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Die Klasse von 2014

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Von: Thomas Kilchenstein, Frank Hellmann, Jan Christian Müller, Jana Ballweber

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WM-Held Mario Götze ist wieder zurück in der Bundesliga: Aber welche Wege schlugen die übrigen 22 Spieler ein?

Dank eines Geniestreichs von Mario Götze ist Deutschland 2014 in Rio de Janeiro Fußball-Weltmeister geworden. Nun ist der seinerzeit umjubelte Torschütze durch seinen Wechsel zu Eintracht Frankfurt wieder in den Fokus geraten. Was aber treiben diejenigen, die vor acht Jahren mit ihm Weltmeister wurden? Wir haben nachgeschaut.

Manuel Neuer: Titan 2.0. Mit 36 noch genauso gut, wenn nicht besser als beim WM-Titel in Brasilien. Hat in der Nations League gezeigt, dass er - und nicht der Italiener Gianluigi Donnarumma - unter der Latte die Maßstäbe setzt. Bleibt bis zur Heim-EM 2024 die Nummer eins. Mindestens. Karriereende unbestimmt.

Roman Weidenfeller: Hat vor drei Jahren in Dortmund sein Abschiedsspiel gemacht, lässt es sich danach vor allem gutgehen. Fußballexperte für RTL, Gastauftritt auf dem Traumschiff, Versöhnung mit der Ex-Frau. Läuft.

Ron-Robert Zieler: Hat nach der WM zwar noch dreimal 90 Minuten lang das deutsche Tor hüten dürfen, ist aber inzwischen nur zweitklassig. Erst abgestiegen mit dem VfB Stuttgart, dann Ersatzmann beim 1. FC Köln, nun im Niemandsland mit Hannover 96, wo man ihn zwischenzeitlich schon mal weggeschickt hatte.

Dritter Keeper bei der WM 2014: Ron-Robert Zieler.
Dritter Keeper bei der WM 2014: Ron-Robert Zieler. © imago/Schüler

Jerome Boateng : Der Mann, 34, findet trotz all seiner Nebentätigkeiten – Brillendesigner, Model, Herausgeber (BOA), dreifacher Vater, Schlagzeilenlieferant, zu einer Geldstrafe in Höhe von 1,8 Millionen Euro Verurteilter – erstaunlicherweise noch die eine oder andere freie Stunde zum Fußballspielen. Ist nach zehn Jahren Bayern München bei Olympique Lyon untergekommen, spielt dort mit eher mäßigem Erfolg.

Erik Durm: Der Außenverteidiger ist 2022 auf dem Gipfel seiner Karriere angelangt – zumindest geografisch gesehen. Der 30-Jährige wechselt von der Eintracht-Tribüne zum 1. FC Kaiserslautern und spielt künftig auf Deutschlands höchstem Fußballberg in der zweiten Liga. Bei der WM nicht so gefragt. Spielzeit: null Minuten. Trotzdem Weltmeister.

Matthias Ginter : Der Schwiegersohn ist zurück in seinem Revier, beim SC Freiburg, wo seine Karriere 2005 begann. Rechtschaffener Verteidiger, solide, kommt farb- und skandallos durch seine Karriere. Wusch nach seinem unschönen Ende in Gladbach ein wenig schmutzige Wäsche, hätte man gar nicht gedacht vom braven 28-Jährigen.

Kevin Großkreutz: Soll trotz seiner 35 Jahre Leistungsträger sein. Beim TuS Bövinghausen, Staffel 1, Oberliga NRW. War schon Trainer beim VfL Kemminghausen. Seit dem WM-Titel, zu dem er keine Minute beigetragen hat, ging es stetig bergab, Dortmund musste er verlassen, Galatasaray verbaselte die Spielgenehmigung, dann VfB Stuttgart, Darmstadt, Uerdingen, jetzt Bövinghausen. Der britische Guardian führte ihn einst in seiner Liste der zehn unfairsten Sport-Persönlichkeiten auf.

Kickt jetzt bei den Amateuren: Kevin Großkreutz.
Kickt jetzt bei den Amateuren: Kevin Großkreutz. © imago/Schwörer Pressefoto

Benedikt Höwedes: Spielte die WM als Linksverteidiger sensationell durch. Hat sich danach erst Haare transplantieren lassen und steht jetzt auf Glatze. Spielte noch mittelmäßig erfolgreich bei Juve und Lok Moskau und zum Karriereende hin ein Jahr im Heimatverein TuS Haltern. Ist jetzt TV-Experte und managt die A-Nationalmannschaft als Praktikant von Oliver Bierhoff mit.

Mats Hummels: Spielt immer noch, inzwischen wieder bei Borussia Dortmund. Wird immer langsamer, kann es aber immer noch geschliffen erklären.

Philipp Lahm : Hat Mittwoch wieder einen wichtigen Termin in Frankfurt beim Landessportbund Hessen. Runder Tisch mit Celia Sasic, wie die Heim-Euro 2024 gut auf die Gesellschaft einwirkt. Als OK-Direktor wird er die nächsten Monate voll gefordert. Wird auch das schaffen.

