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Diamantauge tränt

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Von: Thomas Kilchenstein

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Architekt des VFB-Erfolgs: Sportdirektor Sven Mislintat.
Architekt des VFB-Erfolgs: Sportdirektor Sven Mislintat. © dpa

Warum der VfB Stuttgart die drei Granden verpflichtet, ohne Rücksprache mit dem Sportdirektor zu halten, muss nicht jeder verstehen: Mislintat fühlt sich brüskiert, übergangen.

Es ist die Frage, wie viel Porzellan durch eine ungeschickte, ja fehlende Kommunikation bereits zerschlagen ist beim VfB Stuttgart. Es geht beim schwäbischen Fußballklub, bislang noch sieglos in der Bundesliga, um die Personalie Sven Mislintat. Der Mann ist in der Branche bestens beleumundet, er gilt als „Diamantauge“, der Talente früher als andere findet. Zu seiner Zeit bei Borussia Dortmund hat er etwa Aubameyang, Dembélé und Kagawa entdeckt und zum BVB geholt, dann ist er nach mehr als einem Jahrzehnt zum FC Arsenal als Chefscout gewechselt.

Jetzt, als Sportdirektor beim VfB, hat er - gemeinsam mit Trainer Pellegrino Matarazzo - diese freche Rasselbande nach dem Aufstieg in die Bundesliga geschickt, und sie, trotz erheblicher Schwierigkeiten, auch drin gehalten. Nebenher hat er mit schlauen Transfers allein in dieser Runde einen Überschuss von 25 Millionen Euro erwirtschaftet, nicht unwichtig in den Nachwehen der Pandemie. Dass sein sehr emotionales Auftreten bei Spielen, sein ständiges Herumkritteln an Entscheidungen der Schiedsrichter vielen zu Recht auf die Nerven geht, schmälert nicht die Verdienste dieses außergewöhnlichen Fachmannes.

Insofern verwundert die Vorgehensweise des VfB schon: Dass der Klub Philipp Lahm, Sami Khedira und Christian Gentner - die letzten beiden echte Eigengewächse - als Berater in die Chefetage einbindet, ist verständlich. Kompetenz in Fragen der Kaderplanung, der sportlich-strategischen Ausrichtung, der Klub-Philosophie kann man ja nie genug haben. Warum aber die Verpflichtung der drei Granden ohne Rücksprache mit dem Sportdirektor erfolgte, muss Vorstandschef Alexander Wehrle für sich beantworten. Nicht zu Unrecht fühlt sich Mislintat brüskiert, übergangen, schließlich betreffen die Neuerungen ganz entscheidend sein Ressort. Inzwischen rudert Wehrle zurück, räumt den kommunikativen Fehler ein.

Doch ob damit die Sache aus der Welt geschaffen ist? Im Sommer läuft der Vertrag des langhaarigen Sportdirektors aus. Eine Fan-Initiative hat eine Online-Petition auf den Weg gebracht, die eine Vertragsverlängerung fordert. Fans fürchten offenbar den Abgang des Bessermachers

Zerschlagenes Porzellan lasst sich oft nur mühsam kitten.

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