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Die Lektionen des Karim Adeyemi

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Von: Frank Hellmann

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Karim Adeyemi hat bei Borussia Dortmund noch nicht recht Fuß gefasst.
Karim Adeyemi hat bei Borussia Dortmund noch nicht recht Fuß gefasst. © Gerhard Schultheiß/Jan Huebner

Der Jung-Nationalspieler ist ein gutes Beispiel für die Leistungsschwankungen bei Borussia Dortmund.

Es ist bei der für alle Protagonisten kaum zu bewältigenden Flut an Fußballspielen fast unmöglich, den Überblick zu behalten. Und mal ausgeruht auf Entwicklungen zu schauen, die vielleicht Erklärungen liefern für Wellentäler, in denen gerade junge Spieler mitunter untergehen können. Rückblende auf den 5. September 2021. WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Armenien. Nur knapp mehr als 18 000 Zuschauende in Stuttgart - mehr waren zu diesem Zeitpunkt wegen der Pandemie noch nicht erlaubt - veranstalteten an einem Spätsommerabend am Neckar einen Heidenlärm, weil die DFB-Auswahl endlich mal wieder ein begeisterndes Länderspiel ablieferte.

Haushoch 6:0 gegen Armenien gewonnen, unentwegt das Gaspedal getreten. Das Heimdebüt von Hansi Flick hätte nicht besser laufen können. Dazu hatte der Bundestrainer am Ende noch ein Talent reingeworfen, das hierzulande kaum jemand auf der Rechnung hatte. Karim Adeyemi. Trug damals die Nummer 13 wie Gerd Müller und schoss beim Debüt vor den Augen der Eltern gleich ein Tor. Tränen kullerten. Plötzlich hatte die Öffentlichkeit den damals im Salzburger Lehrbetrieb unter Red-Bull-Hoheit entwickelten Hochgeschwindigkeitsangreifer auf dem Radar, der im Sommer 2022 – die Zeitmaschine ein paar Monate vorgedreht –bei Borussia Dortmund auf dem Foto der hoffnungsvollen Neuzugänge stand.

Immerhin 30 Millionen Euro teuer. Ein ordentlicher Batzen von jenen 75 Millionen, die der Abgang von Erling Haaland einbrachte. Aber ein ganz anderer Typ. Schon von der Statur. Der in München geborene, wegen einiger Dummheiten in der Kindheit beim FC Bayern aussortierte und dann von der SpVgg Unterhaching in Person von Präsident Manni Schwabl fast persönlich adoptierte Adeyemi ist nicht so wie Haaland durchgestartet. Im Gegenteil: Der 20-Jährige wirkte gehemmt, suchte nach Orientierung – war verletzt und oft außen vor. Noch hat er in keinem seiner sieben Bundesligaeinsätze über die volle Distanz durchgespielt. Auch auf sein erstes Tor und die erste Vorlage wartet Dortmunds Nummer 27 im Brot-und-Butter-Geschäft vor dem Topspiel bei Eintracht Frankfurt noch.

Kritik von Mats Hummels

Aber ist die Schwankungsbreite für einen, der seine erste Bundesligasaison bestreitet, nicht völlig normal? Gefährlich kann es dann werden, wenn ein so junger Mann mit dem Vertrauen spielt, wie bei einem fatal misslungenen Hackentrick jüngst bei der 0:2-Niederlage beim Tabellenführer Union Berlin.

Wortführer Mats Hummels schwoll danach der Kamm. Seine Ansage: „Manchmal ist der einfache 20-Meter-Rückpass die beste Lösung, auch wenn das danach nicht auf Social Media kommt.“ Jeder wusste, wen Hummels gemeint hatte. Eben Adeyemi. Das Gute an dem wegen der absurden Weltmeisterschaft in Katar so vollgepackten Spielkalender ist, dass es genug Gelegenheiten gibt, es besser zu machen.

Vergangenen Dienstag bei der Nullnummer gegen Manchester City hat Adeyemi zwar kein Tor geschossen, aber sehr fleißig nach hinten gearbeitet. Grätsche statt Übersteiger. Und wieder meldete sich zur Beurteilung eben Hummels, der seinen 13 Jahre jüngeren Kameraden fast überschwänglich lobte. Lektion gelernt, solle das heißen.

Es ist noch nicht klar, wohin der Weg geht. Mit dem BVB und seinen Hochbegabten. Diese Gedanken dürfte sich auch Flick machen. Der Bundestrainer hat den bislang viermal unter ihm eingesetzten Adeyemi natürlich auf die Liste mit den angeblich 44 Namen geschrieben, unter denen am 10. November seine 26 WM-Fahrer ausgewählt werden. Würde Karim Adeyemi noch aktiv für sich werben, wäre das nicht verkehrt. Er gilt als WM-Wackelkandidat. Wenig verwunderlich bei diesem Werdegang.

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