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Darf es nicht geben: Gedränge beim Einlass, die wohl größte Schwierigkeit.

Zuschauer in Stadien

Die Krux von Theorie und Praxis

  • vonChristian Burmeister
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Der Fußball respektiert die vorläufige Politik-Absage an eine Fan-Rückkehr in die Stadien.

Die Ansage war klar und deutlich: Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern entschieden am Montagabend einstimmig, bis mindestens Ende Oktober keine Fans bei Fußball-Bundesligaspielen zuzulassen. Umso verwunderter und verärgerter sind viele, dass ausgerechnet im Stadion von Fortuna Düsseldorf nun ein großes Konzert stattfinden soll.

In der Theorie sei das Zuschauer-Konzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ohne Sitzplätze, Alkohol und Gästefans gut, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach der Sitzung mit seinen Amtskollegen erklärt. „Entscheidend ist in der Pandemie aber die Praxis im Alltag. Tausende Zuschauer in den Stadien – das passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen.“ Die Minister hatten vor allem kritisiert, dass die Hygienekonzepte den Gesundheitsämtern überlassen werden sollten, die schon jetzt sehr belastet seien. Das zweite Manko sei, dass das DFL-Konzept nicht die An- und Abreise und damit „kritische Infektionsmomente“ beinhalte.

An- und Abreise als Problem

Die DFL nahm die Entscheidung klaglos hin: „Wir haben immer betont, dass die Eindämmung des Coronavirus höchste Priorität haben muss. Wir respektieren daher selbstverständlich die Position der Gesundheitsminister aus Bund und Ländern in der gegenwärtigen Situation“, hieß es am Dienstag in einer Stellungnahme.

Karl-Heinz Rummenigge, mächtiger Boss des FC Bayern, hofft dennoch, „dass wir trotz der ersten negativen Reaktion der Politik irgendwann trotzdem wieder mit Zuschauern spielen dürfen, weil Fußball ohne Zuschauer keinen Spaß macht.“ Vielleicht müsse am Anfang konservativ gedacht werden, „dass man nicht gleich 25 000 Fans ins Stadion lassen muss.“ Auch das Fanbündnis „Unsere Kurve“ zeigte Verständnis für die Entscheidung der Politik.

Kordula Schulz-Asche, Berichterstatterin für Infektionsschutz in der grünen Bundestagsfraktion, ist grundsätzlich offen für den Plan mit Fans im Stadion. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte sie gestern: „Inzwischen wissen wir mehr über das Virus und die Verbreitung als noch vor ein paar Monaten. Deshalb ist es aus meiner Sicht richtig, Ideen und Konzepte zu entwickeln, die bestimmte Veranstaltungen zukünftig wieder möglich machen. Dabei müssen Veranstaltungen unter freiem Himmel sicher anders beurteilt werden als solche in geschlossenen Räumen und mit schlechter Belüftung.“

Doch diese Meinung scheint momentan nicht mehrheitsfähig. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) etwa hat nun ein Konzert im Fußballstadion der Stadt genehmigt. Unter anderem sollen Bryan Adams und Sarah Connor am 4. September bis zu 13 000 Menschen anlocken. In der Politik stieß dies auf breite Ablehnung. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einer „katastrophalen Signalwirkung für das ganze Land.“ Und auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zeigte sich verärgert über den „Alleingang“ der Stadt.

Die Chancen auf größere Veranstaltungen stehen also auf absehbare Zeit nach wie vor schlecht. Auch der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer glaubt nicht, dass die Frankfurter Fußballer zum Saisonstart gegen Arminia Bielefeld vor Fans spielen werden. „Stand jetzt bin ich da sehr, sehr skeptisch“, sagte der Politiker der Grünen im Gespräch mit der FR. Das Gesundheitsamt als zuständige Behörde werde einer Partie mit Fans nur zustimmen, wenn es ein „bundesweit geltendes Konzept“ gebe, das über die von der DFL beschlossenen Leitlinien hinausgehe, so Majer. Darin müsste etwa festgehalten sein, bei wie vielen Infizierten in welchem Umkreis des Stadions ein Spiel vor Zuschauern ausgetragen werden darf – und ab welcher Grenze wieder Geisterspiele angeordnet werden müssen.

Die DFL habe mit ihrem Konzept „gut vorgearbeitet“, sagte Stefan Majer. Die Kommunen müssten gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben aber insbesondere die An- und Abreise der Fans genau regeln. „Der ÖPNV scheint mir das größte Problem zu sein“, sagte der Gesundheitsdezernent.

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