Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Im Zentrum der Kritik: Impf-Skeptiker Joshua Kimmich.
+
Im Zentrum der Kritik: Impf-Skeptiker Joshua Kimmich.

Streit ums Impfen in der Bundesliga

Die Pflicht der Anderen

Alle Autoren
    schließen
  • Manuel Bonke
  • Jan Christian Müller
    Jan Christian Müller
  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt

Die Debatte ums Impfen wird im Profifußball immer unerbittlicher geführt: Politiker, Mediziner und Funktionäre drängen auf eine 2G-Lösung für Profis, die Bundesligatrainer sind weitaus zurückhaltender.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder will für Bayern wegen der sich zuspitzenden Corona-Lage auch die Maßnahmen für den Sport verschärfen. So soll die Auslastung von Stadien und Hallen bei Sportveranstaltungen wie den Spielen des FC Bayern auf „maximal 25 Prozent“ beschränkt werden, für Zuschauende gelte die 2G-Plus-Regel. Geimpfte und Genesene müssen dann zusätzlich einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen. Die Maßnahmen sollen am Dienstag beschlossen werden.

Im Fall des noch ungeimpften Bayern-Profis Joshua Kimmich sprach sich Söder zudem erneut für das 2G-Modell auch für Profifußballer aus, dies wäre „sinnvoll“, sagte er. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hat den Vorstoß der Länderchefs für ein Spielverbot für ungeimpfte Fußballprofis untermauert. „Zu Recht kann man vortragen, die Fußballer werden gut bezahlt, sind Vorbilder auch für junge Menschen. Ich finde, dann müssen sie sich auch benehmen wie Vorbilder“, so Wüst laut „Bild“.

Auch der langjährige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, hat sich für 2G im Profifußball ausgesprochen. „In der gegenwärtigen dramatischen Corona-Lage finde ich es verhältnismäßig, dass in einer Kontaktsportart, die als länderübergreifender Wettbewerb in Bundesligen gespielt wird und sehr viele Zuschauer anzieht, die 2G-Regel eingeführt wird“, sagte Dabrock.

Das fordert ebenso der ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, Andreas Rettig: „Ich habe großen Respekt davor, dass in einer demokratischen Gesellschaft jeder Mensch selbstbestimmt darüber entscheiden soll, ob er sich impfen lässt oder nicht. Aber wenn man als Fußballer das Privileg genießen will, seinen Job ausüben zu können, muss man dieses Recht auf Selbstbestimmung aufgeben. Deshalb wäre eine selbst auferlegte Impfpflicht für alle Profifußballer ein starkes Zeichen.“

Angeführt von Tim Meyer, dem Teamarzt der deutschen Nationalmannschaft und Erfinder des Hygienekonzepts der Fußball-Bundesliga, haben mehrere Mediziner ein dringliches Rundschreiben an alle 36 Lizenzklubs geschickt: „Wir fordern ungeimpfte Personen innerhalb, aber auch außerhalb des Fußballs dringend auf, eine Impfung in Betracht zu ziehen und sich seriös darüber zu informieren. Impfungen sind der Schlüssel zum zügigen Beenden der Pandemie und durch keine andere Maßnahme zu ersetzen.“ Die FR bekam eine entsprechende „Bild“-Berichterstattung bestätigt. Spätestens die Weihnachtspause, so die Ärzte, könnte eine günstige Gelegenheit darstellen, eine Impfung zu beginnen, zu vervollständigen oder aufzufrischen. Meyer hatte noch unmittelbar vor dem EM-Trainingslager Ende Mai in Seefeld alle Nationalspieler aufgefordert, sich impfen zu lassen. Bei manchen erfolglos.

