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Voller Tatendrang: Der neue Bayern-Trainer Julian Nagelsmann packt an. afp
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Voller Tatendrang: Der neue Bayern-Trainer Julian Nagelsmann packt an. afp

FC Bayern

Dolce Vita in München

Bei Julian Nagelsmanns Vorstellung als Bayern-Trainer geht’s auch um Kaffee und Staubsauger.

Der Brazzo hat sich in der gerade verstrichenen Sommerpause mal richtig was gegönnt, den Verteidiger Dayot Upamecano aus Leipzig zum Beispiel, auch den dessen bisherigen Trainer Julian Nagelsmann, versteht sich, beide eine ganze Menge Kohle wert, Ablösen von 67 Millionen Euro so alles in allem. Ganz besonders gefreut hat sich der Brazzo, also Hasan Salihamidzic, der Sportvorstand beim FC Bayern München, aber über die Aufwertung seines Büros an der Säbener Straße: Seit kurzem steht da eine nigelnagelneue, hypermoderne Espressomaschine. Also dachte er sich: Teile ich doch mal und biete dem Julian auch was an. Schließlich, so Salihamidzic über das gemeinsame Kaffeeerlebnis mit dem neuen Trainer Nagelsmann, „wollen wir ja eine 1A-Kommunikation haben. So stellen wir uns den FC Bayern vor.“

Gestern ist Julian Nagelsmann, 33, offiziell als Trainer des FC Bayern vorgestellt worden. Auf der virtuellen Pressekonferenz wurde schnell klar: Die Harmonie zwischen dem Landsberger, Vorstandsboss Oliver Kahn, 52, und Sportvorstand Salihamidzic, 44, stimmt schon mal. Immer wieder wurden die guten Gespräche innerhalb des Vereins erwähnt. Eine Zusammenarbeit, in der – bei aller Seriosität – auch ein Wohlfühlfaktor, eine gewisse Dolce-Vita-Atmosphäre (Stichwort Kaffeepause), geschaffen werden soll.

Unterstützung für Sané

Ein Gesprächsthema zwischen dem Salihamidzic und Nagelsmann: die Europameisterschaft. „Mir gefällt, wie Italien spielt und Mentalität auf den Platz bringt, wie sie eine Mannschaft sind. Das wünsche ich mir, dass Julian so etwas wieder formt“, sagt Salihamidzic. Nach der für die Bayern-Spieler enttäuschenden EM verschickte der Trainer kurze, aufmunternde Textnachrichten. „Da ging es darum, ihnen die schöne Seite aufzuzeigen, ihnen mitzuteilen, dass sie Urlaub bekommen“, erzählt Nagelsmann. „Wir werden gemeinsam versuchen, hier erfolgreich zu sein und somit möglichst schnell zu vergessen, wie es bei der EM war.“

Zudem ließ er mit seinen Aussagen durchblicken, dass er nicht dieselben Fehler wie Joachim Löw machen werde. Der Ex-Bundestrainer hielt während des Turniers stur an der umstrittenen Taktik mit Dreierkette fest, setzte Spieler nicht auf ihren besten Positionen ein. „Ich werde nicht alles auf den Kopf stellen und wir werden nicht jedes Spiel mit Dreierkette spielen. Es geht darum, flexibel zu sein und die Spieler in ihren idealen Positionen spielen zu lassen“, macht Nagelsmann klar. „Man hat jüngst bei der EM bei einigen Mannschaften gesehen, dass die Spieler in Momenten nicht auf der Position spielen, wo sie sich 100 Prozent wohlfühlen. Das werden wir vermeiden. Wir werden Grundordnungen wählen, in denen die Spieler die beste Qualität haben.“ Vor allem Leroy Sané wurde während der EM für seine vermeintlich lethargische Körpersprache heftig von Experten kritisiert und von Fans beim 2:2 gegen Ungarn sogar ausgepfiffen. Nagelsmann nimmt den 25-jährigen Offensivspieler in Schutz.

„Wir tun gut daran, ihn medial in Ruhe zu lassen. Er hat herausragende Qualitäten, hat unglaublichen Speed und ist einer der besten in Eins-gegen-Eins-Situationen. Er hat einen guten Abschluss und ist auch stark im Kombinationsspiel“, sagt der Münchner Trainer. „Es geht darum, seine Qualität auf den Platz zu bringen und seine Quote hochzuschrauben. Ich bin mir sicher, dass wir einen stärkeren Leroy Sané sehen werden, der großen Einfluss auf den Erfolg beim FC Bayern haben wird.“

Auch die Vereinsmitarbeiter dürfen sich auf Nagelsmann freuen. Bei seiner vorherigen Station in Leipzig konnten die Angestellten unter ihm Wünsche im Wert von bis zu 1000 Euro abgeben. Musste ein Spieler eine größere Strafe zahlen, wurde eines der Zettelchen gezogen. Bei drei Siegen in Folge zog auch Nagelsmann. „Das muss ich mir überlegen, weil das hoffentlich sehr häufig vorkommt“, so der Trainer. „Ich finde es eine gute Sache, weil man eine Verbundenheit mit allen im Klub schafft. Ich bespreche mit dem Mannschaftsrat, ob sie die Maßnahme mitgehen. Falls nicht, bin ich gerne bereit, für mich die Lose zu ziehen. Das mache ich gerne, solange ich nicht selbst die ganzen Staubsauger bestellen muss.“ Immerhin: Mit Espressomaschinen scheinen sie beim FC Bayern gut ausgestattet zu sein.

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