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Allein, allein: So wie hier in Freiburg sieht es momentan überall aus, Fans sind nicht erlaubt. Das hilft den Auswärtsteams.

Kommentar

Die Krux mit dem Remis

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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So viele Unentschieden gab es in der Bundesliga noch nie – das hat damit zu tun, dass bei den Geisterspielen der Druck der Kulisse weg ist. Ein Kommentar.

Der Frankfurter Abräumer Stefan Ilsanker hat in einem Nebensatz selbstbewusst erwähnt, dass sein Klub dem Spitzenverein RB Leipzig mehr als einen Punkt hätte abtrotzen können: „Mit Fans im Rücken hätten wir gewonnen.“ Dieser Satz ist nicht neu, man hört ihn allerorten beinahe jedes Wochenende, nicht nur aus Frankfurt, sondern überall in Stadien, in denen die Heimmannschaft nicht dreifach erfolgreich war. In diesen coronabedingten schweren Zeiten ohne Publikum in den riesigen Arenen kommt mehr als Wehmut auf, wenn an volle Stadien erinnert wird, an lautstarke Unterstützung von meist 50 000 Fans, an Leidenschaft und Emotion auf den Rängen. Seit bald einem dreiviertel Jahr fehlt der sprichwörtliche zwölfte Mann - und diese, aus sehr vernünftigen Gründen, verwaisten Ränge haben direkte Auswirkungen auf die Spiele unten.

Der Trend geht eindeutig zum Unentschieden, zu jenem Ergebnis irgendwie dazwischen, nicht Sieg, nicht Niederlage, nicht richtig schlecht, aber auch nicht richtig gut, es sei denn, es ginge gegen Großkopferte. Werder Bremen hat jetzt zum fünften Mal in Folge einen Zähler errungen, Frankfurt, Wolfsburg und Stuttgart ebenfalls schon fünfmal unentschieden gespielt, 24 Remis hat es in 70 Spielen bis zum achten Spieltag (dauerte bei Redaktionsschluss noch an) gegeben, nur 18 waren es nach acht Spieltagen der vergangenen Saison. Lediglich bei Borussia Dortmund gibt es keine halben Sachen, Sieg (6) oder Niederlage (2). Dazu gibt es in dieser Runde mehr Auswärts- als Heimsiege. Das ist nicht „normal“. Normal ist: 40 Prozent Heimsiege, 22 Prozent Unentschieden, 38 Prozent Auswärtssiege (so war es in 2019/2020).

Und doch logisch. Die Zahlen belegen, dass die Unterstützung der Fans für Heimklubs enorm wichtig ist, dass der Schub von der Tribüne Profis Beine macht. Und umgekehrt den Auswärtsteams zumindest Respekt einflößt. Dieser Respekt, vielleicht auch ein Funken Angst, ist in Geisterspielen nicht mehr vorhanden, was die Sache für die Gästeteams erheblich vereinfacht. Das Kicken in der Fremde hat seinen Schrecken verloren. Die Psyche spielt ja mit. Der Druck der Kulisse ist weg, da lässt es sich befreiter aufspielen, während sich die Heimelf allein auf die eigenen Fähigkeiten zurückziehen muss.

Und weil zwischen Platz fünf und 15 praktisch jeder jeden schlagen kann, ist das ungeliebte Unentschieden die plausibelste Lösung. Auch wenn es nicht Fisch und nicht Fleisch ist.

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