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Wieder obenauf: Franck Ribery feiert seinen Doppelpack im Frankfurter Stadtwald mit Zungenschlag.

Bayern München

Doppelte Verbeugung

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Franck Ribery will sich beim FC Bayern nicht so schnell aufs Altenteil abschieben lassen.

Ganz am Ende, als die meisten Kameraden entweder ihr durchschwitztes Trikot schon in die Fankurve geschleudert hatten oder unter lautem Triumphgeheul in die Kabine gelaufen waren, ging Franck Ribery noch einmal zurück. Südöstliche Richtung in der Frankfurter Arena, wo der Anhang des FC Bayern noch auf die persönliche Aufwartung ihres Idols ausharrte. „Ribery, Ribery“-Chöre erklangen. Der besungene Monsieur dankte es mit einer Verbeugung. Eine fast rührige Szene in der Vorweihnachtszeit.

Der inzwischen 35 Jahre alte Franzose, 2007 zur Behebung einer tiefen Schaffenskrise nach München gekommen, ist eine Identifikationsfigur. Seinen Wert haben die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge oft genug herausgestrichen und trotzdem klang zuletzt deutlich durch, als sei der Abschied am Saisonende beschlossen. Nun hat Ribery mit vier Toren in drei Spielen - übrigens seine Bundesligatreffer 83 und 84 im 262. Einsatz noch einmal Gegenargumente geliefert.

Kovac lobt die Einstellung seines ewigen Flügelflitzers

Genau wie vergangenen Mittwoch sein spätes Siegtor gegen RB Leipzig waren seine Geistesblitze gegen Eintracht Frankfurt elementar, um den Münchnern ein gutes Gefühl über die Winterpause zu vermitteln - auch wenn der Franzose durchaus auf einige Mätzchen verzichten könnte. 

Vorstandschef Rummenigge hatte ein „wichtiges Ausrufezeichen“ gesehen. „Der Fußball, den wir spielen, ist wieder FC Bayern-like!“ Für den Boss verdichtete sich mit dem fünften Bundesligasieg in Folge – das vierte Mal zu Null – die Erkenntnis, dass Trainer und Spieler nach der herbstlichen Sinnkrise zusammengefunden haben: „Niko und die Mannschaft sind wieder eine Einheit.“ Oder wie besagter Niko Kovac konstatierte: „Mittendrin hatten wir kleine Dellen. Anfang und Ende waren gut.“ Kovac verstieg sich sogar zur Aussage, dass am 18. Mai 2019 eben doch wieder die üblichen Verdächtigen die Schale stemmen. Vielleicht auch, weil der FC Bayern zur Not eben noch seine Altstars hat, wenn die jungen Nachrücker nicht können.

Als der Doppeltorschütze zum Sky-Tisch mit dem Experten Lothar Matthäus kam, der für die Bayern nur ein Spiel mehr gemacht hat (410) als die aktuelle Nummer sieben in allen Pflichtspielen für die Bayern, waren Zukunftsfragen unausweichlich. „Natürlich habe ich noch Lust. Ich liebe Bayern, die Bayern lieben mich. Du weißt im Leben nie, was passiert“, beschied Ribery. 

Rummenigge verriet kurz darauf: „Er hat gerade aus Spaß schon in der Kabine gesagt, dass er seinen Vertrag verlängern möchte. Es gibt keine alten Spieler, es gibt nur gute und weniger gute.“ Ist daraus vielleicht Verhandlungsbereitschaft abzuleiten? Über die Klubmedien wurde jedenfalls alsbald eine Fotomontage geteilt, die den Klub-Heiligen als Freiheitsstatue zeigte. Unverwüstlich über allen anderen thronend.

Auch die Mitspieler möchten auf den ewigen Flügelflitzer ungern verzichten. Allesmacher Thomas Müller findet es „sensationell, dass er uns auch als Torschütze nochmal in dem Maße weiterhilft“. Abwehrspieler Niklas Süle imponiert die Kämpfernatur, die im Stadtwald 31 Sprints und 74 intensive Läufe abspulte: „Wenn ich mit 35 noch so rennen könnte, wäre ich sehr froh. Er spielt für sein Leben gerne Fußball. Er ist ein positiv Verrückter.“ 

Auch Kovac lobte seinen nicht immer leicht zähmbaren Star: „Er ist ein sehr, sehr netter Junge. Was er im Training, auf und neben dem Platz leistet, ist immens. Er ist ein Weltklassespieler, der sich auf seinen Lorbeeren nie ausruht, sondern immer Gas gibt und sich selbst belohnt. Schön, dass wir ihn haben.“ Sätze, die wie eine zweite Verbeugung klangen.

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