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Eine Klasse für sich: Nationalspielerin Giulia Gwinn.
Eine Klasse für sich: Nationalspielerin Giulia Gwinn. © dpa

Die Frauenfußball-Bundesliga ist längst eine Drei-Klassen-Gesellschaft: Der VfL Wolfsburg hat einen Luxuskader zusammen, nur Bayern München kann mithalten - andere sind abgehängt. Der Kommentar.

Followerzahlen in den Sozialen Medien sind für Fußballerinnen wirklich nicht das Wichtigste. Aber sie sind allemal ein Gradmesser für Popularität. Und insofern belegen die exponentiellen Steigerungen bei einigen deutschen Nationalspielerinnen gut, wie sich Bekanntheit und Beliebtheit seit der EM in England gesteigert haben. Giulia Gwinn ist diesbezüglich die Nummer eins, die zielsicher auf eine halbe Million Instagram-Gefolgsleute zusteuert. Die Verteidigerin vom FC Bayern hätte am Samstagabend zusammen mit Laura Freigang, Stürmerin von Eintracht Frankfurt, im ZDF-Sportstudio sitzen sollen, um über die Erfahrungen des Eröffnungsspiels am Tag zuvor zu reden. Eine charmante Konstellation. Gwinn hat allerdings den Besuch in Mainz absagen müssen, denn am Dienstag treten die Münchnerinnen in den Champions-League-Playoffs bei Real Sociedad an. Für diese wichtige Partie ist eine professionelle Vorbereitung unerlässlich. Gwinn wird nun von Felicitas Rausch vom VfL Wolfsburg vertreten.

Die Einladung zeigt: Speziell die Öffentlich-Rechtlichen wollen im Fußball einer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Und sich nicht nur um die Männer kümmern. Die ARD hat angekündigt, zehn bis zwölf Bundesligaspiele im Ersten und in den Dritten Programm zu zeigen. Ansonsten bietet die Sportschau jeden Samstag eine Zusammenfassung an. So bekommen die Fußballerinnen eine TV-Präsenz im Liga-Alltag, von der Handballerinnen oder Volleyballerinnen nur träumen können.

Erfreulich ist, dass die Protagonisten – im Gegensatz zum Bundeskanzler Olaf Scholz – keine falschen Schlüsse aus der gestiegenen Aufmerksamkeit ableiten. Auch Gwinn hat gerade wieder betont, was ihr wirklich wichtig ist: Equal Play statt Equal Pay. Die 23-Jährige weiß: Viele Spielerinnen arbeiten zusätzlich zum Fußball 40 Stunden pro Woche in einem anderen Beruf. Oft sind die Trainingsbedingungen noch amateurhaft. Richtig professionell arbeiten nur die Topvereine, die den bekanntesten Nationalspielerinnen auch fünfstellige Monatsgehälter zahlen. Die Kluft zu denjenigen, die nebenbei studieren oder arbeiten und nur wenige Hunderte Euro Aufwandsentschädigung erhalten, wächst weiter.

Die Liga ist längst eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Der VfL Wolfsburg hat einen solchen Luxuskader zusammen – und mit Torhüterin Merle Frohms, Abwehrchefin Marina Hegering und Toptalent Jule Brand drei weitere Nationalspielerinnen geholt -, dass vermutlich auch die B-Elf um die Meisterschaft mitspielen könnte. Einziger Rivale: Bayern München. Die Lücke zu Eintracht Frankfurt, TSG Hoffenheim, danach SC Freiburg, 1. FC Köln und Bayer Leverkusen ist bereits beträchtlich. Abgehängt werden die SGS Essen und Turbine Potsdam, die als Talentschmieden eigentlich unverzichtbar sind, aber als reine Frauenfußballvereine bereits einen Überlebenskampf führen, den sie auf Dauer gar nicht mehr gewinnen können.

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