Per Mertesacker: Hierzulande regelmäßig als sympathischer und kundiger ZDF-Experte im Blickfeld. Wenn man ihn nicht sieht, leitet er die Fußballakademie des FC Arsenal. Offenbarte nach Karriereende, wie sehr er unter dem ständigen Druck gelitten hatte und sich deshalb vor Spielen regelmäßig übergeben musste.

Shkodran Mustafi: Legt eine erstaunliche internationale Karriere hin. Ist eigentlich nie besonders gut, verteidigt aber stets für renommierte Klubs, etwa Sampdoria, Valencia, Arsenal - Schalke. Grätscht 30-jährig in Levante.

Verletzte sich im Achtelfinale: Shkodran Mustafi.
Verletzte sich im Achtelfinale: Shkodran Mustafi. © imago/Avanti

Julian Draxler : Exorbitant gut bezahlter Mitläufer bei Paris St. Germain. Zu wenig Biss, zu wenig Konsequenz - das zieht sich durch seine Karriere. Hat ihn den Platz bei Hansi Flick gekostet. Irgendwie schade.

Sami Khedira: Nach der wenig ruhmreichen WM 2018 kegelte Joachim Löw ihn aus der Nationalmannschaft. Doch es kam noch schlimmer: Seine Laufbahn musste er 2021 bei Hertha BSC beenden. Gerüchten zufolge bereitet er sich auf eine Zweitkarriere als Spielerfrau vor – an der Seite von Mittelfeldstar Melanie Leupholz.

Christoph Kramer : Hat sich das Finale zig-mal angeschaut. Selbst hat er ja nach einem üblen Zusammenprall keine Erinnerung mehr. Kämpft bei Borussia Mönchengladbach um einen Platz zwischen Tribüne, Ersatzbank und Spielfeld, kann auch das - siehe Hummels – im Fernsehen äußerst eloquent erklären.

Erinnert sich nicht an alles: Christoph Kramer.
Erinnert sich nicht an alles: Christoph Kramer. © imago/Laci Perenyi

Toni Kroos: Hat gerade das fünfte Mal die Champions League gewonnen. Noch Fragen? Wenn die ihm nicht passen - siehe Finale vom 28. Mai 2022 - kann der Toni schon mal richtig sauer werden. Zögert, ob er bei Real Madrid seinen Vertrag verlängert. Warum eigentlich?

Mesut Özil : Toller Kicker auf Abwegen. Nicht mal mehr in der Türkei, mit der er sich deutlich verbundener fühlt als mit Deutschland, wollen sie ihn als Fußballer. Steht bei Fenerbahçe Istanbul unter Vertrag, soll aber dort nicht mehr spielen. Zukunft ungewiss.

Lukas Podolski : Ist inzwischen 37, spielt aber immer noch, ein bisschen zumindest, bei Gornik Zabrze, in seiner Heimat. Daneben ist der „Poldi“ sehr rührig. Er hat ein Modelabel gegründet führt eine Eisdiele, ist am Brauhaus „Zum Prinzen“ beteiligt und in Köln an einem Dönerimbiss. Im Fernsehen ist er auch zu sehen, nicht nur in kurzen Hosen, bei RTL: „Bin ich schlauer als Lukas Podolski?“ Spielte nach Köln in England, der Türkei, Japan und jetzt halt in Polen. Beliebt wie eh und je.

Andre Schürrle: Rudi Völler würde ihm unterstellen, er habe den Fußball nie geliebt. Im Sommer 2020 beendete er seine Karriere mit nur 29 Jahren. Allerdings nicht aus fehlender Liebe zum Fußball, sondern um dem Druck der Branche zu entfliehen. Bleibt trotzdem unsterblich, weil er mal nach innen geflankt hat.

Eine Flanke machte ihn unsterblich: Andre Schürrle.
Eine Flanke machte ihn unsterblich: Andre Schürrle. © imago/Avanti

Bastian Schweinsteiger : Gibt in der ARD als TV-Experte mittelmäßig erhellende Kommentare, ist bei Instagram sehr aktiv und wurde jüngst in einer Romanbiografie von Schriftsteller Martin Suter porträtiert. Ein Bestseller. Auch einen Film gibt es über den Helden von Rio. Den hat sein Kumpel Til Schweiger gedreht. Muss man sich nicht unbedingt anschauen.

Miroslav Klose: Das WM-Finale war sein letztes Spiel für die Nationalelf. Seit Tag 1 nach Klose sucht man dort vergeblich einen angemessenen Nachfolger. Nach dem Karriereende 2016 versucht er sich als Trainer und schlägt seine Saltos zur neuen Saison in der österreichischen Bundesliga, als Cheftrainer des SCR Altach.

Thomas Müller : Das Unikum vom FC Bayern steht unverdrossen hoch im Kurs. Liefert messerscharfe Analysen Sekunden nach Spielschluss. Auf dem Platz blitzt ab und an noch Weltklasse auf. Reicht für einen Platz im WM-Kader in Katar.

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