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Das Offensivspiels soll variabler werden: Trainer Dimitrios Grammozis (li.) erklärt im Trainingslager in Spanien, Marvin Mehlem hört zu. hübner

Darmstadt-Trainer Grammozis im Interview

Dimitrios Grammozis: „Es herrscht ein guter Geist“

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Dimitrios Grammozis, Trainer des Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98, über die Vorbereitung auf eine schwierige Rückrunde, den harten Konkurrenzkampf und seine Vertragsverlängerung-

Herr Grammozis, am Mittwochabend steht das erste Pflichtspiel des Jahres an, bei Holstein Kiel. Die Grundlagen wurden zuletzt im Trainingslager in Spanien gelegt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Insgesamt würde ich es als absolut gelungenes Trainingslager bezeichnen. Wir haben eine Woche lang sehr konzentriert und mit einer hohen Intensität gearbeitet. Die Jungs haben die Inhalte in der Vorbereitung insgesamt sehr gut umgesetzt, auch in den Testspielen haben uns schon viele Dinge gefallen. Auch die örtlichen Gegebenheiten mit dem Hotel und dem Trainingsplatz sowie das gute Wetter haben ihren Anteil, dass ich ein sehr positives Fazit ziehe. Aber Sie werden wahrscheinlich auch keinen Trainer finden, der das Gefühl hat, man hätte in der Vorbereitung nicht gut gearbeitet. Entscheidend wird sein, wie wir dann nachher in den Spielen auftreten.

Gab es Ärger mit schnarchenden Zimmerpartnern?

Nicht, dass ich wüsste (lacht). Und wenn, dann wären die Jungs auch selbst schuld, sie durften sich schließlich ihre Zimmerkollegen selbst auswählen (grinst). Im Sommer finde ich es immer wichtig, dass sich Neuzugänge mit Spielern ein Zimmer teilen, die schon etwas länger an Bord sind. Jetzt im Winter haben sich die Jungs bereits aneinander gewöhnt und können die Zimmereinteilung dann auch selbst vornehmen.

In der Hinrunde war die Durchschlagskraft in der Offensive ein Problem: Sie setzen auch auf spielerische Elemente, treffen in der zweiten Liga aber immer wieder auf tiefstehende Mannschaften, die ein Durchkommen erschweren. Wo haben Sie angesetzt, damit das besser wird in den restlichen 16 Spielen?

Wir haben im zweiten Teil des Trainingslagers intensiv daran gearbeitet, den Spielern noch mehr Optionen aufzuzeigen. Und natürlich haben wir auch Abschlüsse geübt. Man merkt auch, dass die Jungs gewillt sind, den Ball über die Linie zu drücken, das sieht man auch an den Reaktionen im Training, wenn ein Ball eben mal nicht ins Netz geht. Aber egal, wie sehr du das auch trainierst – beim Thema Abschluss spielt auch der Kopf eine große Rolle. Wir sind überzeugt, dass der eine oder andere einfach mal wieder ein Erfolgserlebnis benötigt. Dann wird manches leichter fallen. Aber das müssen wir uns eben auch erarbeiten.

In dem Zusammenhang wird Sie sicherlich erfreuen, dass Braydon Manu nach seiner langen Verletzungspause zurück ist. Ein Spielertyp, der mit Dribblings Räume schaffen kann.

Er hat in der Vorbereitung gezeigt hat, dass er mit seiner Wendigkeit und seinem Tempo der Mannschaft helfen und ein Energiespender sein kann. Mit seiner offenen, positiven Art ist er auch neben dem Platz wertvoll für das Team.

Auch Angreifer Felix Platte ist zurück nach langer Verletzung, nicht seine erste. Was kann man von ihm erwarten?

Zunächst einmal freut es mich, dass Felix im Testspiel gegen Gaz Metan wieder Spielzeit sammeln konnte und 45 Minuten absolviert hat. In der ersten Halbzeit hat er auch in der einen oder anderen Situationen seine Qualitäten unter Beweis gestellt und sich als belebender Faktor präsentiert. Man darf aber auch keine Wunderdinge erwarten: Wir wollen ihm die Zeit geben, ihn behutsam heranführen und dann auch die Belastung sehr individuell steuern.

Gerade in der Offensive ist der Kader jetzt sehr breit aufgestellt. Wie nehmen die Spieler den Konkurrenzkampf an?

Durch die Rückkehr von Felix Platte und Braydon Manu haben wir zusätzliche Optionen. Das merkt man auch in den Trainingseinheiten und Testspielen, jeder will sich aufdrängen und das Trainerteam von sich überzeugen. Trotzdem hat vor allem das Trainingslager gezeigt, dass in der Truppe bei aller Konkurrenz ein guter Geist herrscht: Die Jungs bauen sich gegenseitig auf und haben auf und neben dem Platz viel Spaß. Diese positive Stimmung stimmt auch mich optimistisch auf die verbleibenden 16 Spiele.

Mit 21 Punkten liegt Darmstadt 98 zwei Punkte vor der Abstiegszone. Befindet sich die Mannschaft im Abstiegskampf?

Wir wissen, dass alles extrem eng beieinander ist. Aber es nützt ja nichts, jeden Tag auf die Tabelle zu schauen und zu rechnen. Das Beste, was wir tun können, ist, uns so gut wie möglich auf das nächste Spiel vorzubereiten und hoffentlich zu punkten. Dann müssen wir uns über den Rest keine Gedanken machen.

Worüber Sie sich bestimmt ab und zu Gedanken machen, ist ihr Arbeitsvertrag bei den Lilien. Der läuft im Sommer aus. Wie sehen Sie die Chancen, dass es zu einer Verlängerung kommt?

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mich mit meinem Trainerteam sehr wohl in Darmstadt und im Verein fühle. Auch seitens der Verantwortlichen hat es erste Signale gegeben. Alles weitere wird sich ergeben, einen speziellen Fahrplan gibt es nicht. Aber da ist auch kein Druck auf dem Kessel. Aktuell konzentrieren wir uns nur darauf, möglichst gut aus der Winterpause zu kommen.

Interview: Jakob Böllhoff

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