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Die Mutige

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Von: Frank Hellmann

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Virtuos auch auf dem Ball: Sara Doorsoun. Foto: Imago Images
Virtuos auch auf dem Ball: Sara Doorsoun. Foto: Imago Images © Imago

Sara Doorsoun und ihre besondere Rolle im WM-Qualifokationsspiel der DFB.Auswahl gegen die Türkei.

Sara Doorsoun muss gar nicht sonderlich betonen, dass es sich beim WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußballerinnen in der Türkei (Samstag 14.45 Uhr/ZDF) um eine bedeutsame Begegnung handelt. „Meine Mutter ist Türkin, ich bin jeden Sommer hier, es ist mein zweites Zuhause“, betonte die 30-Jährige am Freitag in der digitalen Pressekonferenz aus Bursa. Mit Sprache, Kultur oder Essen sei sie eben eng vertraut. Doorsoun spielt eine wichtige Rolle beim ersten Auftritt der DFB-Frauen nach der EM in England, denn nach dem Ausfall von Marina Hegering wegen Fußproblemen wird die Verteidigerin von Eintracht Frankfurt ihr 40. Länderspiel bestreiten – Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gab ihr eine Einsatzgarantie .

Gepunktet hatte sie nicht nur im EM-Gruppenspiel gegen Finnland (3:0), sondern auch als Einwechselspielerin im Halbfinale gegen Frankreich (2:1) und Finale gegen England (1:2 nach Verlängerung). „Die Bundestrainerin weiß, dass sie sich immer auf mich verlassen kann“, betonte Doorsoun, die nicht verschwieg, dass sie die jüngst verspielte Champions-League-Qualifikation mit der Eintracht immens gewurmt hat. „Man kann das nicht in Worte fassen. Das hat echt weh getan.“ Sie versuche nun aber, Verein und Nationalteam zu trennen, wo sie als eine der wenigen Spielerinnen mit Migrationshintergrund oft zu ihrer Vorbildrolle befragt wird.

Doorsoun drückt sich vor derlei Verantwortung nicht weg. In der Frauen-Doku „Born for this“ sprach sie erstaunlich offen über ihre prominente Lebensgefährtin Louise Schaaf („Lou“) und gestand, dass sie ihrem aus dem Iran stammenden Vater zuerst gar nichts gesagt habe – aus Rücksicht auf dessen „kulturell ganz anderes Weltverständnis“. Die gebürtige Kölnerin erklärte, dass sie das Nationalteam und das „warmherzige Umfeld, in dem man sich nie verstecken muss“, zu dem mutigen Schritt animiert habe, offen über ihre Liebe zu reden. Während der EM schickten sich die Fußballerin und der Fernsehstar bereits öffentliche Liebesgrüße, die in den Sozialen Medien auf mächtig Widerhall (und überwiegend Zustimmung) stießen.

Es ist auch eine solche Offenheit, aus der Voss-Tecklenburg wieder ableitete, „dass wir in allen Bereichen Vorbilder sind“. Zuspruch spüre sie fast überall: bei der Fanpost oder den mehr als 2000 Fans unter der Woche beim öffentlichen Training im Stadion am Brentanobad in Frankfurt-Rödelheim. „Diese positive Reaktion haben wir in dieser Dimension nicht erwartet.“ Diesen Rückenwind müsse man nutzen. „Wir wollen alles das, was wir an Stimmung und Euphorie aufgesaugt haben, mitnehmen“, so die 54-Jährige, die in der Türkei zuerst mal wieder „attraktiven Fußball“ anbieten möchte.

Premiere fürs neue Trikot

„Wir gehen die Aufgabe mit ganz viel Spielfreude an und wollen es hier regeln“, sagte Voss-Tecklenburg, die das Ticket für die WM in Australien und Neuseeland nächsten Sommer (20. Juli bis 20. August 2023) noch vor der letzten Pflichtaufgabe in Bulgarien (Dienstag 18.30 Uhr/ARD One) lösen möchte. Dass mit Lena Oberdorf (grippaler Infekt) und Giulia Gwinn (Knieprobleme) weitere EM-Stützen fehlen, sollte zu verschmerzen sein, doch ist nicht zwangsläufig wieder ein Schützenfest wie beim 8:0 aus dem vergangenen November in Braunschweig zu erwarten, wo übrigens gerade mal 2583 Augenzeugen zusahen.

Der türkische Fußball-Verband (TFF) hat die Partie gegen den Vizeeuropameister in die einem Krokodil nachempfundene Timsah-Arena vergeben. Ein modernes Stadion, das für seine prächtige Stimmung bekannt ist, wenn der Erstligist Bursaspor hier antritt. Voss-Tecklenburg hofft, dass sich die viertgrößte türkische Stadt vielleicht auch ein bisschen für den Frauenfußball begeistern kann.

Kapitänin Alexandra Popp und Co. tragen dort die neuen deutschen Einheitsjerseys. „Das ist ein sehr, sehr schönes Trikot. Darin werden wir richtig gut aussehen“, sagte Doorsoun, die nebenbei versprach, dass ihre Mutter nicht in Gewissenskonflikte gerate. „Sie ist immer für die Mannschaft, in der ich spiele. Und das ist Deutschland.“

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