+
Der deutsche Fußball macht in dieser Saison wieder mehr Spaß.

DFL-Sportreport

Süßes Lob

  • schließen

DFL-Direktor Schwenken stellt Eintracht Frankfurt als engagierten Europapokal-Starter heraus.

Dass sein Herz immer noch am VfL Bochum hängt, daraus macht Ansgar Schwenken gar keinen Hehl. Wenn es Zeit- und Spielplan erlauben, pflegt der einst tief im Westen verwurzelte Direktor für Fußball-Angelegenheiten bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einen Stadionbesuch an der Castroper Straße ein – und als langjähriger VfL-Mitarbeiter schüttelt er dann viele Hände. Ansonsten schaut der 49-Jährige sich in Dortmund, Gelsenkirchen oder Frankfurt bei Bundesligaspielen um, aber bei der erstmaligen Vorstellung des „DFL-Sportreports“ wollte er sich kein Pauschalurteil anmaßen. Aber ja, das kann er bestätigen: Der deutsche Fußball macht in dieser Saison wieder mehr Spaß.

„Für unsere Liga ist es wichtig, eine hohe Wettbewerbsfähigkeit zu haben und am besten unter den Top drei in Europa positioniert zu sein.“ Der Blick auf die Uefa-Fünfjahreswertung der Vorsaison, als Deutschland nicht mal die Zehn-Punkte-Schwelle erreichte, schmerzte ihn fast so sehr wie sein Knorpelschaden in aktiven Zeiten. Als „deutlich zufriedenstellend“ bezeichnete Schwenken die aktuelle Europacup-Bilanz. Mit fast 14 Zählern im Schnitt haben die sieben Starter bereits eine ordentliche Ausbeute eingefahren, ganz gleich, was speziell in der Champions League für das deutsche Trio noch herauskommt.

Ein Sonderlob heimste dabei die als einzige fürs Europa-League-Achtelfinale qualifizierte Frankfurter Eintracht ein, die den Wettbewerb „mit dem Engagement und der Leidenschaft annehmen, wie wir uns das wünschen“ (Schwenken). Weniger vorbildlich haben sich gerade Bayer Leverkusen und vor allem RB Leipzig angestellt. Die Roten Bullen, die beträchtlichen finanziellen Aufwand treiben, um sich auf die internationale Bühne zu hieven, hatten den Wettbewerb nach fragwürdigen Aussagen von Ralf Rangnick fast abgeschenkt. Der Lustfaktor bewegte sich in Leipzig fast gegen Null. Bei dieser grundsätzlichen Qualität sei mehr zu erwarten, sagte Schwenken. „Das Abschneiden ist bedauerlich. Letztlich ist jeder Klub für sich selbst verantwortlich, wie viele Startplätze die Bundesliga stellt.“ Eine Warnung, die in der DFL-Kommission Fußball mit den Bundesliga-Managern mahnend thematisiert wurde.

Es gibt eine Reihe von Kennziffern, die den subjektiven Eindruck der Besserung durch objektive Daten unterfüttern. Schließlich werden von den DFL-Dienstleistern mit bis zu fünf anwesenden Analysten bei jedem Bundesligaspiel bis zu 2500 Spielinformationen erfasst. Für die wichtigsten Zahlen reicht der Taschenrechner: Nirgendwo fallen in den fünf europäischen Topligen (England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich) so viele Tore wie in der Bundesliga (3,1).

Auch der Zuschauerzuspruch ist europaweit Spitze (42.217). Dazu wird das Rennen um die Meisterschaft wohl nur in der Premier League spannender. Differenzierter fällt der Blick auf den Spielerkader aus: Zwar ist das Durchschnittsalter der eingesetzten Bundesligaspieler mit 26,2 Jahren das jüngste der europäischen Top-Ligen – und das der Bundesliga-Kader ist sogar auf 24,7 Jahre abgesackt -, aber ein Anteil von 14,4 Prozent eingesetzten U21-Spielern trügt insofern, da nur 5,2 Prozent einheimische Akteure sind. In Frankreich liegt der Anteil bei 12,4 Prozent; und überdies setzt die Ligue 1 zu fast zwei Dritteln Akteure mit französischem Pass ein. Die spanische La Liga baut zu 61,4 auf einheimische Profis.

In der Bundesliga sind die deutschen Spieler mit 48,7 Prozent knapp in der Minderzahl. Interessant wie sich die Herkunftsländer bei der Spielerakquise verschoben haben: Österreich (48 Spieler), Frankreich (39), Schweiz (22) und Niederlande (20) haben inzwischen Brasilien und die skandinavischen Länder als wichtigste Quelle abgelöst.

Immerhin: Die zweite Liga erfüllt ihren Zweck als Ausbildungsliga allemal: Hier sind 395 der 510 Lizenzspieler Deutsche. Die DFL hat nach eigenem Bekunden kaum Handhabe: Immerhin werden mittlerweile mehr als drei Millionen Euro als Ausbildungsvergütung an die kleinen Vereine gezahlt. Schwenken ist generell überzeugt: „Wir machen vieles richtig in der Bundesliga.“

Dazu zählt er auch den Einsatz des Videobeweises (VAR): In den aufgeregten Debatten würden aus seiner Sicht wichtige Fakten ausgeblendet: Bislang wurden 51 Fehlentscheidungen verhindert, die Intervention des Video-Assistenten erfolgte nur in jedem dritten Spiel und bis zur Entscheidungsfindung dauerte es lediglich 59 Sekunden. Die Nettospielzeit hat sich seit der VAR-Einführung von 56:02 Minuten sogar auf 57:25 Minuten erhöht. Schwenken: „Der Videoassistent ist besser als sein Ruf.“ Die Bundesliga auch?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion