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Die Sensation vom Bölle

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Von: Daniel Schmitt

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Umkämpftes Duell: Darmstadts Matthias Bader (l.) gegen Gladbachs Kouadio Kone.
Umkämpftes Duell: Darmstadts Matthias Bader (l.) gegen Gladbachs Kouadio Kone. © dpa

Darmstadt 98 wirft Gladbach aus dem DFB-Pokal / Eingewechselter Seydel erzielt Siegtreffer.

Knapp zwanzig Minuten vor dem Abpfiff sendete Torsten Lieberknecht, der Cheftrainer des SV Darmstadt 98, das siegbringende Zeichen an seine Mannschaft: Jungs, wir holen uns das Ding, wir kommen hier weiter in die nächste Runde. Wir und niemand anders. Er, Lieberknecht, benötigte dafür gar keine Worte, es waren Taten, genauer: ein Spielerwechsel.

Gerade als der Favorit dieses Zweitrundenduells im DFB-Pokal, Borussia Mönchengladbach, beim Stand von 1:1 so langsam die Oberhand zu gewinnen schien, brachte Lieberknecht den Stürmer Aaron Seydel für den Mittelfeldmann Tobias Kempe. Kein Einigeln, kein In-die-Verlängerung-Retten, stattdessen selbst in die Offensive gehen. Ein Signal, das sich verfing. Denn, na klar, eben jener Seydel schoss dann in 79. Minute den umjubelten 2:1-Siegtreffer. Einer, der über die volle Spielzeit betrachtet durchaus verdient war. Wie 2013 hatten die Darmstädter auch diesmal den Favoriten vom Niederrhein aus dem Pokal gekämpft.

Dabei mussten die ohnehin verletzungsgeplagten Gastgeber kurzfristig auch noch auf Christoph Zimmermann verzichten. Die Abwehrkante verpasste wegen Adduktorenbeschwerden das Wiedersehen mit seinem Jugendverein aus Gladbach sowie seinem Ex-Trainer Daniel Farke, mit dem er vergangene Saison noch in der Premier League bei Norwich City zusammengearbeitet hatte. Und er verpasste auf dem Platz seine Kameraden, die sofort loslegten wie die Raketen.

Nachdem die Lilien-Fans beim Einlaufen der Teams hinter der Tribüne ein hübsches Feuerwerk in die Luft geschossen hatten, zündete auch die Elf auf dem Rasen den Turbo. Gerade Angreifer Braydon Manu piesackte die einigermaßen hüftsteifen Hünen in der Gladbacher Abwehr mit seiner quirligen Art. Entsprechend besser waren die Südhessen zu Beginn - und der Lohn folgte nach 23 Minuten.

Lieberknechts Signal

Kempe dribbelte den Ball von rechts ins Zentrum, passte steil auf Marvin Mehlem, der vor dem Kasten die Übersicht behielt und querlegte auf Phillip Tietz. Der Mittelstürmer schoss zum 1:0 ins linke Eck, vorbei am Gladbacher Keeper Tobias Sippel, der früh im Spiel für den am Knöchel verletzten Stammtorhüter Yann Sommer zwischen die Pfosten gerückt war. Der Bundesligasechste hatte in dieser Phase erhebliche Mühe, sich auch nur zwei, drei Bälle nacheinander zuzuspielen, entweder spritzten die Darmstädter Fußballer dazwischen oder aber der Favorit scheiterte an eigener Unzulänglichkeiten. Und er hatte Glück, dass ein Fernschuss von Lilien-Rechtsverteidiger Matthias Bader nur die Querlatte küsste (33.).

Erst jetzt, nach etwas mehr als einer halben Stunde, setzte der Erstligist den bissigen Darmstädter ernsthafte Körperlichkeit entgegen - und kam zu Chancen. Erst grätschte Darmstadts Ersatzverteidiger Thomas Isherwood einen Versuch von Marcus Thuram noch von der Linie (37.), dann parierte Torhüter Marcel Schuhen gegen den auf ihn zueilenden Nathan N’Goumoun. Dennoch: Die 1:0-Pausenführung war aus Sicht der Darmstädter eine absolut verdiente, das Team von Trainer Torsten Lieberknecht rackerte mehr, spielte besser Fußball

Gladbach kam nun jedoch zielstrebiger zurück aufs Grün - und schoss bereits in der 48. Minute den Ausgleich. Die Lilien-Abwehr hatte zwar noch versucht, das Zentrum eilig zu schließen, ließ dafür aber auf der rechten Seite zu viel Raum. Luca Netz haute den Ball unhaltbar ins lange Eck.

Ein Rückschlag aus hessischer Sicht, der die Blauen aber keineswegs verunsicherte. Im Gegenteil. Darmstadt spielte weiter mit dem Selbstvertrauen eines Zweitliga-Spitzenreiters. Ein Kopfball von Manu strich hauchzart am Pfosten vorbei (50.). Es entwickelte sich sodann ein Spiel, im dem Gladbach zwar reifer, abgezockter wirkten, logisch eigentlich, in dem die Lieberknecht-Truppe aber ihr komplettes Portfolio an Willen, Leidenschaft, Zusammenhalt auf den Rasen zimmerte. Und in dem der Trainer selbst das Signal zum Sieg sendete.

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