Die ursprünglich geplante Teilauslastung der Puskas-Arena mit bis zu 20.000 Fußballfans dürfte nicht annähernd erreicht werden.
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Die ursprünglich geplante Teilauslastung der Puskas-Arena mit bis zu 20.000 Fußballfans dürfte nicht annähernd erreicht werden.

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Die Botschaft der Bilder

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die Uefa hat den Supercup in Budapest als Schritt zurück in die Normalität geplant - doch daraus wird wohl nichts - aus guten Gründen. Der Kommentar.

Es ist ja zum Glück nicht so, dass die Fans europaweit und die der Bayern insbesondere vor lauter Vorfreude darauf brennen würden, beim Supercup in Budapest dabeizusein. Selbst in der ungarischen Hauptstadt, wo das Coronavirus gerade mehr grassiert als an den allermeisten anderen Orten in Europa, herrscht dem Vernehmen nach alles andere als geballte Vorfreude auf die Partie zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla. Das ist deshalb hilfreich, weil die von Ausrichter Uefa ursprünglich geplante Teilauslastung der Puskas-Arena mit bis zu 20.000 Fußballfans somit am Donnerstagabend nicht annähernd erreicht werden dürfte. Die Leute bleiben mehrheitlich weg. Aus Desinteresse, aus Selbstschutz oder, weil es selbst den Furchtlosen zu umständlich ist, das Quarantäne- und Testprozedere nach einer Lustreise in ein Risikogebiet über sich ergehen lassen zu müssen.

Wenn schon der europäische Fußballverband und die ihm in sportpolitischen Verästelungen nahestehende ungarische Regierung nicht selbst vernünftig genug sind, die wahrscheinlich gebotene Vorsicht walten zu lassen, sind es eben die Fans selbst. Dabei ist nach allem, was man über das Virus glaubt zu wissen, ja gar nicht der Stadionaufenthalt an sich das Problem. Dort im Freien in einer hochmodernen Arena, die 67 000 Menschen Platz bietet, lässt sich das Publikum bei kluger Strategie gut so verteilen, dass niemand unkalkulierbare Gefahr läuft, sich anzustecken.

Lieber viele kleine Schritte

Aber es geht bei einem solchen Fußballspiel ja auch um die An- und Abreise vieler sich fremder Menschen, und vor allem: Es geht um die Botschaft, die damit in Zeiten europaweit steigender Infektionszahlen ausgesandt wird. Richtig wäre wohl die, die der DFB-Chefmediziner Tim Meyer kürzlich sinngemäß verkündet hat: Lieber viele kleine Schritte machen und dabei klug und ausgewogen vorankommen und aus Erfahrungen lernen, als einen großen, der im Nachhinein einen Rückschritt bedeuten könnte.

Beim FC Bayern hat man jetzt verstanden, nachdem am Freitag bei der Bundesliga-Eröffnung gegen Schalke 04 Bilder von Funktionären ins Land gingen, die einem coronabedingten Stadionverbot für alle Fans Hohn sprachen. Der Meister düste am Mittwoch mit „absoluter Minimalbesetzung“ (Präsident Herbert Hainer) nach Budapest, und man kann ziemlich sicher sein: So ignorant auf einem Haufen werden sich die hohen Herren in den kommenden Wochen nie wieder präsentieren. Das hat Klubchef Kalle Rummenigge jetzt mehrfach in einem Anflug seltener Demut bestätigt. Es geht da weniger um die konkrete Ansteckungsgefahr an frischer Luft, als auch hier um die Botschaft solcher Bilder.

Die Botschaft, die die Uefa und ihr in der Vergangenheit eher durch Realismus statt Aktionismus und durch Besonnenheit statt Größenwahn bekannter Präsident Aleksander Ceferin mit dem Supercup vor Zuschauern aussenden wollten, dürfte ohnehin konterkariert werden. „Normalität“ kehrt mit diesem Spiel jedenfalls nicht zurück in die Stadien. Dabei ist es umso bedauerlicher, dass weniger zahlungskräftige Menschen hierzulande es längst als „Normalität“ begreifen, von derartigen Veranstaltungen ausgegrenzt zu werden: Der Supercup läuft im deutschen Fernsehen nur hinter der Bezahlschranke von Sky. So viel zur gesamtgesellschaftlichen Botschaft des europäischen Spitzenfußballs.

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