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Gestalter von Zukunft und Gegenwart im deutschen Profifußball: DFL-Boss Christian Seifert.
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Gestalter von Zukunft und Gegenwart im deutschen Profifußball: DFL-Boss Christian Seifert.

Taskforce Profifußball

Die umstrittene Blümchenwelt der DFL

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Wie soll der Profifußball in Zukunft aussehen? Dazu hat eine prominent besetzte Taskforce nun Ergebnisse präsentiert – für die sie von Fans kritisiert wird: „Die Übermacht des Geldes wird Fußballkultur zersetzen“

Corona hat die Welt verändert, und mithin auch die des Fußballs und den Blick auf sie. Im Januar 2018 sagte Christian Seifert, der schon damals mächtigste Mann im deutschen Fußball, bei seiner programmatischen Rede auf dem Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga (DFL) folgendes: „Was nicht funktioniert, erleben wir derzeit an zu vielen Stellen: Schwarzer-Peter-Spielen. Sich wegducken, wenn gute Argumente – die es ja gibt – gefragt wären. Mal ist dann der DFB für alle schlimmen Dinge im Fußball verantwortlich, mal die DFL und mal ein ganz anderer. Und am Ende steht die Überschrift: ‚Das System ist krank.‘ Wohl gemerkt ein System, von dem auch viele gut leben, die es kritisieren.“

Drei Jahre und eine schwere Pandemie später sitzt Seifert vor einer Werbewand, auf der sich auch Wettanbieter Tipico als DFL-Partner präsentieren darf, und lobt die Ergebnisse der Arbeit der „Taskforce Zukunft Profifußball“. Die war auf Betreiben des DFL-Chefs mit 37 Expert:innen in drei Arbeitsgruppen und je drei dreistündigen Sitzungen und einer abschließenden Gesamtkonferenz zusammengekommen, weil im System halt doch einiges krankt, Topleute aus Sport, Politik, Wirtschaft, Fangruppen und Gesellschaft haben sich Gedanken gemacht, haben teils offenbar hart gestritten, um den Bundesligafußball im Jahr 2030 zu entwerfen.

„Leitplanken für die Zukunft“

Es entstand ein wunderschön visionäres Bild eines gemeinschaftlich nachhaltigen, werteorientierten Tuns in Klubs und Dachverband, das - um ein paar aktuelle Beispiele zu nennen - mit der Realität in Machtkämpfen bei DFB, Hamburger SV, VfB Stuttgart oder Mainz 05 so gar nicht korrespondiert. Aber das heißt ja nicht, dass die 17 erarbeiteten Handlungsempfehlungen nicht dennoch anvisiert werden sollten, wenngleich sie Fanorganisationen bei weitem nicht weit genug gehen. Seifert sprach bei der virtuellen Vorstellung der Ergebnisse aus Sitzungen zwischen September und Januar von „Leitplanken, die es nun gibt, um die Zukunft zu bauen“. Das sei ein „sehr, sehr guter Schritt“, an dessen Umsetzung sich DFL und Klubs messen lassen könnten.

Es wird sich zeigen, ob zumindest ein paar Knospen der Blümchenwelt, die dort präsentiert wurde, im knüppelharten Verdrängungswettbewerb Profifußball tatsächlich aufgehen. Die zugeschalteten 28 Medienleute fühlten sich fast wie in einem Achtsamkeitskurs versetzt, als Taskforceleiterin und Psychologieprofessorin Heidi Möller dazu aufforderte, „mit mir zu träumen“. Es ist ein Traum von einem Bundesligafußball in sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Stabilität in intensivem Austausch mit den Fans, mit mehr Frauen auf den Plätzen und in den Vorständen, mit bundesweit sichtbaren karikativen Kampagnen, mit Freundschaftsspielen auf dem Dorf statt in der weiten Welt, langfristiger Nachwuchspflege, Financial Fairplay, Gehaltsdeckelungen und Regulierung der Berater und ihrer Honorare.

Taskforcemitglied und Grünen-Politiker Cem Özdemir sprach bei der dpa von „zukunftsweisenden Reformvorschlägen, mit denen einige Schieflagen, die wir im Fußball erleben mussten, ernsthaft in die richtige Richtung bewegt“ werden könnten. „Jetzt liegt der Ball für die DFL auf dem Elfmeterpunkt, das Tor muss sie selber schießen. Wir feuern an!“

Weniger zufrieden äußerte sich die in der Taskforce ebenfalls vertretene Fanorganisation „Unsere Kurve“. „Die Erwartungshaltung an die Arbeit der Taskforce war hoch – die Ergebnisse werden viele organisierte Fans enttäuschen“, sagte die Vorsitzende Helen Breit. Kollegin Anna-Maria Hass ergänzte: „Einmal mehr entsteht der Eindruck, dass die handelnden Personen sich dringend notwendigen Reformen verweigern.“ Besonders enttäuscht sind die Fans über die fehlende Fixierung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. „Wenn sich die Finanzkraft der Bundesligisten weiter so auseinander entwickelt, hat die Liga keine Zukunft. Dann wird die Übermacht des Geldes sowohl den sportlichen Wettbewerb als auch die Fußballkultur zersetzen“, kritisierte Taskforcemitglied Dario Minden. Insgesamt, so der Tenor, seien die Diskussionen aber als fruchtbar empfunden worden. Es sei erstaunlich, wie viele Übereinstimmungen es trotz unterschiedlicher Interessenlagen gegeben habe. „Umso bedauerlicher, dass sich dies nicht in der öffentlichen Präsentation wiederfindet.“ Fans waren dazu nicht geladen.

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