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Die Debatte um Matthias Ginter

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Von: Andreas Morbach

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Durfte sich nur armmachen: Matthias Ginter (rechts) vor Gladbachs Trainer Adi Hütter.
Durfte sich nur armmachen: Matthias Ginter (rechts) vor Gladbachs Trainer Adi Hütter. © imago images/Ulrich Hufnagel

Borussia Mönchengladbach will „in die Zukunft investieren“ und verliert dabei in der Gegenwart gegen Bayer Leverkusen.

Gerardo Seoane ist zwar in Luzern geboren, auf seine spanischen Wurzeln greift Leverkusens Cheftrainer bei passender Gelegenheit aber gerne zurück. Beim 2:1-Erfolg seiner Mannschaft in Mönchengladbach war mal wieder so ein Moment – nachdem es sowohl Patrik Schick wie auch Kerem Demirbay beim fünften Auswärtssieg der Werkself in dieser Saison mit ihren verschossenen Strafstößen unnötig spannend gemacht hatten.

Für Seoane waren es – angesichts des frisch vollführten Sprungs auf Rang drei – erträgliche Fehlleistungen. „Es gibt“, erwähnte der erleichterte Fußballlehrer, dessen Eltern in den 1970er Jahren aus einem kleinen Städtchen in der Nähe von La Coruña in die Schweiz ausgewandert waren, „ein spanisches Sprichwort, das besagt: ‚Elfmeter verschießt nur, wer dazu antritt‘“.

Das erste Duell gegen die Kontrahenten am Kreidepunkt gewann Borussias Keeper Yann Sommer kurz nach Wiederbeginn – dank eines Panthersprungs nach Schicks scharf und platziert getretenem Elfmeter. Keine 30 Sekunden später musste Sommer den Ball dann aber doch aus den Maschen fischen, weil sich Robert Andrich Gladbachs Innenverteidiger Tony Jantschke bei der anschließenden Ecke geschickt davongeschlichen hatte.

„Der erste gehaltene Elfmeter hätte uns mehr Energie geben und mehr nach vorne pushen müssen. Stattdessen kassieren wir direkt danach das 0:1 – das darf uns nicht passieren“, beklagte Mittelfeldkraft Laszlo Benes den Rückschlag durch Andrichs Treffer aus kurzer Distanz. Leverkusens Goalgetter Schick bügelte sein Malheur aus elf Metern eine Viertelstunde vor Schluss aus: Das zweite Tor der Gäste, erzielt in einer unübersichtlichen Gesamtsituation, wurde schließlich offiziell dem Tschechen zugeschrieben.

Ebenfalls ganz offiziell auf die Ersatzbank verbannt wurde bei den Gladbachern, für die Nico Elvedi mit seinem ersten Saisontor nur noch verkürzen konnte, Matthias Ginter. Der 27-Jährige wird den Rautenklub spätestens im Sommer – und dann ablösefrei – verlassen. Entsprechend hätten Borussias Drahtzieher nichts dagegen einzuwenden, flösse bis zum Ende der winterlichen Transferperiode durch einen Wechsel von Ginter noch etwas Geld auf das durch die Coronakrise arg strapazierte Vereinskonto.

Dass Ginters designierter Nachfolger Marvin Friedrich, frisch von Union Berlin verpflichtet, bei seiner Gladbach-Premiere den ersten Elfmeter verursachte, sorgte naturgemäß für pikante Nachfragen zu Ginters Reservistenrolle. „Mir war klar, dass nun wieder dieses Fass aufgemacht wird. Bei uns verliert und gewinnt aber nicht ein Einzelner ein Spiel“, retournierte Borussias Chefcoach Adi Hütter wenig überzeugend – der zudem mit ansehen musste, wie mit dem eingewechselten Jordan Beyer (21) eine weitere Defensivkraft den zweiten Strafstoß verschuldete.

„Wir haben uns entschlossen, in die Zukunft zu investieren.“ Matthias Ginter habe „sich nichts zuschulden kommen lassen“, fügte Hütter dann noch hinzu. „Es hat keiner gesagt, dass die Tür zu ist“. Das empfiehlt auch die Gladbacher Vereinsikone Stefan Effenberg im Sport1-Doppelpass: „Wenn du auf Qualität verzichtest, dann gefährdest du deine Ziele“, mahnte er. Wobei das aktuelle Ziel der lahmenden Fohlen derzeit nur der Klassenerhalt sein kann.

Denn obwohl Yann Sommer in der 87. Minute auch gegen Demirbay parierte, konnten die Leverkusener wenig später ihren fünften Sieg in Folge über den rheinischen Rivalen feiern. „Es wäre ein harter Schlag für uns gewesen, wenn wir noch ein Gegentor bekommen hätten“, kommentierte Übungsleiter Seoane beim Gedanken an zuvor vier sieglose Partien seines Teams.

Der derzeit verletzte Denis Zakaria wird Borussia Mönchengladbach, genau wie Ginter, im Sommer ablösefrei verlassen. Auf den Schweizer Nationalspieler will Hütter aber nicht freiwillig verzichten. „Die beiden Personalien“, betonte der Coach, „kann man nicht miteinander vergleichen“. Zakaria sei „der klarste Sechser in unserem Team“. Verteidiger habe man hingegen mehrere.

Kommentar, Seite S3

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