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Immer wieder im Blickpunkt: Der bärenstarke Dortmunder Keeper Roman Bürki.

Dortmund - Mainz

Mit Hängen und Bürki

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BVB-Torwart Roman Bürki treibt die Mainzer zur Verzweiflung und erhält Dortmund die Chance auf den Titel.

Au allen Ecken umschmeichelten ihn Lobeshymnen, also strich sich Roman Bürki erst mal verlegen über den Hinterkopf. Dortmunds Torhüter kam gerade vom Feierritual vor der Südtribüne, wo ihm 25 00 BVB-Fans für seine mitunter abenteuerlich guten Paraden beim 2:1 gegen Mainz gehuldigt hatten. Und weil der Schweizer Keeper während seiner knapp vier Jahre bei den Westfalen auch schon deutlich schwierige Zeiten erlebt hat, sagte er zunächst: „Das war speziell.“ Speziell – wegen Bürkis eigener Geschichte bei den Schwarz-Gelben. Aber auch wegen eines Sieges, nach dem Kapitän Marco Reus mit großer Einsicht bekannte: „Dieses Spiel haben wir mit Hängen und Würgen gewonnen.“

Die Art und Weise, wie seine zehn Teamkollegen auf dem Feld nach einer schwungvollen ersten Hälfte mit zwei Treffern von Jadon Sancho im zweiten Durchgang völlig den Faden verloren und letztlich nur noch dem Schlusspfiff entgegen zitterten, malträtierte auch das Nervenkostüm ihres ultimativen Helden an diesem frostigen April-Nachmittag. „Wir haben es ein bisschen über uns ergehen lassen, Mainz hatte gefühlt zwei Spieler mehr auf dem Platz. Wir waren alle erleichtert, als der Abpfiff kam. Ich weiß nicht, wie lange das noch gut gegangen wäre“, rätselte Bürki über den Leistungseinbruch der Mannschaft nach der Pause – und gestand: „Bevor ich in die Kurve gehen konnte, musste ich mich erst mal beruhigen.“

Erst mal beruhigt war auch Lucien Favre. Dem Schweizer Chefcoach der Borussia blies nach dem 0:5-Debakel seines merkwürdig gehemmten Teams in der Vorwoche bei den Bayern ein kalter Wind entgegen. Nun waren seine Herbstmeister zumindest über Nacht wieder an den Münchnern vorbei mühsam auf Rang eins geklettert. Und Favre blickte tief ins Innenleben seines verunsicherten Ensembles: „Diese Reaktion war nötig. Die Mannschaft hatte viel Druck, sollte unbedingt gewinnen. Das hat man nach dem 2:1 für Mainz gespürt.“

Roman Bürki klärt binnen drei Sekunden drei Mal gegen Ujah

Den Treffer für die Gäste erzielte der eingewechselte Robin in der 83. Minute. Vier Minuten später erreichte das Glanztatenfestival des Roman Bürki seinen absoluten Höhepunkt, als der Eidgenosse nach einer Ecke binnen drei Sekunden drei Mal gegen den unmittelbar vor ihm werkelnden Mainzer Angreifer Anthony Ujah klärte. „Ich weiß auch nicht genau, was da passiert ist, ich muss mir das noch mal anschauen. Ich hab‘ versucht, immer mit dem Ball mitzugehen. Beim dritten Ball bin ich Ujah entgegen gegangen, und er hat mir an die Hand geschossen“, lautete die Blitzanalyse des 28-Jährigen, der mit insgesamt neun Paraden einen Saisonrekord aufstellte. Eher ungewollt, deshalb kündigte Bürki auch an: „Ich werde nochmal mit ein paar Jungs reden müssen. Ich will wissen, welches Gefühl sie hatten.“

Die unglücklich unterlegenen Nullfünfer haderten derweil mit ihrer apathisch geführten ersten Halbzeit, in der sie mit einer defensiven, wenig abgestimmt agierenden Fünferkette den Dortmundern das Toreschießen und das Chancenkreieren viel zu leicht machten. Beide Abwehrflanken der Rheinhessen waren so löchrig wie ein von Motten zerfressenes Hemd, mit der Rückkehr zum besser eingeübten 4-4-2-System mit Mittelfeld-Raute zur zweiten Halbzeit war dieser Mangel schlagartig behoben.

„Wenn der Trainer das so entscheidet, nehmen wir das natürlich an. Es hat nicht geklappt, deshalb haben wir umgestellt“, kommentierte Mittelfeldkraft Danny Latza den völlig missratenen 5-3-2-Versuch vor der Pause recht deutlich – und überlegte rückblickend: „Vielleicht hätten wir in der ersten Halbzeit auch schon unserer System mit der Raute spielen sollen.“

Chefcoach Sandro Schwarz, der trotz der Grippekrankheit von Niko Bungert wiederum auf Kapitän Stefan Bell und Rechtdsverteiger Daniel Brosinski in der Abwehr verzichtet hatte (beide saßen auf der Bank), wollte davon allerdings nichts hören. „Das war kein Strukturproblem“, wiederholte der verantwortliche Übungsleiter immer wieder. Einmal sogar drei Mal hintereinander, wie vor begriffsstutzigen Schülern. Das passende Zahlenmaterial zur Stützung seiner These hatte der 40-Jährige auch gleich parat. „Wir sind 126 Kilometer gelaufen, 60 davon in der ersten Halbzeit – in der wir zudem 121 Sprints gemacht haben“, listete er rasch auf. Der BVB habe seine Mannschaft „nie hergespielt“, betonte Schwarz noch, dann schlug er für künftig erfolgreichere Nachmittage vor: „Das Erste ist – du musst den Ball halt über die Linie drücken. Oder ihn einfach mal reinschädeln.“

Oder sich als Gegner einen anderen Torhüter aussuchen als Roman Bürki.

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