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Bester Spieler des Turniers: Gianluigi Donnarumma. Foto: AFP
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Bester Spieler des Turniers: Gianluigi Donnarumma.

Gianluigi Donnarumma

Die Bank von Italien

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Europameister, Elfmeterheld und bester Spieler: Für Italiens Torwart Donnarumma war das Turnier ein echter Triumph.

Das Erstaunen war offenkundig. Eigentlich hatte die Siegerehrung noch gar nicht begonnen, Italiens neue Helden formten noch nicht einmal ein Spalier für unterlegene Engländer, als Gianluigi Donnarumma auf dem heiligen Rasen von Wembley einen zarten Hinweis empfing. Der italienische Nationaltorwart solle doch mal nach vorne gehen, um sich nach dem 3:2-Sieg im Elfmeterschießen gegen England die Auszeichnung zum „Player of the tournament“ abzuholen. Der 22-Jährige wirkte sichtlich verdutzt, betrachtete aber bald in seinen Pranken sehr genau eine eigenwillig anmutende Trophäe. Vielleicht nicht wirklich hübsch, aber allemal wertvoll.

Zumal er nun der erste EM-Torhüter ist, an den diese Auszeichnung ging, die 1996 an selber Stelle erstmals Matthias Sammer empfing. Danach waren feine Strategen wie Zinédine Zidane (2000), Theodoros Zagorakis (2004), Xavi Hernández (2008), Andrés Iniesta (2012) und Antoine Griezmann (2016) an der Reihe, doch nun entschieden sich 16 Technische Beobachter im Auftrage der Uefa, darunter der 1996er-Europameister Steffen Freund, für die „Bank von Italien“.

Für den ZDF-Experten Per Mertesacker war der so erwachsen wirkende Mann mit dem mächtigen Bart und dem breiten Kreuz „bester Torwart des Turniers“, für seinen Trainer Roberto Mancini ist er sogar der „beste Torhüter der Welt“ – und nicht allein wegen 1,96 Meter Körpergröße eine herausragende Erscheinung. Nur vier Gegentore, neun wichtige Paraden und die gehaltenen Elfmeter gegen den Spanier Alvara Morata und nun die Engländer Jadon Sancho und Bukayo Saka katapultieren ihn in den Mittelpunkt der Huldigungen.

Gianluigi Donnarumma: Immer ein Ruhepol

Europameister, Elfmeterheld und bester Turnierspieler – die volle Dröhnung für die italienische Nummer 21. Für ihn war diese EM ein einziger Triumphzug, wobei er selbst eine Bärenruhe bewahrte – als müsste er selbst bei den Feierlichkeiten noch als Stabilisator fungieren. Putzig, wie ihn der fast einen Kopf kleinere Stürmer Andrea Belotti auf den Rücken sprang; rührig, wie sich der fast zwölf Jahre ältere Kollege Salvatore Sirigu für ihn freute. Donnarumma schrieb auf seinem Instagram-Account: „Stolz darauf, allen Italienern ein Lächeln geschenkt zu haben und gemeinsam mit unseren außergewöhnlichen Fans so viele magische Nächte erlebt zu haben.“ Später postete er noch ein Bild dazu, wie er im Flieger zurück nach Rom der Trophäe einen Schmatz verpasste – wobei das Torwart-Wunderkind ja selbst vom Glück geküsst ist.

An ihm imponiert nicht nur eine ausgesprochen ausgewachsene Erscheinung, sondern auch eine extreme Coolness bei frühreifer Prägung. Donnarumma verließ seine Heimat Castellammare di Stabia in Kampanien am Golf von Neapel mit 13, um in das Jugend-Internat des AC Mailand zu wechseln. „Mein Zuhause hat mir sehr gefehlt, ich habe morgens immer geweint“, sagte er einmal. Mit 16 debütierte „Gigio“ in der Serie A, mit 17 in der Squadra Azzurra, als er zur Halbzeit für Gianluigi Buffon eingewechselt wurde, von dem Donnarumma lange ein Poster in seinem Kinderzimmer hängen hätte. Und dann hat Italien immer noch die Torwart-Legende Dino Zoff, 79, der zuvor mit der Squadra Azurra den einzigen EM-Titel gewann. 1968, ewig lang her.

Zoffs Uralt-Länderspielrekord hatte Donnarumma schon während der EM kassiert, als er 1169 Länderspiel-Minuten ohne Gegentor blieb. Dass bei ihm speziell in der K.o.-Runde nicht jeder Ausflug oder Zugriff saß, gehört zur nicht abgeschlossenen Entwicklung: In diesem Alter kann kein Keeper perfekt sein. Aber der Tormann verkörpert die Zukunft, während das Verteidiger-Duo Leonardo Bonucci, 34, und Girorgio Chiellini, 36, die italienische Brücke in die Vergangenheit schlägt. „Ich kann mich glücklich schätzen, denn ich habe mit Gianluigi Buffon gespielt. Jetzt spiele ich mit Gigi Donnarumma - das ist dasselbe“, sagte Bonucci. Chiellini scherzte: „Von Gigi zu Gigio ist es nur ein Buchstabe Unterschied. Vielleicht nennen wir in 20 Jahren alle Torhüter ‚Gigi‘, damit wir noch einen finden können.“

Manuel Neuer wird nicht der nächste Welttorhüter

Dass bei ihm speziell in der K.o.-Runde nicht jeder Ausflug oder Zugriff saß, gehört zur nicht abgeschlossenen Entwicklung: In diesem Alter kann kein Keeper perfekt sein. Seine unaufgeregten Taten könnten das Torwartspiel auf gewisse Art prägen: Der beste Rückhalt ist der, der die größte Ruhe ausstrahlt. Dass der nächste Welttorhüter nicht mehr Manuel Neuer, sondern Donnarumma heißt, ist ausgemacht.

Auch sein Standing bei den Tifosi wird nun wieder neu definiert, nachdem ihn Landsleute vor vier Jahren bei der U21-EM mit Dollar-Noten bewarfen, weil er ein üppiges Vertragsangebot von Milan abgelehnt hatte – „Dollarumma“ hieß er fortan. Damals blieb er noch bei den „Rossoneri“, nun allerdings ist der Vertrag ausgelaufen. Der ablösefreie Wechsel zu Paris St. Germain, der nur noch verkündet werden muss, soll für ihn und seinen Agenten Mino Raiola gleichermaßen lukrativ sein. PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi dürfte sich als Gast beim EM-Finale in London bereits die Hände gerieben haben, welch hochdekorierten Torwart sich sein Klub geangelt hat.

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