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Damals in Rotterdam gegen Portugal: Marco Bode zieht mit links ab. Imago Images
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Damals in Rotterdam gegen Portugal: Marco Bode zieht mit links ab. Imago Images

Marco Bode erinnert sich

Die Geburtsstunde der deutschen Rumpelfüßler

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Als Marco Bode bei der EM 2000 gegen Portugal nur den Pfosten traf - und zwei Jahre später gegen Kamerun ins Tor. Erinnerungen an Schüsse für die Geschichtsbücher.

Marco Bode sitzt im Café Bootshaus am Weserbogen in Bremen mit Blick auf den träge dahinfließenden Fluss. Er hat sich vorschriftsgemäß mit der Luca-App angemeldet und gönnt sich einen Orangensaft und einen doppelten Espresso. Der 51-Jährige, 40 Länderspiele für Deutschland zwischen 1995 und 2002, musste zum Gespräch erst ein bisschen überredet werden. Aber dann kommen die Erinnerungen schnell zurück, damals im ersten Jahr des neuen Jahrtausends im Rotterdamer Stadion „De Kuip“ gegen Portugal. Und zwei Jahre später im japanischen Shizuoka gegen Kamerun.

Bode schoss mit seinem starken linken Fuß zweimal historisch auf das gegnerische Tor. 2000 bei der Europameisterschaft in den Niederlanden klatschte der Ball nach Vorlage von Mehmet Scholl beim Stand von 0:0 gegen den rechten Pfosten. Deutschland verlor 0:3, die Rumpelfüßler waren geboren. 2002 bei der Weltmeisterschaft in Japan traf Bode ins lange Eck des Kameruner Tores zum 1:0. Vorarbeit Miro Klose, „Tor des Monats“ für Vorlagengeber und Torschützen gemeinsam. Am Ende ein 2:0. Deutschland gelangte ins Achtelfinale und wurde Vize-Weltmeister.

Bode schaut zurück: „Die beiden Schüsse waren ähnlich, aber der gegen Portugal hatte einen schlechteren Winkel. Das WM-Tor zwei Jahre später war von Miro sensationell vorbereitet. Da war meine Hauptleistung wahrscheinlich, dass ich überhaupt den Weg von der Mittellinie nach vorne gemacht habe.“ Es war Bodes letztes Tor als Profi, unmittelbar nach dem Finale gegen Brasilien beendet er seine aktive Karriere.

Dass er noch zwei Jahre zuvor medial als Mitglied der Rumpelfüßler auftauchte, war kein Rucksack für den Bremer Meisterspieler von 1993: „Das habe ich nicht groß mit mir rumgetragen. So etwas legt man als Spieler wieder ab.“ Mit 535 Spielen für Werder und Deutschland in den Schuhen kennt er die Mechanismen des Unterhaltungsbetriebs, „Ich weiß noch, dass wir nach dem Aus in der Bild-Zeitung in Flaschen gesteckt wurden.“ Bode lacht: „Rumpelfüßler, das habe ich nicht so furchtbar ernstgenommen.“ Er war ja selbst dabei gewesen im Finale 1996, als sie in Wembley Europameister wurden, „sicher auch nicht mit dem tollsten Fußball auf der Welt – und 2002 sind wir Vize-Weltmeister geworden mit fast der gleichen Spielergeneration.“ Auf dem Weg dorthin waren sie vom Boulevard schon mal als Bratwürste in Szene gesetzt worden. Hat für Marco Bode längst nicht so wehgetan, wie jetzt als Aufsichtsratschef der Abstieg mit Werder Bremen.

Damals in „De Kuip“ am Stadtrand von Rotterdam hatten nur Zentimeter gefehlt. „Wenn der Ball gegen Portugal reingegangen wäre, hätten wir gewinnen können, denn für Portugal ging es ja um nichts mehr.“ Die dann folgende 0:3-Niederlage, eine Blamage und Demütigung, sorgte dafür, dass der DFB sein vielbeachtetes Nachwuchskonzept auflegte. Vielleicht ganz gut, dass Bode damals nur den Pfosten traf. Der Leidensdruck wäre sonst nicht groß genug gewesen.

Schaut er jetzt auf das DFB-Team, kann Marco Bode gut mitfühlen und hat Hoffnung: „Wenn Deutschland eine Gruppenphase übersteht, ist der ganz große Druck erst mal weg.“ Denn: „Es gibt eine Pflicht, die du als deutsche Nationalmannschaft erledigen musst bei einem Turnier.“ Die Vorrunde sei deshalb belastend für Trainer und Team, erst recht, „wenn die Gruppe so schwer ist wie jetzt bei der EM.“

Die „FAZ“ hat die Nationalspieler nach der Niederlage gegen Frankreich mit der Schlagzeile „Bonjour Rumpelfußball“ begrüßt. Eine Überschrift, die sich direkt auf die historische 0:3-Pleite 2000 gegen Portugal bezieht. Das Wort „Rumpelfußball“ gab es vor 2000 nicht im deutschen Sprachgebrauch, jetzt lebt es wieder auf. Bode hielt das schon damals für „unangebracht“ und sieht das heute genauso. „Für mich war das kein Rumpelfußball gegen Frankreich.“ Zu uninspiriert, zu zaghaft, ja, das schon.

Nun hofft er sehr, dass sich im deutschen Team „nicht die Angst vorm Versagen durchsetzt“. Bode findet, die Systemdebatte – Dreier- oder Viererabwehrkette – überlagere die wahre Thematik: „Es wird im Fußball immer wichtig sein, mutig und risikobereit in solche Spiele hineinzugehen.“ Er selbst hat das damals zweimal vorgemacht, als er aus der Tiefe kam. Einmal Pfosten, einmal Tor. Zwei Schüsse, die Geschichte schrieben.

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