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Feine Schusstechnik: Woo-yeong Jeong.
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Feine Schusstechnik: Woo-yeong Jeong.

Südkoreaner Wooyeong Jeong

Die Axt des Vertrauens beim SC Freiburg

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Der Streich-Klub gewinnt auch in Stuttgart und freut sich über einen überaus gelungenen Saisonstart mit sieben Punkten aus drei Spielen.

Der Anfang ist die Hälfte des Weges, lautet ein koreanisches Sprichwort, das Wooyeong Jeong sich am Samstag offenbar sehr zu Herzen nahm. Der 21-jährige Fußballprofi aus Südkorea verlor im Bundesligaspiel beim VfB Stuttgart keinerlei Zeit, den SC Freiburg mit 2:0 in Führung zu bringen. Ein schönes Kopfballtor in der dritten Spielminute, eine wunderschöne Direktabnahme in der neunten. Als Lucas Höler dann in der 28. Spielminute, ebenfalls per Kopf, das 3:0 für die Breisgauer gegen die neben sich und, schlimmer noch, weit neben ihren Gegenspielern stehenden Schwaben erzielte, schien der Nachmittag früh erledigt. Bis Geschehnisse eintraten, die Jeong an ein anderes koreanisches Sprichwort erinnert haben dürften: Die Axt, der du vertraust, hackt dir in den Fuß. Der vertrauenserweckende Vorsprung der Freiburger geriet jäh ins Wanken, als Konstantinos Mavropanos (45.) und Hamadi Al Ghaddioui (45.+2) den VfB innerhalb kürzester Zeit wieder heranbrachten.

Doch die Axt verfehlte die Füße der Freiburger, denen es nach der Pause gelang, die schwäbischen Welle zu brechen und den alles in allem verdienten 3:2-Sieg ins Ziel zu bringen. Trainer Christian Streich, regungslos geblieben bei allen Toren, eruptierte nach dem Schlusspfiff in zornigem Jubel, ehe er an den TV-Mikrofonen freundliche Worte für den Mann des Tages fand. „Ein ganz toller Mensch“ sei dieser Wooyeong Jeong, „auch außerhalb des Platzes“, befand Streich, der den Superstart ins Spiel beinahe selbst verhindert hätte. Das Trainerteam habe erst am Freitagabend entschieden, in der gleichen Grundordnung wie beim 2:1 gegen Borussia Dortmund, also in einem 4-4-2 mit Jeong als hängende Spitze hinter Höler. „Das passt eigentlich nicht ganz, so wie der VfB spielt mit Dreierkette und den zwei Zehnern“, sagte Streich. „Zum Glück haben wir das gemacht, sonst wäre vielleicht der Wooyeong draußen gewesen, wenn man ehrlich ist“, gestand der 56-Jährige und meinte: Ganz sicher wäre es so gewesen.

Der talentierte Südkoreaner, vor zwei Jahren vom FC Bayern II nach Freiburg gekommen und dann aus Gründen der Spielpraxis direkt wieder zurückverliehen an die Münchner Reserve, hatte sich in der vergangenen Saison im Bundesligakader des SC etabliert. Nach wie vor neigt er dazu, Streich an den Rande der Verzweiflung zu treiben, wenn sich brillante Szenen mit unerklärlichen Fehlern abwechseln. „Manchmal raufe ich mir die Haare, manchmal schnalze ich auch mit der Zunge“, sagte Streich nach dem 0:0 zum Auftakt in Bielefeld und lächelte das Lächeln eines strengen, aber liebevollen Vaters.

Ruhe, Vertrauen und Konstanz, auch in schwierigen Phasen – das sind Pfeiler der Freiburger Vereinsphilosophie und mehr denn je tragende Elemente. Gelassen, auf stabilem Fundament stehend, konnten sie zuletzt mitansehen, wie um sie herum die Klubs mit weitaus größerem Potenzial im Chaos versanken, Hamburg, Schalke, Bremen.

Der Saisonstart mit sieben Punkten aus drei Spielen (gab’s noch nie in der SC-Bundesligageschichte) sieht tendenziell aus wie die Hälfte des Weges, seriös in Abstiegsgefahr wird dieses Team wohl auch in dieser Spielzeit nicht geraten. Doch Mahner Streich bleibt sich treu. „Ich kann rechnen und ich weiß, wie viele Punkte wir brauchen, um ein weiteres Jahr in der Bundesliga spielen zu dürfen“, sagte der Südbadener nach dem Sieg beim verletzungsgeplagten VfB. Frei nach der schwäbischen Redensart, an die am Samstag viele Stuttgarter dachten: ‘S Leba isch koi Schlotzer.

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