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Fredi Bobic soll die Hertha nach oben führen.
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Fredi Bobic soll die Hertha nach oben führen.

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Die Hertha und das Geld

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Manager Fredi Bobic soll den Hauptstadtklub zu einer Marke mit Sexappeal machen – dazu benötigt er die vielen Millionen von Investor Lars Windhorst, einen kühlen Finanzhai

Es wird ja hierzulande viel geschimpft über die bösen Scheichs, die Manchester City und Paris Saint-Germain reich machen oder den ollen Russen, der den FC Chelsea vom Londoner Stadtteilklub zum Champions-League-Sieger hochgepäppelt hat. Die Kritik daran, dass so ein fairer Wettbewerb ad absurdum geführt wird, ist berechtigt. Richtig ist aber auch, dass die von Fans und Vereinen fast heiliggesprochene 50+1-Regel mindestens genauso unfair ist. Erstens, weil sie von Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim und Leipzig umgangen werden darf, was vom Kartellamt längst gerügt wurde. Und zweitens, weil sie nicht verhindert, dass auch in der Bundesliga Investoren so viel Geld in Klubs stecken dürfen, wie sie wollen. Sie haben dann nur nicht gleich so viel zu sagen, wie sie wollen.

In Dortmund ist das schon seit dem Börsengang so, wo der Verein inzwischen nur noch ein klitzekleiner Minderheitsgesellschafter ist. In Augsburg ist das so, wo die Hofmann Investoren GmbH des Präsidenten Klaus Hofmann 99 Prozent der Profiabteilung hält und (zunächst heimlich) dem US-amerikanischen Investor David Blitzer beträchtliche Anteile verkaufte.

Und gerade hat Lars Windhorst die letzten 30 von dann 375 Millionen Euro in Hertha BSC geschwemmt. Seiner Holding gehören damit zwei Drittel der Hertha. Von den vielen hübschen großen Scheinen sind rund die Hälfte für die Tilgung von Altschulden und (vielfach verpatzte) Millionentransfers schon weg. Wettbewerbsvorteil bisher: null! Abstieg mühevoll verhindert, aktuell Platz 15.

Aber es ist ja noch eine ganze Menge Geld übrig. Mit Fredi Bobic wurde ein gewiefter Manager geholt. Und Windhorsts zwar vollmundiges, angesichts der fetten Investments freilich auch nachvollziehbares Ziel, dass die Hertha alsbald in „Deutschland und Europa ein Spitzenklub wird“, sollte sich bei kluger Haushaltsführung und pfiffigeren Einkäufen als in den vergangenen Spieljahren zumindest national bewerkstelligen lassen.

Die Sache ist nun folgende: Einer wie Windhorst, der schon manche Millionen in den Sand gesetzt hat, seinerzeit Privatinsolvenz anmelden musste, wegen Veruntreuung auf Bewährung verurteilt wurde und in diesem Sommer mit unangenehmen Ermittlungen der Finanzmarktaufsicht Bafin behelligt wird, ist nicht als riesengroßer Fußballfan bekannt. Sondern als jemand, der mit kaltem Herzen Risikoinvestments tätigt und darauf spekuliert, eines Tages mehr Geld rauszuziehen, als er reingesteckt hat. Das sind erlaubte Ausgeburten des Kapitalismus, die 50+1 immerhin moderat bekämpft.

Tatsächlich bietet das Fußballbusiness in Zeiten der Minimalverzinsung Perspektiven, nicht nur viel Geld zum Fenster rauszuwerfen, sondern eine vergilbte Marke wie den Hauptstadtklub so sexy zu machen, dass er in ein paar Jahren, eingebettet in eine schicke neue Arena, gewinnbringend verkauft werden kann. Das alles mag Fußballfans zuwider sein. Und zwar meistens so lange, bis der eigene Klub plötzlich ganz weit oben steht. Mal bei Paris Saint-Germain, Manchester City oder dem FC Chelsea nachfragen.

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