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Vorzeigestürmerin im Mittelpunkt: Pernille Harder (Mitte) sind in der Women’s Champions League bereits neun Tore geglückt.

Stürmerin des VfL Wolfsburg

Die Mission der Pernille Harder

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Pernille Harder ist für den VfL Wolfsburg in der Champions League der Frauen längst in einer übergeordneten Mission auf Torejagd.

Wer sich mal die Mühe macht, eine Heatmap von Pernille Harder aufzutreiben, der stellt Erstaunliches fest: Heraus kommt ein Wirrwarr von bunten Punkten, die sich scheinbar ohne jegliche Systematik in der gegnerischen Spielhälfte verteilen. Die dänische Starstürmern des VfL Wolfsburg gilt seit geraumer Zeit als interessanteste Akteurin im Frauenfußball: Wie eine „freie Radikale“ darf sie überall unterwegs sein, wobei sie zudem als Torschützin vom Fließband auffällt. Die 27-Jährige hat seit ihrem Wechsel vom FC Linköping im Januar 2017 sagenhafte 105 Tore in 112 Pflichtspielen für den Doublesieger aus der Autostadt erzielt, der im Halbfinale der Women’s Champions League gegen den Vorjahresfinalisten FC Barcelona (Dienstag 20 Uhr/ Sport1) vor der bislang härtesten Prüfung steht.

Zum Warmschießen hätte es die beidfüßige Edeltechnikerin mit dem geschmeidigen Bewegungsablauf keine bessere Gelegenheit als den Freitagabend im spanischen San Sebastian geben können. Da traf die Wolfsburger Nummer 22 gegen den überforderten schottischen Meister Glasgow City (9:1) gleich vier Mal. Als eine von drei Kapitäninnen trug sie die Regenbogenbinde, denn ihre Popularität setzt sie auch dafür ein, für die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu werben.

Dabei war ihr Coming-Out keine bewusste Aktion: Weil sich die dänische Auswahl nicht für die Frauen-WM 2019 qualifiziert hatte, reiste Harder als Touristin nach Frankreich, um ihre Lebensgefährtin Magdalena Eriksson im schwedischen Team zu unterstützen. Nach dem gewonnenen Achtelfinale küssten sich die beiden im Pariser Prinzenpark – und ein Fotograf hielt die Szene eher zufällig fest.

„Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Viele schrieben uns, dass wir ihnen Mut gemacht hätten, ebenfalls offen zu ihrer Orientierung zu stehen“, sagte die Bundesliga-Torschützenkönigin.

Seitdem setzt sie sich wie Weltfußballerin Megan Rapinoe (USA) oder Weltklassespielerin Ada Hegerberg (Norwegen) für mehr Anerkennung des Frauenfußballs ein und rät dem Männerfußball, seine Ausrichtung zu überdenken. Sie verstehe das Zögern, sich zu Homosexualität zu bekennen, „denn der Männerfußball kultiviert immer noch längst überholte Vorstellung von Maskulinität“.

VfL-Sportdirektor Ralf Kellermann hat jüngst sogar ausgeschlossen, seine im östlichen Niedersachsen gereifte Vorzeigefußballerin über das Vertragsende 2021 hinaus halten zu können. Angeblich hätte diesen Sommer schon eine Ausstiegsklausel greifen können, nach der die 119-fache dänische Nationalspielerin gegen Zahlung einer mittleren sechsstelligen Ablöse zum FC Chelsea hätte wechseln können, wo ihre Partnerin unter Vertrag steht. Mindestens zwei Ligen will Harder noch kennenlernen, die sich als „echte Perfektionistin“ beschreibt.

So hat sie stundenlang Videos studiert und das Freilaufverhalten von Cristiano Ronaldo im Sechzehner oder die Spielorganisation der Barca-Strategen Iniesta oder Xavi seziert. Europas Fußballerin des Jahres 2018 hat nämlich ein Ziel, das die Tochter eines Fußballtrainers bereits mit zehn Jahren in einem Schulaufsatz festhielt: Sie will die beste Fußballerin der Welt werden. Das im Vorjahr neu auf den Markt gekommene Frauenfußball-Magazin „Elfen“ hat in seiner zweiten Ausgabe dahinter noch ein Fragezeichen gesetzt, das womöglich nach dem Endturnier der Women’s Champions League 2020 für überflüssig erachtet werden könnte.

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