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Die Aktie Vilhelmsson

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Von: Daniel Schmitt

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Auf dem Sprung: der Schwede Oscar Vilhelmsson.
Auf dem Sprung: der Schwede Oscar Vilhelmsson. © IMAGO/Eibner

Viel Talent, wenig Erfahrung: Der 18-jährige Schwede Oscar Vilhelmsson soll bei Darmstadt 98 zum Topstürmer reifen

Trainer und Kapitän sind sich einige, sagen unisono: Dieser 18-Jährige ist kein „richtiger 18-Jähriger“. Wen und was sie damit meinen, die Herren Torsten Lieberknecht und Fabian Holland vom Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98: Oscar Vilhelmsson, 18 und daher selbstverständlich ein richtiger 18-Jähriger, ist schlicht deutlich besser als andere Fußballer seines jungen Alters.

Nicht umsonst war „namhafte Konkurrenz“, wie der Darmstädter Sportchef Carsten Wehlmann sagt, in diesem Sommer an einer Verpflichtung des schwedischen Stürmers interessiert. Unter anderem der tschechische Conference-League-Qualifikant Slavia Prag, auch die niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim und FC Groningen. Im Sommer 2021 wurde zudem Borussia Dortmund beim Junioren-Nationalspieler vorstellig, wollte ihn über die eigene Drittligareserve ans Bundesligateam heranführen. Oscar Vilhelmsson entschied sich bewusst gegen den BVB, sammelte lieber noch ein Jahr Spielpraxis bei seinem Heimatklub IFK Göteborg, für den er als Zehnjähriger erstmalig gegen den Ball trat, ehe er nun mit etwas Verzögerung den Schritt ins Ausland wagte: nach Deutschland, in die zweite Liga, ins für ihn unbekannte Darmstadt.

„Ich habe einfach das Gefühl gehabt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um den nächsten Schritt in meiner Karriere als Profifußballer zu machen“, sagt Vilhelmsson, der die ersten Tage im Südhessischen die komplette Familie an seiner Seite wusste. Alle reisten gemeinsam zwölf Stunden mit dem Auto an. Endlich weg aus der Heimat – Vilhelmsson wurde nur eine halbe Autostunde entfernt von Göteborg in Ara geboren. Raus aus der Komfortzone, rein ins Abenteuer.

Beim IFK Göteborg, einem der erfolgreichsten schwedischen Klubs, hatte Vilhelmsson in der vergangenen Saison seinen Durchbruch gepackt. War er bereits als 16-Jähriger für die Profis aufgelaufen, zählte er zuletzt häufig zur Startelf. Vier Treffer gelangen ihm. Vilhelmsson sei, so Carsten Wehlmann, „eines der vielversprechendsten Talente“ im schwedischen Fußball. Schon länger tauchte der Angreifer auf dem Radar des Darmstädter Managers auf. Damals, siehe BVB, war die Konkurrenz noch zu groß.

Bei den Lilien erwischte der Neue einen schwierigen Start. Kaum da, war er verletzt, Bänderriss im Knöchel. Der Jokereinsatz am vergangenen Sonntag in Braunschweig war erst sein zweiter im Darmstädter Trikot - gekrönt von einem Tor, nervenstark erzielt per Lupfer über den herauseilenden Keeper hinweg. So treffe er häufiger, sagt Vilhelmsson, der ein feines Füßchen besitzt, auch einigermaßen flott unterwegs ist trotz seiner 1,88 Meter Körperlänge. Ein gutes Gesamtpaket. Die Lilien sollen es sich angeblich etwas weniger als eine Million Euro Ablöse haben kosten lassen. Viel Geld für den Zweitligisten.

Zu großen Druck jedoch wollen sie auf den jungen Mann nicht ausüben, sagen die Lilien-Bosse. Ihm soll die nötige Zeit gegeben werden, um zu reifen. Der Vertrag des Angreifers gilt bis 2026. Vergleiche mit dem treffsicheren Ex-Torjäger Luca Pfeiffer, jetzt beim VfB Stuttgart, drängen sich zwar aufgrund der Statur - beide sind recht groß und schlaksig - auf, sollen aber nicht zu überhöhten Erwartungen führen.

Bisher stand Vilhelmsson erst 46 Minuten für die Lilien auf dem Feld, das Startelfdebüt könnte ihm an diesem Samstag (20.30 Uhr/Sport 1) im Heimspiel gegen Hansa Rostock winken. „Mir ist das erst einmal egal, ob ich von Anfang an spiele oder nicht. Wichtig ist vor allem, dass wir auch dieses Spiel gewinnen.“

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