hat einen Vertrag bei Newcastle United unterschrieben. Dort ist er offiziell die Nummer drei, fungiert aber als Nummer zwei, bis die eigentliche Nummer zwei sich von einem Gebrechen erholt hat. Die Vertragslaufzeit beträgt dreieinhalb Monate. Macht das Sinn? Wenig. Ein Einwurf

Der Fußballtorwart Loris Karius hat vor einem Monat dem TV-Sender Sky ein Interview gegeben. Karius, 29, war auf Vereinssuche, es ging also um seine Zukunft und um seine Vergangenheit, das eine lässt sich vom anderen nicht trennen, wenn man drinsteckt in der Gegenwart einer Sportlerkarriere. Das, was war, bestimmt wesentlich das, was wird.

Über das, was wird, hatte Karius klare Vorstellung. Sein Ziel sei es, bei einer Mannschaft als Nummer eins zwischen den Pfosten zu stehen, eine Rolle als Ersatztorwart komme nicht in Frage: „Wenn ich jetzt bei Gesprächen raus höre, dass ich von vornherein die Nummer zwei bin, dann macht es für mich eigentlich grad wenig Sinn.“

Bis Sommer stand Karius beim FC Liverpool unter Vertrag, dort war er mal die Nummer eins, stand 2018 sogar in einem Champions-League-Finale zwischen den Pfosten, leider aber auch neben sich selbst: zwei Fehler, drei Gegentore – 1:3. Es folgten schwere Zeiten, Karius wurde an Besiktas Istanbul ausgeliehen, an Union Berlin, doch weil nichts half, landete er wieder in Liverpool, wo er zum Schluss die Nummer fünf war.

Als Nummer fünf ist es sehr schwer, Pfosten zu finden, zwischen die man sich stellen darf. Da ist man irgendwann womöglich geneigt, in den Baumarkt zu gehen und zwei schöne Pfosten zu erwerben und sie im Garten in den Boden zu rammen, einfach, um sich mal wieder gepflegt dazwischen stellen zu können, fürs Gefühl, für die Torhüterseele. Im Pfosten geht die Sonne auf, dazwischen liegt die ganze Welt.

Es ist ein langer Weg zur eins, wenn man die fünf ist. Man muss vorbei an der spitzen vier, das ist schon mal sehr unangenehm, auch die bauchige drei lässt einen nicht so einfach durch, und wenn man das geschafft hat, steht man gerade einmal vor der zwei, die ja noch lange nicht die eins ist, zum Glück. Möchte man sich gar nicht vorstellen, was in der Mathematik los wäre, würde die zwei plötzlich zur eins; helle Aufregung, wildes Geblätter in Formelsammlungen.

Schon im Fußball ist das ein heikler Vorgang. Aber irgendwo muss man ja anfangen, hat sich Loris Karius Anfang dieser Woche gedacht und einen Vertrag bei Newcastle United unterschrieben. Dort ist er offiziell die Nummer drei, fungiert aber als Nummer zwei, bis die eigentliche Nummer zwei sich von einem Gebrechen erholt hat. Die Vertragslaufzeit beträgt dreieinhalb Monate.

Macht das Sinn? Wenig. Genug. Loris Karius aus Biberach an der Riß wird sich in Newcastle auf die Ersatzbank setzen. Er wird sehnsuchtsvoll auf den Mann blicken, der zwischen den Pfosten steht, Nick Pope heißt er, und vielleicht, heimlich, ein Stoßgebet absetzen: Lieber Gott, mach, dass der Pope sich einen Finger bricht. Der kleine reicht.

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