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Die Lehren aus der WM in Katar

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Von: Günter Klein

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Sind zum Thema Katar gefragt, Kante zu zeigen: DFB-Manager Oliver Bierhoff (links), und Präsident Bernd Neuendorf.
Sind zum Thema Katar gefragt, Kante zu zeigen: DFB-Manager Oliver Bierhoff (links), und Präsident Bernd Neuendorf. © dpa

Was man jetzt vom Deutschen Fußball-Bund erwarten darf. Ein Kommentar.

Noch viereinhalb Monate bis zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar, die Diskussionen über das Gastgeberland werden weiter an Fahrt aufnehmen. Das war absehbar, ist allerdings auch erstaunlich, weil ein großes und von Beginn an als fragwürdig eingestuftes Sportevent noch nie eine solche Vorlaufzeit hatte.

Vergeben wurde die WM 2022 am 3. Dezember 2010. Zwölf Jahre, in denen sich öfter die Gelegenheit geboten hätte, die Entscheidung auseinanderzunehmen – etwa in Bezug auf den unseligen deutschen Einfluss der Trickser-Crew mit Fedor Radmann und Franz Beckenbauer – und vielleicht sogar zu revidieren. Man hat die Sache einfach treiben lassen, die großen nationalen Verbände haben es versäumt, sich gegen die Fifa zu stellen. Auch die Top-Sponsoren hätten eingreifen müssen (wie es etwa im Eishockey geschehen ist, wo 2021 Belarus die WM-Austragung entzogen wurde). Doch die letzte Ausfahrt wurde verpasst.

Boykott unmöglich

Laut der jüngsten Umfrage hält die Hälfte der Deutschen eine Teilnahme ihrer Nationalmannschaft an der Fußball-WM 2022 für unangemessen. Aber seien wir realistisch: Keiner der 32 qualifizierten Verbände wird dem Turnier fernbleiben. Denn wenn man aufgrund der bekannten gesellschaftspolitischen Umstände nicht hätte hinreisen wollen, hätte man konsequenterweise gar nicht erst zur Qualifikation antreten dürfen.

Und stellen wir uns einfach mal vor, was los wäre, käme nun aus Deutschland die Boykottansage. Es würde Häme hageln und Ärger an allen Fronten geben: mit den TV-Anstalten, die die Übertragungsrechte gekauft haben, mit Spielern und Trainern, für die ein WM-Turnier ein erstrebenswerter sportlicher Karrierehöhepunkt ist – und das alles ja auch vor dem Hintergrund, dass man eineinhalb Jahre später selbst Gastgeber eines großen Turniers sein wird.

Was jetzt zu tun ist und erwartet werden kann: Dass die deutsche Nationalmannschaft auch vor Ort im Wüstenemirat Zeichen setzt – der in der Bundestagsanhörung vorgeschlagene Besuch einer Arbeiterwohnsiedlung (am besten unangekündigt und mit Medien im Schlepptau) ist schon mal eine gute Idee. Die größere Rolle kommt allerdings dem DFB auf Verbandsebene zu. Da heißt es: dranbleiben an Katar, auch nach der Weltmeisterschaft 2023, 24, 25 Inspektionsreisen unternehmen und vor allem, für eine Erneuerung im Weltverband Fifa einzutreten. Fortan muss eine klare und positive Menschenrechtslage einfach die Bedingung sein, dass ein Land sich überhaupt bewerben darf. Man muss aus dieser WM in Katar wenigstens lernen.

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