Schmähungen

Was die Fan-Szene gegen Dietmar Hopp hat

  • schließen

Am Wochenende finden in Bundesliga-Stadien Schmäh-Aktionen gegen den Hoffenheimer Dietmar Hopp statt. Die Empörung ist groß, doch den Fans geht es nicht nur um den Mäzen.

  • An diesem Bundesliga-Wochenende kam es in mehreren Stadien zu Schmähungen gegen den Hoffenheimer Fußballmäzen Dietmar Hopp
  • Auch mit Plakaten hatten die Fans unter anderem von Borussia Dortmund, dem FC Bayern und dem 1. FC Köln ihre Abneigung gegen Hopp kundgetan
  • Es war eine Aktion, die man bereits im Vorfeld angekündigt hatte.

Während nun die Partien in Dortmund und Köln nur unterbrochen, dann aber weiter geführt wurden, war die Empörung beim Spiel des FC Bayern in Hoffenheim grenzenlos. Bayern-Fans hatten Dietmar Hopp auf einem Spruchband mal wieder als „Hurensohn“ bezeichnet, daraufhin hatte Schiedsrichter Christian Dingert die Partie zum ersten Mal unterbrochen

Um die Mannschaften beim zweiten Pfiff in die Kabinen zu schicken. Nach fast 20-minütiger Pause kehrten die Teams auf den Rasen zurück, schoben sich aber nur noch demonstrativ den Ball hin und her. Es sollte als „Zeichen“ gegen die Fan-Aktion verstanden werden. Gleichsam standen Hopp und der Vorstandsvorsitzende der Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, am Spielfeldrand und demonstrierten eine solidarische Einheit.

Dietmar Hopp (TSG Hoffenheim) im Visier der Fan-Szene

Nach Abpfiff sprach Rummenigge vom „hässlichen Gesicht des Fußball“, weiter schäme er sich zutiefst „für diese Chaoten“. Verantwortliche und Medienvertreter überschlugen sich gar in Superlativen dahingehend, welche Abgründe des Hasses sich hier aufgetan hätten. Thomas Helmer bemühte im „Doppelpass“ einen historischen Spieltag, der „in die Fußballgeschichte eingehen wird, aber nicht im positiven Sinne“. 

DFB-Chef Fritz Keller sprach im „Aktuellen Sportstudio“ von „Chaoten, die nichts mit Fußball zu tun haben“, und gegen die durchgegriffen werden müsse. Es brauche „ein Zeichen gegen Hass und Neid in der Gesellschaft“.

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp personifiziert Kommerzialisierung des Fußballs

Wer diese Empörungswelle verfolgt, könnte den Eindruck haben, es handele sich hier um ein singuläres Ereignis gegen eine einzelne Person. Doch zum einen geht es nicht nur um Hopp, und zum anderen hat die Eskalation eine lange Vorgeschichte.

Dietmar Hopp, der milliardenschwere Unternehmer aus Heidelberg, der mit seinem Privatvermögen aus einem Dorfclub die TSG Hoffenheim formte, steht für viele für die personifizierte Kommerzialisierung des Fußballs. Seit sein Club in der Bundesliga spielt, kommt es gegen ihn zu Anfeindungen, weil er das Gegenmodell des „traditionellen Fußballvereins mit Herz“ symbolisiert.

Hintergrund der Fan-Aktion gegen Dietmar Hopp an diesem Wochenende ist jedoch die Wiedereinführung der Kollektivstrafe durch den DFB, der gegen die Fans von Borussia Dortmund ausgesprochen wurde. Für zwei Auswärtsspiele sind die Dortmunder bei der TSG Hoffenheim ausgeschlossen, weil im Dortmund-Block im September 2018 der TSG-Mäzen Hopp im Fadenkreuz gezeigt wurde – ergänzt durch ein Plakat mit dem Schriftzug „Strafverfahren & Hausverbote wegen beleidigenden Gesängen? Was soll die Scheiße du Hu***sohn?“. Die Strafe wurde zunächst zur Bewährung ausgesetzt, nach wiederholten Schmähungen im Dezember 2019 jedoch in eine tatsächliche Strafe umgewandelt.

Kollektivstrafe ist auf Klage Dietmar Hopp personifiziert - Kommerzialisierung des Fußballs

Bereits beim Spiel Borussia Mönchengladbach gegen TSG Hoffenheim am vergangenen Wochenende wäre die Partie beinahe abgebrochen worden. Auch dort wurde Dietmar Hopp im Fadenkreuz gezeigt, auf Transparenten hatte „H*rensöhne beleidigen einen H*urensohn und werden von H*urensöhnen bestraft - Kollektivstrafen abschaffen!“ gestanden. Damit waren wohl die Fans aus Dortmund, Dietmar Hopp und der DFB gemeint, Bezug war dennoch die Kollektivbestrafung, die durch das „Dortmund-Urteil“ wieder eingeführt wurde. Noch im August 2017 hatte der DFB aufgrund von Fanprotesten mitgeteilt, auf Kollektivstrafen zukünftig verzichten zu wollen.

Nicht nur die Kollektivstrafe sorgt für Unmut in der Szene. Dass Fankurven mit Richtmikrofonen abgehört und mit hochauflösenden Kameras überwacht werden, sehen viele als Kriminalisierung ihrer Fußballkultur und als Machtdemonstration jener, die es lieber mit den mehr zahlenden Zuschauern in den Schalensitzen halten. Hinzu kommt die Kritik, dass auf die Beleidigung eines Milliardärs mit Spielabbruch reagiert wird, während rassistische Ausfälle in der Regel für den Spielverlauf folgenlos bleiben. Vielmehr würden Anti-Hopp-Aktionen mit Rechtsterror wie in Hanau gleichgesetzt.

„Bild“ setzt Rechtsterror in Hanau mit „Hetze gegen Hopp“ in eins

So hatte beispielsweise „Bild“-Journalist Alfred Draxler mit „Hanau und Hetze gegen Hopp! Wir müssen Tabu-Linien ziehen“ getitelt. Und damit beide Ereignisse auf eine Stufe gestellt. „Wer die Toten von Hanau missbraucht, um die Fankurven mundtot zu machen, der beweist mehr Anstandslosigkeit als jedes Fadenkreuz“, war daraufhin eine Reaktion der Fans von Borussia Dortmund. Und wie die Fanorganisation ProFans aktuell mitteilt, sei Hopp im Fadenkreuz als ein „Symbol gegen die Kollektivstrafe“ zu verstehen und eben nicht als Mordaufruf. Immerhin hatte die Strafanzeige des Mäzens die Kollektivstrafe zur Folge.

Doch wie mit den verhärteten Fronten umgehen? „Ein Weg zur Befriedung wäre freilich, wenn der DFB wirklich die Kollektivstrafe abschafft. Dann wäre die Luft sofort raus“, schlägt der Sprecher von ProFans vor. Ob sich der DFB darauf einlässt?

Von Katja Thorwarth

Nach Spruchbändern gegen Dietmar Hopp geht ein Beben durch den deutschen Fußball. Warum das alles passiert, hinterfragen die Verantwortlichen aber nicht. Ein Kommentar.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Revie rfoto

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare