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Doppelter Härtetest

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Von: Frank Hellmann

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Vorbild für die jungen Deutschen: US-Star Megan Rapinoe.
Vorbild für die jungen Deutschen: US-Star Megan Rapinoe. © imago

Die deutschen Fußballerinnen freuen sich auf zwei Freundschaftsspiele beim Weltmeister USA, auch wenn der Zeitpunkt nicht optimal ist

Vom goldenen Herbst in Deutschland an die sonnige Küste von Florida: Wenn das mal keine schöne Abwechslung ist. Es hätte schlechtere Orte für eine Aktivierungseinheit gegeben, als sich barfuß am Strand von Miami die ersten Bälle zuzuspielen. Unter dem Motto „Beach vibes“ posteten die DFB-Frauen in den Sozialen Medien nach der Ankunft flugs eine Bilderserie, die viel Spaß vermittelte. Eine positive Grundstimmung braucht es nämlich, wenn die deutschen Fußballerinnen mitten in der heißen Phase von Bundesliga und Champions League gleich zweimal beim Weltmeister USA antreten. Die Duelle am Freitag (1 Uhr/zdf.de) in Fort Lauderdale und am Sonntag (23 Uhr/sportschau.de) in Harrison/New Jersey sollen auch ohne etliche Stammkräfte wichtige Erkenntnisse über Wettkampfhärte und Widerstandskraft bringen.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg spricht jetzt von zwei „coolen Spielen“, nachdem die 54-Jährige vor einem Monat noch deutliche Kritik an der Terminierung geübt hatte. Es sei „nicht der beste Zeitpunkt, noch mal so weit zu reisen“, sagte sie nach dem Freundschaftsspiel gegen Frankreich (2:1) in Dresden und erinnerte an „eine vertragliche Verpflichtung“, die man gerne geändert hätte. Inzwischen hört sich das etwas anders an, schließlich sei es zwischen den Verbänden „ein Geben und Nehmen, und vielleicht haben wir noch ein Heimspiel in Deutschland gegen die USA“.

Fraglos gibt es keinen prominenteren Prüfstein als den vierfachen Weltmeister, der unter dem 2019 für die zurückgetretene Jill Ellis installierten Nationaltrainer Vlatko Andonovski zuletzt aber seine Testspiele in England (1:2) und Spanien (0:2) verlor. „Sie stecken gerade im Umbruch und probieren sich ein bisschen aus“, hat Voss-Tecklenburg beobachtet.

Letzter Sieg datiert aus 2003

Die letzten Vergleiche fanden vor ihrem Amtsantritt im Rahmen des SheBelieves Cup statt: Deutschland verlor von 2016 bis 2018 alle drei Duelle. Ausbaufähig ist die Bilanz allemal: In 35 Vergleichen gab es nur vier deutsche Siege, der letzte war ein Höhepunkt der vor 40 Jahren begonnenen Länderspielgeschichte der deutschen Frauen: Der 3:0-Triumph im WM-Halbfinale 2003 beim Gastgeber USA gilt bis heute als ein Meisterstück der Generation um Birgit Prinz, Maren Meinert und Renate Lingor.

Die heutigen Nationalspielerinnen ticken ein bisschen anders, sind vor allem weltoffener und kommunikativer. „Das ist für uns die nächste Riesenchance“, sagt Laura Freigang, die deutlich hörbar auf mehr Spielanteile im DFB-Team drängt. Frankfurts Torjägerin hat von 2016 bis 2018 an der Pennsylvania State University studiert, aber noch nie gegen die USA gespielt, „jetzt möchte ich zeigen, dass ich gut drauf bin“, so die selbstbewusste 24-Jährige.

Jule Brand, die erstmals in ihrem Leben überhaupt über den Atlantik geflogen ist, reizen die Duelle gegen die weit über den Sport strahlenden Größen wie Megan Rapinoe (37 Jahre) und Alex Morgan (33). Die erst 20 Jahre alte Neu-Wolfsburgerin bezeichnete die beiden US-Stars sogar als „Vorbilder“.

Auch für Linda Dallmann lohnt es sich, „so eine lange Reise auf sich zu nehmen“. Denn: „Man kann nicht alltäglich gegen die USA spielen. Das ist ein Gegner, wo man weiß, dass sie physisch extrem weit sind“, meint die 28-jährige Münchnerin.

Verletzungsbedingt fehlen ein halbes Dutzend EM-Heldinnen (Giulia Gwinn, Martina Hegering, Sara Däbritz, Tabea Waßmuth, Lea Schüller und Sydney Lohmann), aber nun vermehrt die Nachrückerinnen zu testen, kann mit Blick auf das nächste Großereignis nur helfen. Auch wenn das deutsche Team – anders als der zunächst nach Neuseeland geloste Titelverteidiger – bei der WM 2023 ausschließlich in Australien spielt, bleiben die Herausforderungen durch die weiten Reisen riesig. Körperliche Robustheit, sagt Voss-Tecklenburg, werde wichtiger denn je.

Dass zwei so reizvolle Härtetests zwischen Weltmeister und Vize-Europameister selbst zu später Stunde nur im Livestream der Öffentlich-Rechtlichen laufen, wollte die Bundestrainerin kürzlich übrigens nicht näher kommentieren.

„Ich richte meinen Fokus auf die sportlichen Belange“, erklärte die nebenbei als ZDF-Expertin arbeitende Cheftrainerin, die hinter den Kulissen aber ihr Unverständnis angebracht haben soll.

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