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Dominik Szoboszlai: Ein kleiner Puskas

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Von: Frank Hellmann

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Bringt Esprit ins ungarische Spiel: Dominik Szoboszlai, angestellt bei RB Leipzig.
Bringt Esprit ins ungarische Spiel: Dominik Szoboszlai, angestellt bei RB Leipzig. © AFP

Dominik Szoboszlai wird in Ungarn gerne mit den Helden der Vergangenheit verglichen

Es ist vermutlich so ein Satz, den Dominik Szoboszlai sagen musste. Und der gleichermaßen für Willi Orban und Peter Gulacsi gilt. „Wir spielen auswärts und Zuhause.“ Die Doppelrolle des Dreigestirns, alle auf zentralen Positionen mit Stammplätzen bei der ungarischen Nationalmannschaft ausgestattet, mutet ja tatsächlich eigenartig an. Das bei RB Leipzig angestellte Trio reiste Anfang der Woche in die Heimat, um an diesem Freitag (20.45 Uhr/ZDF) in der ihnen gut bekannten Arena am Sportforum im vorletzten Nations-League-Gruppenspiel gegen Deutschland anzutreten. Heim- und Auswärtsspiel in einem.

Die 2000 Auswärtstickets für den ungarischen Fußballverband waren übrigens in Windeseile vergriffen. Dasselbe gilt für die Partie gegen Italien am Montag in der mächtigen Puskas-Arena. Denn nicht Deutschland, Italien oder England führen die Gruppe an, sondern die Magyaren, die zuletzt sogar 4:0 bei geschockten Briten reüssierten.

„Haben nichts zu verlieren“

Dominik Szoboszlai (24 Länderspiele/sechs Tore) hat die Devise ausgegeben, die besondere Konstellation an diesem Freitag zu genießen, denn: „Wir haben nichts zu verlieren.“ Sein Ensemble beeindruckt mit einer fast perfekt anmutenden Organisation, für die sich ihr italienischer Nationaltrainer Marco Rossi verantwortlich zeigt. „Ungarn ist ein sehr unangenehmer Gegner. Ich habe selten gegen eine Mannschaft gespielt, die so diszipliniert verteidigt“, lobte Deutschlands Mittelfeldorganisator Joshua Kimmich. Der ungarische Offensivallrounder Szoboszlai bringt fraglos die größten fußballerischen Fertigkeiten beim Gegner ein, doch hatte der 21-Jährige in der Bundesliga bislang einen schweren Stand, nachdem der Edeltechniker im Januar 2021 innerhalb des Red-Bull-Imperiums vom Schwesterklub aus Salzburg nach Leipzig verpflanzt wurde. Anfangs von einer Verletzung zurückgeworfen, kam der 22-Millionen-Einkauf auch wegen der vielen Trainerwechsel nicht so richtig in Gang. Nun soll ihn Marco Rose in die Spur bringen, der ihn schon in Salzburg erlebte.

Ein Ausrufezeichen im Nationaltrikot setzte Szoboszlai in den Playoffs zur EM 2020, als er in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer gegen Island erzielte. Bitter: Wegen einer Schambein-Entzündung fehlte er bei der EM-Endrunde. Vielleicht wäre bei den mutigen Auftritten gegen Portugal (0:3), Frankreich (1:1) und Deutschland (2:2) noch mehr möglich gewesen, wenn die Ungarn eine Prise mehr Esprit gehabt hätten. Überraschungsmomente führt eben der Standardspezialist aus Székesfehérvár im Portfolio.

Meister der Ballistik

Seine Heimatstadt wird auch „Stadt der Könige“ genannt, was für einen Meister der Ballistik gut passt. Er beherrscht den Kunstschuss mit unberechenbarer Flugkurve so gut, dass ihn RB-Mitspieler stets ermuntern, häufiger zu schießen.

So wurde ihm schon in jungen Jahren bereits das Talent eines Nandor Hidegkuti, Sandor Kocsis und Ferenc Puskás nachgesagt. Namen, die jedes Kind in Ungarn kennt, weil sie in 31 Länderspielen zwischen 1950 und 1954 unbesiegt blieben, die olympische Goldmedaille 1952 gewannen, ehe die ungarische Wunderelf im WM-Finale 1954 gegen Deutschland ihren Meister fand.

„Szoboszlai – Ungarns neuer Puskas?“ fragte das Internetportal der Fifa erst wieder im Herbst vergangenen Jahres. Der verehrte Fußballer antwortete darauf länger als sonst. „Ich denke, das ist ein sehr sensibles Thema. Er war der beste ungarische Spieler aller Zeiten und ich stehe erst am Anfang meiner Karriere. Es macht keinen Sinn, Vergleiche anzustellen.“

Aber dann schob Szoboszlai nach: „Wenn ich meine Karriere beende und so viel erreiche wie er ... Ich würde sagen, ich wäre sehr, sehr stolz und hätte ein glückliches Leben danach.“

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