Mueller_191020
+
Unersetzlich: Thomas Müller.

FC Bayern München

Thomas Müller und die ewig neue Comeback-Debatte

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
    schließen

Der schlaue Bayer Thomas Müller legt auf und trifft fast, wie er will - und hat Sehnsucht nach Joachim Löw.

Es war keine Überraschung, dass am Sonntagmorgen im Fußball-Stammtisch „Doppelpass“ über die Rückkehr von Thomas Müller zum vormaligen Ziehvater Joachim Löw diskutiert wurde. Stoßrichtung: Der Bundestrainer solle sowohl im Fall Thomas Müller als auch in der Causa Mats Hummels über seinen Schatten springen und die beiden verstoßenen Elitekräfte zurückholen.

Müller ist jetzt 31. Er hat Zeit genug gefunden in seiner FC-Bayern-München-Karriere, beim 4:1-Sieg in Bielefeld zum 150. Mal in der Bundesliga ein Tor vorzubereiten. Die Statistiker haben das sofort erkannt und veröffentlicht. Zudem traf Müller noch doppelt und holte sich hinterher ein Füllhorn an Lob von seinem Vorgesetzten Hansi Flick ab: „Ihn muss ich herausheben“, sagte der Trainer, „es ist klasse, wie er die Räume sieht. Er tut uns sehr gut.“

Die Interpretation, dass Flick damit auch seinen ehemaligen Kompagnon Joachim Löw kritisieren wollte, ist unzulässig. Flick würde den Bundestrainer niemals öffentlich bloßstellen. Aber er sieht natürlich, was Müller gerade wegschafft bei den Bayern und wie er die Spielkameraden immer wieder antreibt. Und er weiß, dass der Ur-Bayer bockstolz wäre, wenn Löw den gesenkten Finger wieder heben würde. „Lang, lang ist’s her, dass ich Nationalspieler war“, sagte Thomas Müller nach seinem Galaauftritt auf der leeren Alm und hatte dabei gleichermaßen Sehnsucht und Schalk in der Stimme.

Jedes Müller-Tor, jeder Müller-Assist, jedes Müller-Statement in dieser Angelegenheit erhöht zwar den Druck auf den Bundestrainer, aber wahr ist natürlich auch: Löw hat dort vorn auf den Thomas-Müller-Positionen ein paar junge Männer, denen die Zukunft gehört und sogar die Gegenwart: Leon Goretzka, Serge Gnabry, Timo Werner, Leroy Sané, Florian Neuhaus jetzt auch. Dass aber zudem Marco Reus mit ebenfalls 31 noch zu Löws Kandidaten gehört, Müller aber nicht, lässt sich nur mit Argumenten der Hierarchie erklären. Müller hat ein einnehmenderes Wesen, das ihm zum Nachteil gereicht und das Leistungsprinzip aushebelt.

Kluge Worte

Aber sein Wesen ist, neben seinem Können, natürlich vor allem vorteilhaft. Für den FC Bayern und für die ganze Bundesliga, für den Profifußball an sich. Denn Müller ist auch abseits des Platzes ein wunderbar kluger Vertreter seiner Branche. Er sagte am Samstagabend, noch ganz verschwitzt, dass es gerade keinen Grund gäbe, ständig über die hohe Belastung in Zeiten der Pandemie zu meckern. „Die Beschwerden wegen der Corona-Geschichte kann ich nicht nachvollziehen, das packen wir schon.“ Solche geerdeten Worte kommen gut an bei den Fußball-Interessierten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare