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Thomas Doll steht in der Kritik.

Hannover 96

Es kracht weiter bei 96

Nach der Mitgliederversammlung mitsamt Denkzettel für Martin Kind stehen bei Hannover jetzt Trainer Thomas Doll und Manager Horst Heldt im Fokus.

Das Chaos bei Hannover 96 geht weiter, es gärt, knirscht und kracht an allen Ecken und Enden: Vor dem Abstiegsduell gegen Schalke 04 wackelt nicht allein der bislang so glücklose Trainer Thomas Doll. Auch Manager Horst Heldt steht beim einst stolzen Europacup-Teilnehmer offenbar immer stärker infrage. Auf der höchsten Ebene ringen unterdessen die neue Klubführung und der mächtige Fußball-Boss Martin Kind um die Zukunftsausrichtung.

Bei all den Nebengeräusche ist es für Doll eine Höchstschwierigkeit, seine am Boden liegende Mannschaft konzentriert auf das wegweisende Duell am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) mit dem ebenfalls strauchelnden Tabellenfünfzehnten aus Gelsenkirchen vorzubereiten. Zumal Kind dem 52-Jährigen die Jobgarantie bis zum Saisonende offenbar schon wieder entzogen hat. „Wir sollten das Spiel gegen Schalke abwarten“, sagte der Chef der Profiabteilung der Bild-Zeitung.

Nicht einmal zwei Wochen zuvor hatte der 74-Jährige betont, die Saison mit Doll durchziehen zu wollen. Die 0:5-Niederlage im Testspiel gegen Arminia Bielefeld vom vergangenen Freitag hat Kinds Zweifel aber offenbar deutlich verstärkt. „Die Leistung in Stuttgart (1:5, d. Red.) war schon desaströs. Dass die Leistung beim Test in Bielefeld noch schlechter war, ist schon außergewöhnlich“, sagte Kind: „Ich persönlich habe gefühlt den Eindruck, dass weder Andre Breitenreiter noch jetzt Thomas Doll das Leistungspotenzial der Mannschaft ausschöpfen konnten.“

Auch mit öffentlicher Kritik am langjährigen Schalke-Macher Heldt spart Kind nicht. Der Kader des Bundesliga-Vorletzten sei „kaputt, schlecht zusammengestellt und gescheitert“, sagte er Anfang März. Sollte Kind nach einem weiteren sportlichen Offenbarungseid eine frühzeitige Trennung von Doll anstreben, könnte dies auch für das Verhältnis mit Heldt die ultimative Belastungsprobe darstellen. Dass es beim wahrscheinlichen Abstieg mit dem Manager weitergeht, scheint trotz Vertrags bis 2021 höchst fraglich.

Die womöglich anstehende Neubesetzung der Führungspositionen ist aber längst nicht die größte Baustelle der 96er. Nach dem Sieg der Kind-kritischen Fraktion bei der Wahl des Aufsichtsrats des Stammvereins am vergangenen Samstag, müssen die unterschiedlichen Lager einen Weg für die Zukunft finden. Der geplagte Klub braucht für einen Neuanfang endlich wieder Ruhe.

Kind strebt mit weiteren Gesellschaftern trotz des Denkzettels bei der Mitgliederversammlung die Mehrheit bei den ausgegliederten 96-Fußballern an. Der neue Vereinspräsident Sebastian Kramer und der Aufsichtsrat mit Ex-Profi Carsten Linke stehen einer Abkehr von der 50+1-Regel allerdings kritisch gegenüber.

Wie emotional aufgeladen das Thema in Hannover ist, zeigte die jüngste Reaktion von Vereinsheld Dieter Schatzschneider. Der Freund von Kind kündigte seine Mitgliedschaft bei den „Roten“ nach der Machtübernahme im eingetragenen Verein durch die Fanszene. „Dafür bin ich nicht zu haben“, sagte der 60-Jährige dem Portal Sportbuzzer. Es rumort weiter. (sid)

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