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Die Dürre bei Hertha BSC

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Von: Jakob Böllhoff

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Einstand missglückt: Sandro Schwarz,
Einstand missglückt: Sandro Schwarz, © dpa

Der Big City Club scheint auch unter dem neuen Trainer Sandro Schwarz eine Neigung zum Abstiegskampf zu entwickeln. Ein Kommentar.

Manchmal ist Akzeptanz der Schlüssel zur Erlösung, auch im Fußball. Auch im wilden Berlin oder gerade dort. Bei Hertha BSC, dem zumindest theoretisch größten Klub in der Hauptstadt, hatten sie in den vergangenen Jahren mit wachsender Raserei auf den Umstand reagiert, dass freche Emporkömmlinge aus Köpenick ihnen im Handumdrehen den Rang als Stadtmeister entwendeten. Höhepunkt: Nach einem 1:4 in der vergangenen Saison sprachen die Ultras den Profis das Recht ab, das Hertha-Trikot zu tragen, und forderten es vor laufenden Kameras tatsächlich und leibhaftig von ihnen ein.

Nichts dergleichen am Samstag nun, nach dem Berlin-Derby am ersten Spieltag der neuen Saison im Union-Stadion An der Alten Försterei. Milder, aufmunternder Applaus gar von den Hertha-Fans nach dem völlig verdienten 3:1 (1:0) für den kleinen Stadtrivalen, der erst seit drei Jahren erste Liga spielt. Union ist Berlins Nummer eins. Und Hertha scheint langsam zu akzeptieren: Die sind jetzt besser als wir. Es ist, wie es ist.

Kay Bernstein, der neue Hertha-Präsident, der früher mal ein Hertha-Ultra war (und es im Herzen immer noch ist), hatte schon vor der Partie gesagt, was längst alle wissen: „In Sachen Wirtschaftlichkeit, Ruhe im Verein, Kommunikation, Außendarstellung und Erfolg ist Union dort, wo wir auch wieder hinwollen. Auch sportlich“, sagte der 41-Jährige: „Sie haben jedes Jahr ähnlich viele Spieler ausgetauscht wie wir – aber anders als wir ihr Gerüst nahtlos verbessert.“

Der Samstag hat das noch einmal untermauert: Hertha scheint auch unter dem neuen Trainer Sandro Schwarz eine Neigung zum Abstiegskampf zu entwickeln, während Union schmerzhafte Abgänge wie Mittelfeldmotor Grischa Prömel und Angreifer Taiwo Awoniyi mal wieder kompensieren kann. Janik Haberer könnte Prömel vergessen machen, Jordan Siebatcheu, gleich mal Torschütze, den eigentlich unvergesslichen Awoniyi.

So sieht Stabilität und Resilienz aus, nach der sie sich bei der schwindsüchtigen Hertha so sehnen. Dort will das Puzzle einfach nicht zusammenpassen, egal wie teuer die einzelnen Stücke sind. Längst verstehen sie, dass auch hunderte Millionen Euro vom Investor nichts bringen, wenn sie nicht auf nachhaltige Ideen treffen. Eine weitere Finanzspritze von Geldgeber Windhorst? „Wenn es auf fruchtbaren Boden fällt? Denkbar“, sagte Präsident Bernstein im „SZ“-Interview: „Aber ich habe ihm auch gesagt, dass jetzt nicht der Moment ist. Sonst ist es wieder zu schnell weg. Das sieht er auch so.“ So klingt Vernunft, ein Geschwisterchen der Akzeptanz.

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