1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Die neuen Heldinnen

Erstellt:

Von: Frank Hellmann

Kommentare

Die Europameisterinnen baden im Konfetti.
Die Europameisterinnen baden im Konfetti. © afp

Bei der Frauen-EM hat das beste Team gewonnen - ohne die niederländische Trainerin Sarina Wiegman wäre das wohl kaum gelungen. Der Kommentar.

Samuel Johnson, der berühmte britische Schriftsteller, sagte einmal: Wer London müde sei, sei des Lebens müde. Das trifft es ziemlich gut. Und so hat diese rastlose Metropole am Montag seine neuen Heldinnen gefeiert. Am Trafalgar Square gab es den nächsten Jubelrausch mit Englands Fußballerinnen, die sich für ihren ersten EM-Titel ausgiebig von Abertausenden feiern ließen. Tags zuvor hatten 87 192 Menschen für eine der stimmungsvollsten Ereignisse im Wembleystadion überhaupt gesorgt. Es gehört unbedingt erwähnt, dass deutsche Fans, denen im dritten Rang die Tränen über schwarz-rot-gold geschminkte Wangen kullerten, wie selbstverständlich von englischen Supportern getröstet worden sind.

Ansonsten lief die Szene rauf und runter, wie die englische Kapitänin Leah Williamson sogar Prinz William im Überschwang um den Hals fiel. Geht eigentlich nicht. Ist aber gestattet, wenn Frauen beim EM-Heimturnier auf Anhieb schaffen, was den Männern 1996 wie 2021 verwehrt blieb: die Trophäe auf dem heiligen Rasen zu erringen. Dass es wie bei der WM 1966 gegen den Lieblingsgegner Deutschland gelang, schlug einen vergleichbar großen Bogen, wie er über dem Stadion thront. Dafür waren den Engländerinnen auch jene Mittel recht, die ansonsten nicht zu diesem Turnier gehörten. Theatralik. Zeitspiel. Nun ja.

Ohne Frage aber hat das richtige Team gewonnen; mit der stärksten Mentalität ausgestattet. Offenkundig, dass der Triumph ohne die Niederländerin Sarina Wiegman schwerlich gelungen wäre, die fünf Jahre nach ihrem Coup mit den „Oranje Leuwinnen“ nun eben die „Lionesses“ zum Titel führte. Ihr Gespür, auch die englischen Löwinnen einzuschwören; ihre Selbstsicherheit, diese Gruppe mit einem klaren Plan (und immer derselben Startelf) anzuleiten, um dann mit ihren Einwechslungen erst das Viertelfinale gegen Spanien und dann das Finale gegen Deutschland zu entscheiden, dafür gebührt der 52-Jährigen höchster Respekt.

Auch sie wählte danach große Worte, als sie davon sprach, die Welt verändern zu wollen: „Wir verändern die Gesellschaft, das ist, was wir wollen, und das geht über den Fußball hinaus.“ Der nächste Schritt müsste bezüglich ihrer Person sein, dass ein renommierter Verein diese Trainerin für seine Profi-Männer verpflichtet. Es wäre der nächste historische Sieg für diese Fußballlehrerin. London hat doch genug Premier-League-Klubs, die Sarina Wiegman den roten Teppich ausrollen könnten.

Auch interessant

Kommentare