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Diego Maradona betritt wieder die große Bühne in seiner Heimat.

Rückkehr nach Argentinien

Diego und der heilige Wahnsinn

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Die Fußballegende Diego Maradona kehrt mal wieder in die Heimat zurück, wird Trainer beim Tabellenletzten - und ein ganzes Land dreht gepflegt am Rad.

Wer an Diego Armando Maradona denkt, und wer denkt nicht andauernd an seine Heiligkeit, klar, der denkt an den lieben Gott und dessen Hand, die irgendwie, 1986 gegen England, mal zu Diegos Hand wurde. Man denkt an einen Zauberer im knappen Höschen, zwischen viel Genie und noch mehr Wahnsinn, an das WM-Tor des Jahrhunderts, ebenfalls 1986 gegen England (gegen wen sonst?), ein abgefahrenes Solo über 60, 70 Meter, mit kurzen Haken im Affenzahn vorbei an der ganzen Bande an tumben Briten. Hinein ins Glück.

Man denkt vielleicht auch an ein paar kleine Skandälchen, eigentlich gar nicht der Rede wert, an den Maradona, der mit einem Gewehr auf Journalisten schoss und fünf verletzte, an Knast, Doping, Fettsucht, Koma, Sauforgien, an weißes Pulver und Entziehungskuren auf Kuba bei seinem Kumpel Fidel. Vielleicht denkt manch einer an den Diego während der WM vor einem Jahr in Russland, als er das gesamte Maradona-Repertoire im Schnelldurchlauf lieferte: Erst züngeln mit einer Blondine, dann zudröhnen bis unters Dach, torkeln, lallen, stürzen, fast von der Balustrade fallen, weitersaufen und dann, ganz zum Schluss, den Siegtreffer für seine Argentinier feiern – stilecht mit zwei ausgestreckten Mittelfingern. Hell yeah.

Diego Maradona betritt wieder die große Bühne in Argentinien

Es hagelte spöttische Kommentare, der große Diego, schrieben einige, nur noch eine Witzfigur, ein Clown, der peinlichste Fußballgott aller Zeiten. Was weit weniger sahen, ist das Lebensdrama eines ewig nach Anerkennung suchenden und Grenzen auslotenden großen Jungens.

Und jetzt betritt Diego Armando Maradona, das Stehaufmännchen, das schon ein paar Mal eher tot als lebendig schien, wieder die große Bühne in seiner Heimat – und der ganze Zinnober geht von vorne los. Die Ikone, dessen beste Jahre in den 80ern aktuell in einer Kinodoku zu sehen sind, wird Trainer in seiner Heimat, bei Gimnasia y Esgrima, dem Tabellenletzten, was aber völlig schnuppe ist, weil die Menschen „El Diez“, „die Zehn“, abgöttisch lieben und ihm sowieso alles verzeihen. Sie lieben ihn wie er ist, verrückt, verschroben, verwirrt, was soll’s, er ist der größte Fußballer Argentiniens, noch lange vor diesem kleinen Messi.

Natürlich läuft ab sofort alles wieder im XXL-Format: Erstes Training am Sonntag im voll bepackten Stadion, für die Vorstellung in einem Hotel sind zigmal mehr Akkreditierungswünsche eingegangen als Plätze vorhanden sind, und Atletico Lanus schlug vor, sein Heimspiel gegen Gimnasia vom ersten Spieltag noch mal wiederholen zu dürfen. War nur ein Spaß. Alles andere nicht.

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