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Auch auf der Insel eine Klasse für sich: Thiago (rechts), im Hintergrund Timo Werner.

Thiago Alcantara

Die natürliche Passmaschine

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Mittelfeldspieler Thiago feiert ein glänzendes Debüt für den FC Liverpool gegen den FC Chelsea, bei dem Timo Werner ganz gut spielte und Kai Havertz enttäuschte.

Kurze Pässe, lange Pässe, Tempowechsel, Finten und noch mehr kurze und lange Pässe. Thiago Alcantara spielte am Sonntag so, als sei er seit Jahren Bestandteil des FC Liverpool. Dabei hat der 25-Millionen-Euro teure Neuzugang vom FC Bayern lediglich eineinhalb Trainingseinheiten mit dem Team absolviert und war deshalb nie eine Option für die erste Elf beim FC Chelsea, wie Trainer Jürgen Klopp versicherte. Die Rote Karte von Blues-Verteidiger Andreas Christensten kurz vor der Pause und die Verletzung von Reds-Kapitän Jordan Henderson waren für Klopp zwei gute Gründe, um den Strategen aufs Spielfeld an der Stamford Bridge zu schicken.

„Er war der perfekte Spieler gegen zehn Mann. Alles, was er macht, ist natürlich“, lobte der 53-Jährige den Spanier. der beim Stand von 0:0 auf den Platz kam und den 1:0-Führungstreffer (50.) durch Sadio Mané miteinleitete. Thiago war sofort im Zentrum der Dirigent, machte die einfachen Dinge, um die Räume für seine Mitspieler zu öffnen. Seine 75 erfolgreichen Pässe waren neuer Premier-League-Rekord für einen Akteur, der nur 45 Minuten im Einsatz war und gleichzeitig mehr als jeder Chelsea-Profi in 90 Minuten gespielt hatte.

„Defensiv war es ein bisschen tricky für ihn, weil wir uns hinten anders aufstellen“, erklärte Klopp und war Thiago auch nicht böse, dass er in der 75. Minute einen Elfmeter verursacht hatte. Was wohl auch daran lag, dass Keeper Alisson den Strafstoß von Jorginho parierte und Mané schon in der 54. das 2:0 nach krassen Patzer von Chelsea-Keeper Kepa erzielt hatte. „Wir haben kein Gegentor bekommen, Ali hat einen Elfmeter gehalten, Thiago hat debütiert. Wenn Hendo jetzt nichts Schlimmes hat, war es ein perfekter Tag für uns“, resümierte Klopp.

Für den FC Chelsea war es hingegen die Erkenntnis, dass das Team noch weit weg davon ist, ein Spitzenteam zu sein und das Investment von 220 Millionen Euro keine sofortigen Verbesserungen verspricht.

Da wäre zum einen Kepa Arrizabalaga, der sich zum zweiten Mal hintereinander einen Schnitzer leistete und zunehmend zum Unsicherheitsfaktor wird. Trainer Frank Lampard will dem teuersten Torhüter der Welt – vor zwei Jahren kam er für 80 Millionen Euro von Athletico Bilbao – zwar weiter den Rücken stärken. Bleibt die Frage: Wie lange noch?

„Wir sind nicht hier, um Zweiter oder Dritter zu werden“, sagte Angreifer Timo Werner vor dem Spiel beim Sender Sky Sports selbstbewusst. „Dann hätten wir in Leverkusen oder Leipzig bleiben können.“ Der deutsche Nationalstürmer vergab in der ersten Hälfte die beste Chance für die Blues, indem er freistehend den Ball neben das Tor setzte. Ansonsten war er der einzige Chelsea-Spieler, der mit seinem Tempo im Angriff Gefahr versprühte und auch den Elfmeter gegen Thiago rausholte.

Blass wie schon im Auftaktspiel gegen Brighton blieb hingegen Sommer-Rekordtransfer Kai Havertz. Für ihn muss Lampard noch eine Position finden. Am Sonntag stellte er ihn auf den rechten Flügel, wo er nicht wirklich zurechtkam. Er wird Zeit brauchen. Im Gegensatz zu Thiago. Er braucht einfach nur den Ball am Fuß.

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