Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Will unbedingt Zuschauer in den EM-Stadien: Uefa-Chef Ceferin.
+
Will unbedingt Zuschauer in den EM-Stadien: Uefa-Chef Ceferin.

Uefa-Boss Aleksander Ceferin

Die Pistole aus Nyon

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
    schließen

Die Forderung vom Uefa-Präsidenten an die EM-Städte, bis Mitte April verbindliche Zusagen für Stadionpublikum zu geben, ist angesichts der Corona-Lage an Dreistheit kaum zu überbieten. Ein Kommentar.

Der plötzliche Angriff über die rechte Flanke des ersten Sturms lässt einen dann doch verstörend zurück. Kann es wirklich sein, dass der Präsident der Uefa im Bemühen, eine in diesen Zeiten absurde über halb Europa verteilte Fußball-EM mit allen Mitteln durchzuziehen, die Veranstalter praktisch dazu zwingt, Zuschauer in die Stadien zu peitschen? Andernfalls würde ihnen die Spiele entzogen. Und eine verbindliche Entscheidung bis Mitte April abverlangt.

Jede gastgebende Stadt, und es gibt bei diesen paneuropäischen Spielen von Baku bis Bilbao, zwölf davon, unter anderem München, müsse „garantieren“, sagt Aleksander Ceferin in Nyon, dass Fans zur Kickerei dürfen. Und: Die „Option“, Spiele ohne Publikum anzupfeifen, sei „vom Tisch“.

Das ist angesichts der aktuellen Lage an der Corona-Front schon dreist. Ceferin setzt die Städte massiv unter Druck und ihnen die Pistole auf die Brust: Entweder Publikum, wieviel auch immer, oder ihr guckt in die Röhre. Bis Mitte April möchte Ceferin die verbindliche Zusage der zwölf Gastgeberstädte, just zu einer Zeit, da hierzulande ein etwaiger Inzidenzwert von mehr als 200 nicht unrealistisch erscheint, da allenthalben vor Mutanten und der dritten Welle gewarnt wird.

Ceferin fehlt der Weitblick

Wie kann denn ein Sportfunktionär mit Verantwortungsbewusstsein derart apodiktisch Forderungen stellen? Da nimmt einer in Kauf, dass Menschen möglicherweise erkranken, nur weil eine Sportveranstaltung durchgeführt werden soll. Das ist absurd, und allein damit zu erklären, dass finanzielle Komponente eine entscheidende Rolle spielen. So eine EM ist natürlich auch immer eine riesige Gelddruckmaschine, 25 Prozent der erwarteten Zwei-Milliarden-Euro-Einnahmen entfallen auf den Ticketverkauf.

Seriös kann, etwa in München, keiner nach Ostern verbindlich sagen, ob das Infektionsgeschehen es verantwortbar erscheinen lässt, im Juni Fans auf die Ränge zu lassen – gerade hierzulande, wo es mit dem Impfen hakt. Derzeit erlauben das die aktuellen Vorschriften nicht, lokale Gesundheitsbehörden haben das letzte Wort.

Im Grunde passt die komplette Europameisterschaft in zwölf unterschiedliche Länder mit kaum gehemmten Reisebewegungen nicht mehr in die Zeit. In einer veränderten Zeit, in der ein Virus die Welt auf den Kopf gestellt hat, will der Fußball weiter so tun, als könne er sein Geschäftsmodell einfach so weiter führen, bestenfalls mit einem mehr oder weniger gelungenen Hygienekonzept und einer möglicherweise reduzierten Zuschauerzahl. Aber selbst wenn nur ein Drittel der Kapazität der Arenen nutzbar sein sollte, wie es der Uefa-Plan wenigstens vorsieht, so sind das immer noch 17 000 bis 30 000 Menschen, die einem unkalkulierbarem Risiko ausgesetzt wären.

Ist es das wert? Man muss ja nicht hingehen. Es wäre ein Boykott der anderen Art, einer mit Füßen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare