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It’s coming to Rome: Roberto Mancini (l.) und Giorgio Chiellini mit dem Pott.
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It’s coming to Rome: Roberto Mancini (l.) und Giorgio Chiellini mit dem Pott.

Italien feiert den Titelgewinn

Die magische Nacht

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der neue Europameister verkörpert eine Solidarität, die für Italien beispielhaft ist.

Roberto Mancini hat den WM-Sommer 1990 selbst noch erlebt. Damals war der Nationaltrainer Italiens noch als Spieler für die Squadra Azzurra nominiert. Ein Heimturnier, garniert mit viel Lebensfreude, zu dem Gianna Nannini und Edoardo Bennato ein wunderschönes Lied komponiert hatten. Titel: „Notti magiche“. Zauberhafte Nächte. Doch die betörenden Gesänge verstummten, nachdem die Italiener im Halbfinale gegen Argentinien im Elfmeterschießen verloren.

Für Mancini war damals nur eine Nebenrolle als Ersatzspieler reserviert, die Fehlschützen hießen Roberto Donadoni und Aldo Serena, aber die Trauer, die Tragik, die Tränen rund um diese verpasste Chance hat der 56-Jährige nie vergessen. „Wir hatten damals Pech, heute hat sich ein Kreis geschlossen“, sagte Mancini daher am Sonntag sichtlich gerührt und ordnete den zweiten EM-Titel nach 1968, das 3:2 im Elfmeterschießen gegen England, in den größeren Kontext ein. „Etwas hat das Schicksal mir wohl geschuldet.“

Mancini weinte in Wembley in den Armen von Delegationschef Gianluca Vialli, mit dem ihm eine tiefe Freundschaft verbindet. Nach der Siegerehrung ging er mit der Medaille um den Hals ein paar Schritte nachdenklich über den heiligen Rasen, gemeinsam mit Torschütze Leonardo Bonucci schoss er dann ein Selfie. Mancini kam schon in London viel schneller ans Ziel, als er je gedacht hätte. Seine Mannschaft reüssierte mit Offensivdrang und Mut, mit einem Faible für den Ballbesitz und Unterhaltung, vor allem aber mit einem besonderen Teamgeist.

Ein Vorbild für viele

Die Solidarität dieser Mannschaft kann als Vorbild weit über den Fußball taugen; und vielleicht stehen Italiens auch im Finale wieder sehr leidensfähige Fußballer wirklich für die Widerstandskraft, die das ganze Land als von der Corona-Krise mit am schwersten getroffene Nation aufwenden musste.

„Wir haben gespürt, dass etwas Magisches in der Luft lag“, sagte Giorgio Chiellini. Sein Partner in der Innenverteidigung, Bonucci, ergänzte: „Wir haben immer noch eine verrückte Lust, als Team zusammen zu sein. Das ist unglaublich.“ 34 ungeschlagene Spiele und der erste große Titel für Italien seit dem WM-Triumph 2006 sind der Lohn.

Der Spirit zeigte sich auch bei der Siegerehrung: Der erste, der seine goldene Medaille entgegennehmen durfte, war Leonardo Spinazzola. Der Linksverteidiger, der sich im Viertelfinale einen Riss der Achillessehne zugezogen hatte, war während der Party mit Gipsbein stets mittendrin – meistens huckepack bei einem seiner Teamkollegen. „Olé, olé, Spina, Spina“, skandierte die Mannschaft bei der Titel-Sause.

Als unumstrittene Anführer der Mannschaft gingen der 36 Jahre alte Chiellini und der zwei Jahre jüngere Bonucci voran, die mit dem verlorenen EM-Finale 2012 und der verpassten WM 2018 schon so manchen Rückschlag hinnehmen mussten. Logisch, dass aus den auf Vereinsebene mit so vielen Titeln dekorierten Recken die Freude herausbrach.

„It’s coming to Rome!“ brüllte Haudegen Bonucci spontan in die Kamera, um auf das vielleicht etwas überstrapazierte „Football’s Coming Home“ der Engländer anzuspielen. „Wir haben es geschafft, ein ganzes Volk glücklich zu machen, das ist legendär“, sagte der zum besten Spieler des Finals gewählte Verteidiger, der ein Foto aus dem Hotel von sich und Chiellini postete – den silbernen Pokal im Bett zwischen den beiden: „Keine Angst, er wird gut schlafen. Wir passen auf ihn auf“, lautete der Text dazu. Hätte eigentlich nur gefehlt, dass im Hintergrund noch „Notti magiche“ läuft. hel/dpa

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