An die Mannschaftsärzte der Vereine wurde in der E-Mail der Hinweis gerichtet, dass Nebenwirkungen auftreten können, sie stünden aber „in Häufigkeit und Schwere in einem absolut vertretbaren Verhältnis zur Wirkung.“

Ex-Ligamann Rettig sagte zum Fall des ungeimpften Bayern-Profis und DFB-Vizekapitäns Kimmich, der erst die beiden Länderspiele gegen Liechtenstein und in Armenien verpasst hatte und nun auch am Freitagabend dem FC Bayern in der Bundesliga in Augsburg aufgrund von einer erneuten Quarantäne fehlte: „Wenn ein intelligenter Spieler wie Joshua Kimmich vor einem Millionenpublikum darüber schwadroniert, er lasse sich nicht impfen, weil er Langzeitfolgen befürchte, dann muss ich sagen: Das ist am Thema vorbei und nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse gedeckt. Mir steht es nicht zu, ihn für sein Nicht-Impfen zu kritisieren , aber seine öffentlichen Erklärungen waren leider daneben.“

Rettig wies auch auf die Außenwirkung und die Verantwortung des Profifußballs hin. „Bereits vor der Pandemie hat sich klar abgezeichnet, dass der gesellschaftliche Zuspruch für den Fußball abnimmt. Wenn sogenannte Stars Friseure einfliegen lassen, Gold-Steaks essen oder auf ihrer Yacht an einem freien Wochenende Partys feiern, sorgt das bei den Anhängern, aber auch in der breiten Gesellschaft, für Kopfschütteln. Viele Fans wollen es einfach nicht mehr hinnehmen, dass der Fußball in seiner eigenen Luxus-Blase lebt und sich immer mehr abkoppelt vom wirklichen Leben. Die Corona-Pandemie hat diesen Prozess sicherlich noch einmal beschleunigt.“

Viele Bundesliga-Fußballlehrer gehen den Weg von Söder, Dabrock, Wüst und Rettig nicht aktiv mit. „Wir haben in der Gesellschaft den Anspruch, alle gleich behandelt zu werden. Ich würde nicht zwischen Fußballern und Bauarbeitern unterscheiden“, sagte Borussia Dortmunds Trainer Marco Rose.

Sein Mainzer Kumpel Bo Svensson sieht es genauso: „Bis es nicht rechtlich eine Pflicht ist, hat man die Möglichkeit zu wählen.“ Er empfehle die Impfung, bitte aber darum, auch andere Meinungen gelten zu lassen.

Oliver Glasner, Trainer von Eintracht Frankfurt, findet, dass unbedingt alles dafür getan werden müsse, um eine hohe Impfquote zu erreichen. „Das ist der einzig nachhaltige Ausweg“, sagt er. Der 47-Jährige, dessen elfjährige und daher ungeimpfte Tochter bereits infiziert war, erhielt in dieser Woche selbst seine Booster-Impfung. Sollte es aber auch eine Impfpflicht für Profisportler geben? „Einzelne Berufssparten herauszupicken, halte ich nicht für sinnvoll“, sagt Glasner. Und weiter: „Ob jetzt die 300 ungeimpften Fußballprofis den Ausschlag geben?“

Der Stuttgarter Coach Pellegrino Matarazzo stellte grundsätzlich klar: „Aktuell gibt es keine Impfpflicht in Deutschland und in der Bundesliga. Wenn sich das ändert, werden wir uns entsprechend anpassen.“ Eine Impfpflicht für Profifußballer ist auch bei Bayer Leverkusen kein Thema. „Das ist bei uns nicht relevant. Alle Spieler sind geimpft, aber wir haben sie dazu nicht verpflichtet“, so Bayer-Pressesprecher Dirk Mesch.

Deutliche Worte fand Freiburgs Trainer Christian Streich, der die ungeimpfte Bevölkerung kritisierte. „Schön, dass wir in einer Demokratie leben“, sagte er, „aber dann sollte die Demokratie auch richtig verstanden werden. Die meisten Menschen verstehen sie richtig, aber 20 bis 30 Prozent verstehen sie offensichtlich nicht richtig“. mit sid/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare