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Dirigenten an der Außenlinie: Links Oliver Glasner (Wolfsburg), rechts Edin Terzic (Dortmund).
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Dirigenten an der Außenlinie: Links Oliver Glasner (Wolfsburg), rechts Edin Terzic (Dortmund).

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Die neue Macht der Bundesligatrainer

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Früher waren sie das schwächste Glied im Klub, heute bestimmen viele Trainer selbst ihr Schicksal - denn sie wissen um ihre gewachsene Bedeutung.

Einst galt in der Bundesliga das schöne Bonmot, wonach Trainer dann fliegen wie die Blätter von den Bäumen, sobald die Tage kürzer werden. Im Herbst, wenn sich die ersten, ohnehin meist zu ambitioniert formulierten Saisonziele zu verflüchtigen drohen, greifen Klubmanager gerne zum Allheilmittel des Trainerwechsels. Das ist immer noch so. Doch ist in die Frage des richtigen Übungsleiters längst eine Dynamik gekommen, die es vorher noch nie gegeben hat. Das Trainerkarussell dreht sich schneller denn ja.

Trainer kommen und gehen, wie es ihnen in den persönlichen Karriereplan passt. Noch nie in der Geschichte der Liga war die Fluktuation an der Außenlinie so groß, suchen Fußballlehrer neue Betätigungsfelder. Im Grunde hat diese Trainererosion in dieser Saison nur drei Klubs nicht betroffen: SC Freiburg (Streich), Union Berlin (Fischer), VfB Stuttgart (Materrazzo). Alle übrigen Klubs verlieren ihre Trainer, haben sie bereits verloren oder sie wackeln (Kohfeldt, Hoeneß, Glasner).

Das Neue an der Wechselorgie ist: Es kommt überhaupt nicht auf das aktuelle sportliche Abschneiden an. Die ersten sieben Klubs der Tabelle wechseln den Zampano an der Seite (oder es droht, wie in Wolfsburg, der Abgang). Dabei haben die Vereine im Kern ihre Ziele erreicht oder sogar übererfüllt. Sportlicher Lorbeer oder eine erfolgreich absolvierte Saison spielen überhaupt keine Rolle mehr. Das ist sicher keine gute Entwicklung.

Spieß umgedreht

Fußballlehrer interpretieren ihren Beruf mittlerweile als ein auf Zeit begrenztes Projekt, wann das Projekt beendet ist, entscheiden sie ganz allein. Verträge sind das Papier nicht wert, Ausstiegsklauseln die Regel und die Vorstellung, womöglich als Vorbild zu fungieren, ist nur noch was für Fußballromantiker. Aber warum sollte ein Trainer anders ticken als das von wahnsinnigen Geldsummen geschmierte Geschäftsmodell Profifußball? Sie drehen einfach den Spieß um, warten nicht mehr, bis sie als vermeintlich schwächstes Glied in der Kette geschasst werden, allerdings stets mit einem goldenen Handschlag, sondern agieren proaktiv.

Können sie auch, weil Übungsleiter in diesem System inzwischen eine Bedeutung, auch eine Macht, erlangen konnten, die sie lange nicht hatten. Für Übungsleiter werden nun Summen aufgerufen und gezahlt (siehe Nagelsmann, Hütter), für die es früher einen respektablen Mittelstürmer gab. Der Stellenwert des Coaches ist ins schier Heilsbringerische gewachsen, ob zu Recht oder Unrecht, sei offen gelassen.

Bekanntlich hat eine Reihe von statistischen Untersuchungen bewiesen, dass Trainerentlassungen so erfolgversprechend sind wie ein Würfelspiel (siehe Schalke 04). Oder: Der aktuell Vorletzte Hertha BSC hat seinen Coach auf Platz 14 gewechselt, Borussia Dortmund stellte Lucien Favre Mitte Dezember 2020 frei, als man auf Platz fünf stand (mit zwei Punkten Rückstand auf die Champions League). Nachfolger Edin Terzic rangiert mit dem BVB immer noch auf Platz fünf, und hat das nur wegen eines Höhenflugs der letzten drei Wochen erreicht. Nachhaltig ausgezahlt hat sich vor allem die Neubesetzung des Trainerstuhls in Mainz mit Bo Svensson, der die Rheinhessen zur fünftbesten Rückrundenmannschaft getrimmt hat.

Das Kommen und Gehen der Übungsleiter bestimmt in der Bundesliga derzeit Agenda und Schlagzeilen und rückt die eigentlichen Akteure, die Spieler, in den Hintergrund. Interessanterweise gibt es so gut wie keine Gerüchte und Meldungen über spektakuläre Transfers. Wer wurde, in dieser Phase der Saison, sonst nicht schon überall gehandelt, wer kommt von wem zu welchem Klub? Da herrscht momentan absolute Stille. Die Trainer haben dieses Terrain besetzt.

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