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Die Dösi-Bayern

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Von: Jan Christian Müller

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Haben sich groß gemacht: Die Underdogs aus Bochum.
Haben sich groß gemacht: Die Underdogs aus Bochum. © dpa

Kollektive Schlafmützigkeit mündet in einer peinlichen 2:4-Niederlage beim VfL Bochum

Es sind gerade ganz besonderes Tage für Gerrit Holtmann. Der Außenstürmer des VfL Bochum, einer der Schnellsten seines Fachs, hat sich gerade erst über sein zurecht zum „Tor des Jahres“ gekürten Tempodribbling aus dem vergangenen Sommer gegen Mainz 05 freuen dürfen. Kaum darüber ausgefreut, hat der Deutsch-Filipino Holtmann beim 4:2 (4:1) gegen den großen FC Bayern seine nächste Jubelorgie erlebt; zu der er mit seinem viel schwächeren rechten Fuß ein Traumtor in den Winkel beisteuerte. „Die erste Halbzeit war vom anderen Stern,“ schwärmte der überragende Mann auf dem Platz hinterher.

Die Bayern wirkten entsprechend geerdet. Vier Tore in der ersten Hälfte hat der FC Ruhmreich in der Bundesliga zuletzt im November 1975 kassiert. Ein wenig reifere Fans von Eintracht Frankfurt erinnern sich nicht nur dunkel: Damals stand es zur Pause aus Münchner Sicht 0:5 – am Ende 0:6. Die Frankfurter Ikonen Bernd Hölzenbein, Jürgen Grabowski und Bernd Nickel trafen allesamt gegen Sepp Maier, Franz Beckenbauer und den blutjungen Kalle Rummenigge.

In ihrer Entwicklung und generellen Widerstandskraft hat es die Münchner damals nur unwesentlich zurückgeworfen. Ein Jahr später machten sie in Bochum aus einem zwischenzeitlichen 0:4 noch ein 6:5. Und auch derzeit steht nicht zu erwarten, dass die schmerzliche Niederlage einen längeren Niedergang zur Folge haben wird. Eher darf angenommen werden, dass die Verheerungen, für die die vier Bochumer Tore beim „Stern des Südens“ gesorgt haben, dazu beitragen werden, dass der FC Bayern umgehend alle Antennen zur Decke ausfährt. Am Mittwoch folgt nämlich schon die Achtelfinalaufgabe in der Champions League bei RB Salzburg. Mit halber Kraft voraus dürfte es beim österreichischen Meister eher eng werden. Die Sinne sind also geschärft - und in der Bundesligatabelle macht den Bayern auch ein 2:4 in Bochum erstmal rein gar nichts aus.

Kimmichs Kritik

Es war dennoch wenig überraschend an Joshua Kimmich, schon bald nach Schlusspfiff den Finger in die noch klaffende Wunde zu legen. „Es passiert zu oft. Das kenne ich von uns nicht, dass wir mehrfach vier, fünf Tore kassieren.“ Es wurden, na klar, Erinnerungen an das 0:5 im Pokal bei Borussia Mönchengladbach wach, als die Dösi-Bayern ebenfalls vor der Pause überrannt worden waren. „Wir haben sämtliche Tugenden vermissen lassen. Wir müssen uns fragen, ob das die Mentalität der Bayern ist“, mahnte Kimmich, der selbst beim Einwurf vor dem Bochumer 3:1 durch den Costa-Ricaner Cristian Gamboa sanft entschlummert war.

In den tiefsten denkbaren Fußballer-Winterschlaf schien im Ruhrstadion aber vor allem Verteidiger Dayot Upamecano gefallen zu sein. Bei seinem ersten Startelfeinsatz in diesem Jahr spielte der im Sommer mit reichlich Vorschlusslorbeeren für 42,5 Millionen Euro von RB Leipzig verpflichtete Franzose derart desolat, dass Trainer Julian Nagelsmann ihn nach 45 Minute erlöste und durch Corentin Tolisso ersetzte.

Immerhin gab es dann keine Gegentreffer mehr, ohnehin war der Manuel-Neuer-Ersatz Sven Ullreich unschuldig an den Bochumer Toren gewesen. Doch auf der anderen Seite reichte auch ein gut aufgelegter Robert Lewandowski nicht, um noch einen Umschwung herzuleiten. Dem Polen blieb nicht mehr, als hinterher von sich behaupten zu können, dass er das erste und das letzte Tor dieses missglückten Ausflugs tief in den Westen der Republik erzielt hatte. Beide fast so schön anzusehen wie die Treffer auf der anderen Seite. Aber nutzlos, außer für persönliche Konto und Gemüt.

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