Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dürfen bald wieder dem Bundestrainer lauschen: Mats Hummels (links) und Thomas Müller. dpa
+
Dürfen bald wieder dem Bundestrainer lauschen: Mats Hummels (links) und Thomas Müller. dpa

DFB

Die Rückkehr der Verstoßenen Hummels und Müller

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
    schließen

Joachim Löw nominiert Thomas Müller und Mats Hummels für die EM und sorgt für ein paar kleinere Überraschungen: Kevin Volland wird belohnt, Julian Draxler muss zu Hause bleiben.

Aufsehen erregende Comebacks großer Namen in der hiesigen Fußball-Nationalmannschaft hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben: Weil sich Matthias Sammer lädiert abmelden musste, wurde Lothar Matthäus von Bundestrainer Berti Vogts vor der WM 1998 im fortgeschrittenen Altherrenalter von 37 zurückgeholt. Matthäus hatte zuvor nach Verletzung und öffentlich ausgetragenem Streit mit Stürmer Klinsmann unfreiwillig eine dreieinhalbjährige DFB-Pause erlebt. Lothar, der Libero, durfte dann noch zwei große Turniere bestreiten, allerdings mit überschaubarem Erfolg. Am Ende gehörte auch der Weltfußballer von 1991 zu Erich Ribbecks Rumpelfüßlern 2000. Sein letztes von 150 Länderspielen: ein unterirdisches 0:3 gegen Portugal beim Aus in der EM-Vorrunde in Rotterdam.

Rudi Völler hatte bereits im Oktober 1992 bei einem trostlosen 1:1 gegen Mexiko in Dresden sein Abschiedsspiel im DFB-Dress absolviert. Aber dann schaffte es Berti Vogts, den mittlerweile 34-Jährigen nach mehr als eineinhalb Jahren Unterbrechung zur Rückkehr für die Weltmeisterschaft 1994 in den USA zu überreden. Glücklich wurden weder Vogts noch Völler damit. Dessen 90. und letztes Länderspiel wurde das frühe WM-Aus gegen Bulgarien.

Matthäus und Völler sind keine sonderlich Hoffnung schenkenden Beispiele, was Bundestrainer Joachim Löw aber nicht davon abhielt, die auch nicht mehr ganz taufrischen Thomas Müller, 31, und Mats Hummels, 32, für die Europameisterschaft 2021 zur Renaturierung seiner welk gewordenen Mannschaft zu bitten. Das tat er am Mittwoch öffentlich.

Löw, weißes Hemd, frische Fönfrisur, gab in der virtuellen Pressekonferenz eher dem Coronavirus als sich selbst Schuld daran, dass die Comebacks zweier Verstoßener nun doch unplanmäßig nötig sind. Die Dinge hätten sich unter diesen pandemischen Voraussetzungen halt nicht so entwickelt wie erhofft.

Für die Rolle rückwärts im Fall Hummels sprach: Löw und sein Trainerteam stellten wenig überraschend „in der Analyse fest, dass wir in der Defensive nicht immer die Stabilität hatten und uns da Erfahrung fehlte“. Später erwähnte der Bundestrainer noch, dass er den jungen Spielern dennoch vertraue - eine Argumentationskette, deren Glieder nicht ganz zusammenpassen.

Müllers Rückkehr nach formidabler Saison war vom Bundestrainer ohnehin schon länger avisiert worden, beide Spieler seien „sehr integrativ in ihrer Persönlichkeit“, er erwarte von ihnen „Führung und Verantwortung“. Und er erwarte zudem durchweg Männer im Kader, die auch dann, wenn sie nicht spielten, „Frusttoleranz“ an den Tag legten. Das wird umso wichtiger sein, als die Uefa wegen der Pandemie erlaubt, dass 26 statt der gewohnten 23 Spieler bei der EM-Endrunde dabei sein dürfen. Macht stolze 15 Akteure, die nicht zur Startelf gehören, drei Spieler schaffen es jeweils nicht einmal auf die Bank, sondern müssen auf der Tribüne Platz nehmen.

Das bleibt den gefeierten Confed-Cup-Siegern von 2017, Amin Younes, Julian Brandt und dem seinerzeit zum besten Spieler des Turniers gewählten Julian Draxler, immerhin erspart. Sie alle hatten sich Hoffnungen gemacht, wurden aber, wie auch Philipp Max, Ridle Baku, Mo Dahoud, Jonathan Tah, Luca Waldschmidt und Florian Wirtz, nicht nominiert. Gerade Draxler sei „völlig zurecht“ sehr enttäuscht, räumte Löw nach einem Telefonat ein. Auch mit Marco Reus hatte er sich fernmündlich ausgetauscht. Man kam überein, den Dortmunder über den Sommer ausruhen zu lassen. Einen Anruf beim nicht berufenen Jerome Boateng ersparte sich der 61-Jährige indes.

Dafür klingelte dieser Tage das Handy bei Angreifer Kevin Volland, inzwischen unter Trainer Niko Kovac in Monaco sehr erfolgreich tätig. Der ehemalige Hoffenheimer und Leverkusener war 2014 vor der WM in Brasilien noch in letzter Minute aus dem vorläufigen Aufgebot gestrichen worden und einigermaßen gefrustet aus dem Trainingscamp in Südtirol abgereist. Diesmal ist er dabei und muss wegen der coronabedingten Kadererweiterung keine Ausbootung fürchten.

Den stärksten Block bilden erwartungsgemäß die Münchner Bayern mit acht Spielern, auch der gerade 18-jährige Jamal Musiala gehört dazu. Die größte Überraschung dürfte die Nominierung des Freiburger Linksverteidigers Christian Günter sein, was weniger an landsmannschaftlicher Verbundenheit des Bundestrainers liegt, sondern an Günters zuletzt sehr guten Leistungen. Der 28-Jährige kommt auf bisher neun Minuten Länderspielerfahrung aus dem Frühjahr 2014 beim 0:0 gegen Polen.

Die Veröffentlichung des EM-Kaders fand als Zoom-Konferenz statt und war nicht nur Pressevertretern zugänglich. Der Deutsche Fußball-Bund müht sich, wieder mehr Nähe zu seiner schrumpfenden Anhängerschaft zu organisieren. Mehrere tausend Fans, unter anderem auch aus dem Seniorenheim des Arbeiter-Samariter-Bundes in Frankfurt/Oder, durften sich einloggen. Über eine Chatfunktion wurden insgesamt 2378 Fragen gestellt, nur die gängigsten konnten binnen 90 Minuten beantwortet werden. Nicht in die Auswahl schafften es Fragen an den Bundestrainer wie „Spielt Mario Götze eine Rolle?“, „Wie fanden Sie die Saison von Max Kruse“ oder „Was ist Ihr Lieblings-Emoji?“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare