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Schaffen sie es gemeinsam? Christian Heidel und Martin Schmidt, hier im März 2016.
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Schaffen sie es gemeinsam? Christian Heidel und Martin Schmidt, hier im März 2016.

Kommentar

Die gute Schule des Christian Heidel

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Auf den alten und neuen Manager von Mainz 05 wartet eine Herkulesaufgabe - die Voraussetzungen sind bei seiner Rückkehr weit schlechter als beim Abschied vor viereinhalb Jahren. Ein Kommentar.

Klar ist, dass Herkules Heidel das fast abgestorbene Umfeld von Mainz 05 emotionalisieren wird, wiewohl das in Zeiten der Pandemie natürlich kompliziert anmutet. Der gebürtige Mainzer hat die ansässigen Medien, die Stadt und den Verein im Griff. Aber die Mannschaft natürlich nicht. Christian Heidel hat sich in seiner Managerkarriere stets fern der Umkleidekabine gehalten. So hat er seinen Job verstanden, und so versteht er ihn sicher immer noch. Ergo: Die operative Kernaufgabe - den sportlich für den Klassenerhalt so dringend notwendigen Aufschwung - kann er nicht mal eben so aus dem Nichts hermanagen. Er muss realistischerweise den Plan für den Abstieg gleich mit in der Schublade haben. Alles anderes wäre Unfug.

Denn die Voraussetzungen, unter denen der von vielen Fans wie ein Messias empfangene 57-Jährige zu seinem Herzensklub zurückkehrt, sind ungleich schlechter, als der Zustand bei seinem Abschied im Mai 2016 war. Das gilt sowohl für ihn selbst als auch für Mainz 05. Heidel hat ein missglücktes Manöver bei Schalke 04 erlebt, das seinem Ruf als Alleswisser abträglich war, er ist nach einem Schlaganfall vor anderthalb Jahren gut beraten, nicht ständig auf der Überholspur unterwegs zu sein, er ist zudem seit fast zwei Jahren nicht mehr hautnah dran an den Plätzen der Fußball-Bundesliga gewesen, sondern eher am Mittelmeer auf Mallorca. Seine Arbeitsweise mit vielen erfolgreichen Entscheidungen aus dem Bauch heraus - inklusive eines bescheidenen Scoutings von Spielern und Trainern - hat Mainz 05 größer erscheinen lassen, als dieser Verein tatsächlich je war.

Die Verzwergung zu Mainzelmännchen ist dann bald erfolgt, nachdem Heidel den hochdotierten Job bei Schalke 04 angetreten hatte. Fortan waren die zuvor regelmäßig einstellig notierten oder gar im Europapokal vertretenen Nullfünfer nur noch Kämpfer um den Klassenerhalt. Entsprechend sank ihr Anteil an den TV-Erträgen, auch die Fans in der Arena wurden zusehends weniger, manche Klubs, die seinerzeit noch nicht mal auf Augenhöhe mit Mainz 05 unterwegs waren - allen voran der damalige Relegationsteilnehmer Eintracht Frankfurt - sind finanziell, tabellarisch und strukturell längst weit enteilt. Andere - Freiburg, Augsburg. Stuttgart, Köln - sind zumindest vorbeigezogen. Mainz ist inzwischen nahezu wieder so unsexy wie damals, als Heidel noch ehrenamtlich tätig war und nebenbei ein Autohaus führte.

Die Zeiten, als Zehntausende auf dem Domplatz Jürgen Klopp feierten oder bei manch epochaler Schlacht um den Aufstieg bittere Tränen vergossen, sind passé, selbst der Übermainzer Heidel dürfte es schwer haben, den richtigen Klebstoff zwischen den Menschen in der Stadt und einen ihnen fremd gewordenen Fußballverein zu mischen. Immerhin weiß der Sohn eines ehemaligen Mainzer Bürgermeisters, wie es sich anfühlt, nach einer Niederlage der grauesten aller grauen Zweitligamäuse einsam mit einem rot-weißen Schal um den Hals durch die Stadt zu trotten und sich verspotten lassen zu müssen. Heidel hat diese Demütigungen selbst erlebt. Das ist eine gute Schule, um Mainz 05 aus dem Tal der Tränen zu führen.

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