Rummel um den Riesen: DFB-Gast Dirk Nowitzki war in Frankfurt ein gefragter Mann.
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Rummel um den Riesen: DFB-Gast Dirk Nowitzki war in Frankfurt ein gefragter Mann.

Bodenständiger Auftritt

Dirk Nowitzki beeindruckt beim DFB-Besuch

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Basketball-Ikone Dirk Nowitzki beeindruckt als Gast des DFB mit einer Bodenständigkeit, von der sich gerade der deutsche Profifußball noch einiges abschauen kann.

Bei der Frage nach seinem Vorbild muss Dirk Nowitzki nicht lange überlegen. „Ich hätte nie gewusst, wo ich sonst gelandet wäre. Jeder sollte einen Holger haben.“ Die Eloge galt seinem Entdecker und Förderer Holger Geschwindner aus Bad Nauheim, der bekanntlich den gebürtigen Würzburger zu einer weltweit bewunderten Basketball-Ikone formte. Fußball-Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau, Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg oder die schwangere Nationaltorhüterin Almuth Schult lauschten andächtig, als der 41-Jährige am Montag seinen Werdegang für ein prominentes Fußballpublikum vertiefte. Erst mit zwölf habe er sich auf Basketball spezialisiert, vorher hätten Fechten, Tennis, Handball und Musikinstrumente seinen Weg geprägt. Er und sein Mentor, „wir haben außerhalb der Schachtel gedacht“.

Genau diesen Ansatz möchte auch die DFB-Akademie verfolgen, um mit Hilfe von Quergedanken „unsere Frauen und Männer“, so Manager Bierhoff, zurück in die Weltspitze zu hieven. Das zweite sogenannte Leadership-Festival mit knapp 120 Trainern, Vorständen und Führungskräften aus den Lizenzligen läuft unter dem Slogan „Vorbilder vor“. Einen besseren Gast als Nowitzki hätte es für die Horizonterweiterung im Kunstverein der Familie Montez unter der Frankfurter Honsellbrücke kaum geben können.

„Ich bin nicht der geborene Leader gewesen, sondern war ein schüchterner Typ. Ich habe immer versucht, alle zu integrieren“, erzählte Nowitzki. Sein Bestreben sei es in der Kabine in 21 Jahren stets gewesen, alle Teammitglieder bei den Dallas Mavericks im persönlichen Gespräch mitzunehmen. Er habe Späße gemacht oder Trashtalk gesucht, um die Kommunikation zu pflegen.

Das A-Nationalteam bestreitet als Vorbereitung auf die EM im kommenden Jahr ein Länderspiel gegen die Schweiz. Die Partie findet am 31. Mai 2020 in Basel statt. 

Die aktuelle Entwicklung stimmt den 2,13-Meter-Hünen diesbezüglich nachdenklich: „Mittlerweile kommt man in die Umkleide und alle 15 Spieler schauen erstmal die eigenen Highlights auf Instagram an. Das ist schon bitter, wo wir da hingekommen sind.“ Das digitale Zeitalter sei für die Erhaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen im Leistungssport definitiv mehr Fluch als Segen. Das Smartphone als Störfaktor. Das Kopfnicken von U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz signalisierte bei dieser Aussage viel Zustimmung im Auditorium, in dem auch Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, saß.

Die DFB-Akademie unter der Leitung von Tobias Haupt hat gerade erst bei einer US-Bildungsreise mehr als ein Dutzend Bundesliga-Entscheider mit Input zur Professionalisierung und Digitalisierung versorgt. Von Nowitzki darf sich der Profibetrieb ruhig viel in Sachen Bodenständigkeit abschauen. Wie selbstverständlich schenkte die Mavericks-Legende nach Öffnen seiner Wasserflasche zuerst dem Moderator ein, und als kürzlich bei einer Stiftungsveranstaltung noch zwei Stühle fehlten, schleppte der Bundesverdienstkreuzträger sie persönlich heran.

Bierhoff berichtete davon, dass Nowitzki schon früher bei der Fußball-Nationalmannschaft vorsprechen sollte, was aus zeitlichen Gründen nie geklappt habe. Denn nur zu zwei Sportlern würden die DFB-Kicker ja aufblicken: Roger Federer und eben Nowitzki. Weil der sich schwerlich vorstellen kann, mit Ehefrau Jessica und den drei Kindern seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Deutschland zu verlagern, bedeutet der dritte Heimatbesuch binnen weniger Monate für ihn viel. Der nach seinem Karriereende im Frühjahr in den USA mit Ehrungen überhäufte Nowitzki betonte, er sei im elterlichen Malerbetrieb „bodenständig-solide“ erzogen worden. Nowitzki, der nach eigenem Bekunden vom antiautoritären Erziehungsansatz wenig hält, sagte: „Ohne streng zu sein, geht es nicht. Ich hatte einen Vater alter Schule, der auch mal mit der Hand gedroht hat.“

Vater Jörg-Werner saß lächelnd in der zweiten Reihe. Der 76-Jährige dürfte schon häufiger vom prominenten Filius gehört haben, dass der Antrieb zeit seiner Karriere nie gewesen sei, „eine Marke zu werden“. Und auch der monetäre Aspekt stand nicht vorne an. „Natürlich habe ich sehr, sehr viel Geld verdient in meiner Karriere, so dass ich den Rest meines Lebens keinen Job mehr annehmen muss, den ich nicht möchte“, gab Nowitzki zu, der sich am Ende seines von Anfang bis Ende geerdeten Auftritts eine der vielen übermittelten Publikumsfragen aussuchte, um ins Grübeln zu geraten. Kann auch aus Nowitzki noch ein Geschwindner werden? „Das könnte sein.“ Aber man solle ihm bitte noch ein bisschen Zeit lassen: „Ich bin jetzt gerade sechs, sieben Monate Frührentner.“ Vorbild vermutlich für immer.

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