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Macht sich lang: Almuth Schult.
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Macht sich lang: Almuth Schult.

Profifußball

Dicke Bretter bohren

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Nach der Geburt von Zwillingen sieht sich die deutsche Fußball-Torhüterin Almuth Schult als Wegbereiterin.

Keine Mutter vergisst den Tag der ersten Entbindung. Bei Almuth Schult begann der 22. April vergangenen Jahres allerdings noch mit einem Sportprogramm. „Ich bin direkt morgens in den Kraftraum: Kniebeugen, Kreuzheben mit 50 Kilo, Liege- und Unterarmstütz“, erzählte die Torfrau des VfL Wolfsburg am Dienstag in einer Medienrunde. Schon vor der Geburt von Zwillingen – ein Junge und Mädchen, deren Namen die Mutter aus Rücksicht auf die Privatsphäre nicht preisgeben möchte – stand das Vorhaben fest, sich wieder auf den Platz zurückzukämpfen. Und auch neun Monate später zweifelt sie keine Sekunde daran. „Dafür spiele ich zu gerne Fußball. Ich will das schaffen.“

Der erste Schritt ist gemacht: Vergangene Woche stand die 29-Jährige im Testspiel gegen Eintracht Frankfurt (3:2) erstmals wieder zwischen den Pfosten. „Die letzten Prozent kommen erst mit den Spielen. Die nächste Stufe wäre das erste Pflichtspiel.“ Das letzte war mit dem deutschen Nationalteam beim WM-Aus im Viertelfinale gegen Schweden im Sommer 2019. Danach folgte eine Operation an der lädierten Schulter. Die größere Herausforderung sollte sein, wieder das alte Fitnesslevel zu erlangen, denn: „Eine Schwangerschaft bringt den Körper komplett durcheinander.“

Behutsam tastete sie sich langsam wieder ans Mannschaftstraining heran. Inzwischen hat sie sich in ihrem Haus in Lomitz, einem kleinen Dorf im Landkreis Lüchow-Dannenberg im Wendland, selbst Fitnessgeräte angeschafft, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Jeder Tag muss zwischen den beiden Rollen neu verhandelt werden, zumal die Nächte „mit zwei aufgeweckten Kindern“ weiterhin kurz sind. Schult ist froh, für ihr Faible Fußball so viel Rückhalt in der Familie zu spüren. Auch das gibt ihr das „super-optimistische“ Gefühl, wieder das alte Niveau zu erreichen, „weil ich weiß, was ich kann“.

Grundsätzlich sollte es ja selbstverständlich sein, dass eine Berufssportlerin nach der Geburt von Kindern wieder zurückkehren kann. Ist es aber im deutschen Frauenfußball ganz und gar nicht: Nationalstürmerin Celia Sasic beendete 2015 ihre Karriere, um sich danach der Familienplanung zu widmen. Lira Alushi kam nach ihrer Schwangerschaft im selben Jahr nicht zurück. „Ich sehe mich schon ein bisschen als Wegbereiterin“, sagt Schult, denn es sei doch schade, „dass wir diese talentierten Spielerinnen im besten Alter verloren haben“.

Es gibt mit Martina Voss-Tecklenburg nur eine einzige Nationalspielerin, die den Spagat bewältigte – und das auch nur mit größter Mühe. Als die heutige Bundestrainerin 1994 ihre Tochter Dina zur Welt gebracht hatte, „gab es noch keine Unterstützung“, sagte die 125-fache Nationalstürmerin einmal. „Ich durfte Dina auch nie mitnehmen zu Lehrgängen. Das war belastend, weil ich mit schlechtem Gewissen im Bus saß, wenn sie vorher beim Abschied geweint hatte.“ Wie dick auch aktuell noch die Bretter sind, die ein Charakterkopf wie Schult gerade anbohrt, zeigt sich daran, dass in der Frauen-Bundesliga nicht eine einzige Mutter am Ball ist. Andere Länder sind da viel weiter.

Die USA sind viel weiter

In Skandinavien gibt es zahlreiche Beispiele, bei den USA tobten nach den gewonnenen Weltmeisterschaften 2015 und 2019 kleine Kinder über den mit Konfetti bedeckten Rasen in Vancouver bzw. Lyon. Superstar Alex Morgan unterschrieb nur vier Monate nach der Geburt ihres Kindes im September vergangenen Jahres einen Vertrag bei den Tottenham Hotspurs und lief im November erstmals auf. Der US-Verband kümmert sich fast rührend um seine Spielerinnen: Jeder Mutter wird bei Turnieren eine „Nanny“ bereitgestellt, die Kosten für Flug und Unterkunft werden übernommen.

Ob das auch bei den DFB-Frauen mal zum Thema wird, weiß Schult noch nicht. Eine Einladung zum Dreierturnier mit Belgien und Niederlande (21. Und 24. Februar) erwartet sie nicht. „So weit bin ich wirklich nicht. Vor der Nationalmannschaft muss man mit Leistung überzeugen. Ich möchte keinen Freifahrtschein oder eine Sondererlaubnis, auch wenn ich mir über Jahre einen Stand erarbeitet habe.“

Noch ist ja gar nicht sicher, ob sie sofort im Verein den Stammplatz zurückerobert, wenn am 5. Februar die Rückrunde gegen Turbine Potsdam fortgesetzt wird. Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch hat gesagt, auf der Torwartposition würden in 2021 die Karten neu gemischt. Der Dreikampf mit Friederike Abt – die mit den „Wölfinnen“ 2020 das Double gewann – und der polnischen Nationaltorhüterin Katarzyna Kiedrzynek ist offen. Klar ist, nur was die Zwillingsmama möchte: „Ich will wieder spielen. Aber wenn ich es nicht sofort schaffe, werde ich es nicht als Niederlage sehen.“

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