1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

DFB-Taskforce legt los und zählt zwei Verantwortliche an

Erstellt:

Von: Manuel Bonke, Hanna Raif

Kommentare

Die Experten-Kommission des DFB hat sich am Donnerstag getroffen, um das WM-Debakel aufzuarbeiten. Dabei wurde Kritik an der Nachwuchsarbeit laut.

Frankfurt - Die Taskforce legt los. Das von Präsident Bernd Neuendorf (61) berufene Experten-Gremium tagte am Donnerstag zum ersten Mal, wie tz.de berichtet. Oliver Kahn (53) war in seiner Rolle als CEO des FC Bayern kurzfristig und persönlich nach Frankfurt angereist und traf dort auf seine Mitstreiter Matthias Sammer (55), Oliver Mintzlaff (47) und Rudi Völler (62). Lediglich Karl-Heinz Rummenigge (67) war aus Doha zugeschaltet und konnte die Elefantenrunde mit frischen Vor-Ort-Eindrücken der WM-Halbfinal-Partien versorgen. Der Ball lag jedoch vorerst bei Neuendorf und seinem Vize-Präsidenten Hans-Joachim Watzke (63), die eine entsprechende Agenda mitgebracht hatten, die es auszuarbeiten galt. 

Flick unzufrieden mit Nachwuchsarbeit: „Man muss in der Ausbildung Dinge anders machen“

Ganz oben auf der Liste steht nach wie vor die Suche nach einem geeigneten Sportdirektor, der die Nachfolge von Oliver Bierhoff (54) antreten soll. Nach wie vor ein heißer Kandidat: Hertha-Manager Fredi Bobic (51). Darüber hinaus wird der Expertenkreis auch über die Zukunft der DFB-Talentförderung debattieren - und dort werden mit großer Wahrscheinlichkeit Köpfe rollen.

Bernd Neuendorf
DFB-Präsident Bernd Neuendorf spricht auf einer Pressekonferenz. © Federico Gambarini/dpa

Dass Bundestrainer Hansi Flick (57) mit der deutschen Nachwuchsarbeit der vergangenen Jahre nicht zufrieden ist, ließ er bereits nach dem WM-Vorrundenaus anklingen: „Ich glaube, dass es für die Zukunft im deutschen Fußball wichtig ist, dass man einfach in der Ausbildung verschiedene Dinge vielleicht auch anders macht. Wir reden schon seit Jahren über einen Neuner, den wir brauchen. Über spielstarke Außenverteidiger.“

Deutsche Nachwuchsarbeit: Kritik dürfte an Chatzialexiou und Schönweitz gehen

Mit diesen deutlichen Worten hatte der Bundestrainer noch in Katar die Nachwuchs-Verantwortlichen des DFB angezählt. Vor allem Joti Chatzialexiou (46/Sportlicher Leiter Nationalmannschaften) und Meikel Schönweitz (42/Cheftrainer U-Nationalmannschaften) dürften sich angesprochen gefühlt haben. Wer sich in der Branche umhört, wird schnell feststellen: Kritik gibt es genügend an dem Duo - vor allem die Besetzung der Trainerposten in den U-Mannschaften wird von vielen kritisch gesehen. Tenor: Es bedarf mehr Kompetenz.

Sportlicher Leiter Joti Chatzialexiou bei einer Pressekonferenz.
Unter anderem dürfte sich Joti Chatzialexiou bei der Kritik angesprochen fühlen. © IMAGO/Nico Herbertz

Vor allem im sogenannten Übergangsbereich vom Jugend- zum Seniorenfußball kehren vielversprechende Talente dem DFB den Rücken, weil ihnen die Perspektive für die A-Nationalmannschaft fehlt. Wie bei Salih Özcan (24), der sich für eine Karriere in der türkischen Nationalmannschaft entschieden hat, obwohl er alle Junioren-Mannschaften des DFB durchlaufen hatte und im Jahr 2021 U 21-Europameister wurde. Nicht umsonst hatte Flick bis zuletzt versucht, Özcan von einem Verbleib zu überzeugen. In Katar hätte dem deutschen Spiel ein kampfstarker Sechser gutgetan.

Konzentriert sich der DFB zu sehr auf Themen neben dem Sport?

Mit Sammer gehört ein absoluter Nachwuchsexperte der Taskforce an. Schon zu seiner Zeit als DFB-Sportdirektor zwischen 2006 und 2012 revolutionierte er die Jugendarbeit. Ein Erfolgsfaktor damals war die Verpflichtung von Marcel Lucassen (59) als Techniktrainer. Der gebürtige Niederländer genießt unter Fachmännern einen hervorragenden Ruf. Unter anderem brachte er die Nachwuchsakademie des FC Arsenal gemeinsam mit Per Mertesacker (38) wieder in die Erfolgsspur, ehe er für den holländischen Verband als Direktor Entwicklung tätig war. Seit September arbeitet er für die Vereinigten Arabischen Emirate als Technischer Direktor.

Ein anderer Vorwurf: Seit Inbetriebnahme der DFB-Akademie konzentriert man sich zu viel auf Nebensächlichkeiten statt auf den reinen Sport. Bestes Beispiel: der Trackman, eine Ballflug-Technologie, die bei Standard-Situationen die Schusstechnik optimieren sollte. Von Standard-Treffern waren die Deutschen in Katar meilenweit entfernt. Verantwortlich für diesen Teilbereich: Tobias Haupt (38) als Akademieleiter. (hlr/bok)

Auch interessant

Kommentare