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Stehen zusammen: die deutsche Nationalmannschaft., Foto: afp
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Stehen zusammen: die deutsche Nationalmannschaft.,

Kommentar

Die Generation Goretzka

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Es ist nicht nur der Einsatz auf dem Platz, sondern der Einsatz für Menschen, die im Schatten stehen, die diese Spielergeneration ausmachen könnte. Ein Kommentar Nationalmannschaft.

Dass deutsche Fußball-Nationalspieler sich politisch äußern oder gesellschaftlich Verantwortung als Vorbilder zeigen, hat leider keine lange Tradition. Bis vor kurzem galt meist: Raushalten, Maul halten, sich keinen Stress antun. Zweikämpfe gewinnen, Toreschießen und gut.

1978, WM in Argentinien, wo die Junta missliebige politische Gegner aus Flugzeugen ins Meer stürzte, sagte der deutsche Kapitän Berti Vogts, er habe „keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen“. Vogts ist inzwischen selbst erschüttert, er wusste es wohl damals nicht besser und wollte es auch nicht wissen.

2012 anlässlich der EM in Polen schaffte es die deutsche Nationalmannschaft weder geschlossen ins ehemalige Konzentrationslager Auschwitz noch ganz in der Nähe ihres Teamquartiers in Danzig auf die Westerplatte, wo Deutschland am 1. September 1939 mit dem Angriff auf Polen den Zweiten Weltkrieg entfachte. Lediglich kleine Delegationen wurden jeweils pflichtschuldig vom DFB entsandt.

2018 vor der WM in Russland mühte sich der damalige Präsident Reinhard Grindel ziemlich alleingelassen im schwierigen diplomatischen Spagat zwischen Kritik an den herrschenden undemokratischen Verhältnissen im Gastgeberland und - 75 Jahre nach dem Ende der Schlacht von Stalingrad - auch um mehr Sichtbarkeit der Versöhnung. Das deutsche U-18-Nationalteam besuchte kaum bemerkt Friedhöfe und Gedenkstätten. Die für das A-Team verantwortlichen Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff wollten sich allein auf den Sport konzentrieren. Das Ergebnis ist bekannt.

Mittlerweile hat glücklicherweise eine neue Generation Nationalspieler übernommen. Nennen wir sie die Generation Goretzka/Kimmich, die 2018 noch nicht in erster Reihe stand. Goretzka traute sich, Richtung AfD zu formulieren: „Für mich ist es keine Alternative, sondern eine Schande für Deutschland“, Kimmich sagte: „Rassismus geht uns alle an.“ Beide handeln auch so.

Es ist eine Frage der Haltung. Es ist nicht nur der Einsatz auf dem Platz, sondern der Einsatz für Menschen, die im Schatten stehen, die diese Spielergeneration ausmachen könnte und für die die Profis bereit sind, mehr Mühen auf sich zu nehmen. Das Zeichen am Donnerstagabend, als das DFB-Team selbst bemalte T-Shirts mit dem Aufdruck „Human Rights“ (Menschenrechte) als Botschaft nicht nur an WM-Gastgeber Katar übermittelte, sondern auch ins eigene Land, ist ein erster Schritt. Goretzka hat diesen Schritt mit den richtigen Worten begleitet: „Wir haben in der Mannschaft darüber gesprochen. Wir haben die WM vor uns. Darüber wird immer wieder diskutiert. Wir möchten der Gesellschaft klarmachen, dass wir das nicht ignorieren. Dass wir ganz klar sagen, was für Bedingungen da herrschen müssen.“

Die Spieler sind sich ihrer Wirkmacht bewusst. Und sie wissen auch: Sie tun damit auch sich selbst Gutes in einer Phase, in der das DFB-Team sich tunlichst auch der eigenen Imagepflege widmen sollte, ohne dabei bloß Marketingbotschaften vor sich herzutragen.

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