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„Doofe Frage“

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Von: Jan Christian Müller

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Wer wird die 9 gegen Costa Rica? Müller (links) oder Füllkrug. afp
Wer wird „die 9“ gegen Costa Rica? Müller (links) oder Füllkrug. © afp

Der Bundestrainer muss entscheiden, wer gegen Costa Rica von Anfang an aufläuft.

Niclas Füllkrug hat natürlich mitgekriegt, dass er gerade als ziemlich beliebt wahrgenommen wird in einer Fußballmannschaft, die eine ganze Menge Menschen daheim schon abgeliebt haben. Sein Tor gegen Spanien hat daheim vielleicht keinen Deutschland-Boom ausgelöst, aber einen Füllkrug-Boom, das schon. Die Leute mögen den unverstellten Burschen mit der Zahnlücke. So was ähnliches gab es 2021 bei der Europameisterschaft schon mal: Robin Gosens kam nicht nur wie ein Irrwisch über links, bolzte den Ball ins Tor wie ein Straßenkicker, sondern sagte auch noch witzige Sachen. Zum Beispiel so was: „Bei so einem großen Turnier, bei so einem wichtigen Spiel. Da geht mir einer ab, da bin ich ultrahappy.“ Aber dann war Deutschland bald raus aus der EM. Der lustige Gosens schaffte es leider nicht in den Kader für diese Weltmeisterschaft. „Lücke“ füllt nun diese Lücke.

Beim Deutschen Fußball-Bund will man die allgemeine Füllkrug-Begeisterung nutzen. Ein so großes Turnier wird nicht nur auf dem Platz entschieden. Ein bisschen vom unverbrauchten Image darf gerne abstrahlen auf den DFB. Der Verband bugsierte also den Mittelstürmer – der gegen Spanien wie ein Matchwinner gefeiert worden war, obwohl er nur den Ausgleich geschafft hatte – am Dienstag aufs Podium. Gleich neben Thomas Müller. Die Versuchsanordnung darf als gelungen interpretiert werden. Aber findet sich für beide miteinander auch Platz auf dem Platz? Wer soll die 9 sein am Donnerstag gegen Costa Rica? “. „Doofe Frage“, entgegnet Füllkrug. „Die 9“, sagt Müller pfiffig, „hat auf jeden Fall der Fülle auf dem Rücken“, und tja, „wenn wir nicht so viele gute Offensivspieler dabei hätten, wäre es einfach: Lücke vorne rein und ich dahinter!“

Das muss dann der Trainer entscheiden, das ist Flicks Werk. Niclas Füllkrug will jetzt noch kein Held sein, das ist noch zu früh, findet er. Die Verehrer gehen ihm gerade ein bisschen zu steil. Die „FAZ“ lässt Bestsellerautor Moritz Rinke in Füllkrug hineinfühlen. Liest sich dann so: „Heute fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger. Heute fühle ich mich wie John Wayne. Heute fühle ich mich wie Indiana Jones und Uwe Seeler gleichzeitig.“

Füllkrug fühlt sich lieber wie Antonio Rüdiger oder Niklas Süle. Ohne die klasse Abwehrspieler, die hinten fast alles weggeräumt hätten, hätte seine Geschichte gar nicht geschrieben werden können. Der gesellige Bremer kennt die Mechanismen der Medien und hat sich online schlau gemacht. Was er da las vor dem Spiel gegen Spanien, hat ihm nicht gefallen: „Der eine oder andere hätte sich mehr gefreut, wenn wir Misserfolg hätten.“ Er findet, es sei Zeit, dass sich was dreht. „Der Fußball steht wieder im Mittelpunkt, die anderen Themen flachen ab. Finde ich gut.“ „Lücke“ hofft jetzt auf eine „Aufbruchstimmung“.

Gegen Costa Rica könnte er besonders gebraucht werden. Sollte Japan parallel Spanien schlagen, bräuchte Deutschland ein 8:0, um weiterzukommen. „8:0 bei einer WM – das ist eher kein realistisches Ergebnis“, gibt Thomas Müller zu bedenken. „Da müsste man noch mehr ins Risiko gehen, als vielleicht gesund ist für ein Fußballspiel“ - oder vielleicht, wie 2002 bei der WM in Japan, gegen Saudi-Arabien spielen. 

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