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Reinhard Rauball (l), DFL-Präsident, Peter Peters, Finanzvorstand vom FC Schalke 04 und DFL-Vizepräsident, bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung.

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Klubs beschließen DFL-Reform

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Die deutschen Profiklubs haben sich bei ihrer Versammlung am Dienstag im Frankfurter Vorort Neu-Isenburg auf eine moderate Strukturreform der Deutschen Fußball Liga (DFL) verständigt.

Der stärkste Mann im deutschen Fußball wird zu einem wahren Muskelprotz. Denn nach dem Ende der zwölfjährigen Präsidentschaft von Reinhard Rauball am 21. August dieses Jahres wird die Stelle des 72-Jährigen ersatzlos gestrichen. Statt eines Präsidenten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) als obersten Repräsentanten der 36 Lizenzklubs der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga rückt Christian Seifert zum Sprecher des Präsidiums auf. Das beschloss am Dienstag eine außerordentliche Mitgliederversammlung aller Klubs im Hotel Gravenbruch in der Nähe von Frankfurt. Der 50-jährige Seifert ist seit 14 Jahren Vorsitzender der Geschäftsführung und hat mit seiner Fachkompetenz die meisten Bundesliga-Manager, wenn auch nicht ganz alle, überzeugen können.

Seifert schloss gleichwohl aus, dass er künftig den deutschen Fußball in den höchsten internationalen Gremien der Uefa und Fifa als Nachfolger des Anfang April zurückgetretenen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel vertreten könnte. Diese Variante war zuletzt hinter den Kulissen diskutiert worden, nachdem die DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch (Präsident des bayerischen Fußballverbandes) und Peter Peters (Schalke 04) sich dem Vernehmen nach erfolglos um größere Akzeptanz in den internationalen Gremien bemüht hatten. Seifert stellte klar: „Für mich kommen weder Uefa- noch Fifa-Führungsgremien infrage.“ Denn dazu sei ein „enormer zeitlicher und inhaltlicher Aufwand“ erforderlich, „der mit dieser Position sicher nicht in Einklang zu bringen wäre“. Ohnehin glaubt er, dass Uefa-Exekutivkomitee und Fifa-Council einen Ligavertreter der Profiklubs nicht in ihren Gremien wissen wollen, sondern ausgewiesene Verbandsleute. Einem im September beim DFB-Bundestag kandidierenden neuen DFB-Präsidenten traut er die Dreifachaufgabe DFB, Uefa, Fifa allemal zu, sofern dieser in der Lage sei, sich gut zu organisieren.

Erfolgreiches Netzwerken

Allerdings solle man das Gewicht eines deutschen Vertreters in den Regierungen der Uefa und Fifa „nicht überschätzen“. Wichtiger sei es, Netzwerke aufzubauen und Allianzen zu schmieden. Genau das hat Seifert in den vergangenen Wochen im Kampf gegen eine Reform der Champions League zum Schaden der nationalen Ligen erfolgreich getan. Er brachte die gesamte Bundesliga hinter sich und kann sich inzwischen auch der Unterstützung der Premier League sowie der allermeisten Klubs aus Spanien und Italien sicher sein.

Was die Suche nach einem neuen DFB-Chef angeht, ist Seifert guten Mutes, diese Frau oder diesen Mann zeitig zu finden, und zwar jemanden, der „alle überzeugen“ könne. Diesem Anspruch war Grindel als Kandidat der Amateurverbände ohne Rückendeckung des Profifußballs in seiner dreijährigen Amtszeit von Anfang an hinterhergelaufen. Seifert spricht in der Suche nach einem neuen DFB-Boss von einer „extrem konstruktiven Zusammenarbeit“ mit dem DFB in einer „sehr kleinen Arbeitsgruppe“ mit Unterstützung eines Unternehmensberaters.

DFB-Vize Koch informierte die Ligavertreter in Gravenbruch eigens über den Fortgang der Überlegungen. Ein ähnlich kardinaler Fehler wie im November 2015, als der bei den Landesverbänden einflussreiche Koch gegen den ausdrücklichen Willen der vergrätzten Bundesliga und der DFL-Führung Grindel als neuen, dann im April 2016 gewählten DFB-Präsidenten durchdrückte, will der kluge Mann nicht wiederholen. Seifert stellte relativierend klar: „Die DFB-Präsidentschaft ist eine wichtige Position, aber auch nicht die wichtigste Personalie Deutschlands.“ Es gäbe in der Wirtschaft durchaus Beispiele komplexerer personeller Problemlösungen, die im entsprechenden Zeitrahmen abgearbeitet worden seien.

Seiferts Arbeit bei der DFL wird künftig auch dadurch erleichtert, dass er Medienverträge mit einem Umsatz von bis zu 100 Millionen Euro nicht mehr durch eine Abstimmung aller Klubs genehmigen lassen muss. Bisher waren Kontrakte ab 30 Millionen Euro genehmigungspflichtig, was angesichts der Dynamik in den Abschlusssummen zu Verzögerungen geführt hatte. Als Erfolg darf es Seifert auch verbuchen, dass nun zweimal pro Saison Teilversammlungen der ersten und zweiten Liga stattfinden. Womöglich ein erster Schritt zur getrennten Vermarktung, die der bislang von der ersten Liga subventionierten zweiten Liga wenig dienlich wäre?

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