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Die Leiden von Bayer Leverkusen

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Von: Andreas Morbach

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Frust pur: Bayer-Mittelfeldspieler Kerem Demirbay.
Frust pur: Bayer-Mittelfeldspieler Kerem Demirbay. © dpa

Das Team von Gerardo Seoane wackelt, aber laut Klubführung wackelt der Trainer nach dem 0:3 gegen Hoffenheim nicht

Zumindest in der Analyse der nächsten Niederlage seines Teams war Gerardo Seoane überaus treffsicher. Er erkenne „eine Mannschaft, die verunsichert ist“, stellte Leverkusens Übungsleiter nach dem indiskutablen 0:3 gegen Hoffenheim fest – und drehte den klubinternen Scheinwerfer kurz um drei Wochen zurück. Nach Elversberg, wo das Bayer-Ensemble vom Drittliganeuling beim 3:4 in der ersten Pokalrunde erstmals Haue bekommen hatte. Es folgten drei Pleiten in der Liga – und Seoanes Vermutung, die inzwischen bedenklich wackligen Beine seiner Kicker könnten „vielleicht entfernt mit dem Pokalspiel zu tun“ haben. „Aber“, betonte der Schweizer, „nicht nur.“

Spott vom Gegner

Am Donnerstag findet in Istanbul die Auslosung zur Gruppenphase der Champions League statt. Nach der zuletzt zwei Mal verpassten Qualifikation für die Königsklasse werden dem Werksklub nun also wieder drei der besonders erlesenen Gegner aus dem europäischen Fußballgeschäft aufgetischt. Und das in einer Situation, in der das zweitbeste Rückrundenteam der Vorsaison (punktgleich mit Leipzig) momentan vom letzten Tabellenplatz auf die Konkurrenz emporschaut.

„Es ist ein schwieriger Moment für uns“, sagt Coach Seoane. Nach dem Debakel gegen die TSG und deren Traumtorschützen Christoph Baumgartner (Hacke) und Georginio Rutter (Diagonalschuss in den Winkel) blieb den verhinderten Bayern-Jägern auch eine Ladung Spott des Gegners nicht erspart: „Ohne Hoffenheim“, sangen die 47 mitgereisten Hoffenheim-Fans hämisch, „wär‘ hier gar nichts los.“

Schwer was los ist gleich zu Saisonbeginn dafür in der Leverkusener Selbstfindungsabteilung. Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes erinnerte gerade wieder daran, dass der Kader, der im Vorjahr mit der vereinsinternen Rekordmarke von 80 Treffern die Rückkehr in die Champions League bewerkstelligt hatte, mehr oder weniger komplett zusammengeblieben sei. Woraus der 40-Jährige schloss: „Wir müssen uns erinnern, was uns stark gemacht hat.“ Was für Rolfes in der Weiterführung des Gedankens bedeutet: „Das ist nicht nur mit Neuzugängen zu lösen, sondern vor allem aus uns selbst heraus.“

Verstärkungen seien bis zum Ende der Transferperiode am 1. September trotzdem nicht ausgeschlossen, erklärte der langjährige Leverkusener Kapitän – der sich, wie auch Klubboss Fernando Carro, bereits demonstrativ hinter den aktuell arg rat- und glücklosen Bankchef stellen musste. „Natürlich haben wir Vertrauen in den Trainer, den Staff und die Spieler“, versichert Rolfes. Und Carro antwortete auf die Frage, ob Seoane weiterhin der richtige Mann für die dringend notwendige Kehrtwende sei: „Auf jeden Fall. Hundertprozentig. Da habe ich keinen Zweifel.“

Die nächste Aufgabe haben die Leverkusener am kommenden Samstag bei den gut gestarteten Mainzern zu lösen. In Rheinhessen müssen die Rheinländer dabei vor allem einen Ausweg aus dem Dilemma finden, in das sie sich in Windeseile selbst hineinmanövriert haben: Mit einem Team, das vor kurzem innerlich noch auf den Sturm der vordersten Plätze in der Liga ausgerichtet war, aktuell auf einem Abstiegsrang festzustecken.

Seones Vorschlag

„Keiner hat damit gerechnet, dass wir so starten“, seufzt Abwehrchef Jonathan Tah. Als Arznei gegen die ungewohnte Situation schlug Seoane schon vor einer Woche, nach der Heimpleite gegen Augsburg, vor, wieder einfacher zu werden. Nun wiederholte Keeper Lukas Hradecky diesen Gedanken, zudem rätselte der Kapitän der Werkself angesichts von weiterhin null Punkten auf dem Bayer-Konto: „Ich kann mir das alles nicht erklären. Da besteht größerer Redebedarf als erwartet.“ Gemessen an dem Redebedarf, den er bereits vor drei Wochen angemahnt hatte. Nach dem Leverkusener Pokal-Aus in Elversberg.

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