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Will sich nicht überrollen lassen: Rheinland-Fußballchef und DFB-IT-Fachkraft Walter Desch (74)..

„Lustreisen und Saufgelage“

DFB wehrt sich halbstark

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Nach „Spiegel“-Veröffentlichungen erklärt der Verband seine Spesenpraxis, Beraterverträge und Reiserichtlinien.

In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ kann der geneigte Leser schon durch einen entsprechenden Hinweis auf dem Titelblatt erkennen, dass es drinnen im Blatt ungemütlich für den Deutschen Fußball-Bund wird. „Die Lustreisen und Saufgelage“ der DFB-Funktionäre werden dann genüsslich auf vier Seiten beschrieben. Die Informationen sind auffällig detailliert. Sie berufen sich auf einen „Geheimbericht des ehemaligen Finanzdirektors“. Der „Spiegel“ zitiert aus einem „streng vertraulichen“ Dokument von Ulrich Bergmoser, das so vertraulich nun natürlich nicht mehr ist.

Bergmoser war Ende Februar 2018 nach weniger als zwei Jahren in Diensten des Verbandes keineswegs im besten Einvernehmen vom DFB geschieden. Die Hochachtungs-Adressen von DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius an den Ex-Direktor Finanzen, IT und Personal („hohes Engagement und große fachliche Kompetenz“) waren wohl lediglich einer zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung sauberen Trennung geschuldet, weniger der tatsächlichen, offenbar mindestens atmosphärisch belasteten Atmosphäre.

Bergmoser war auch als Beauftragter für Compliance im DFB eingesetzt worden und sollte so dafür sorgen, dass im durch die Sommermärchenaffäre schwer gebeutelten Verband absolute Sauberkeit in den Geschäftsabläufen einkehrt.

DFB-Präsident Reinhard Grindel müht sich um ethische Grundwerte

Denn der DFB ist unter der Führung von Präsident Reinhard Grindel seit April 2016 vermehrt darum bemüht, die Einhaltung ethischer Grundwerte zu wahren und mehr Transparenz in den Laden zu bekommen. Der Verband ließ als Reaktion auf den „Spiegel“-Bericht mitteilen, er habe das von „Bergmoser vorbereitete Compliance-Management-System massiv vorangetrieben“.

Zum Abschied hatte der damals 53-Jährige, wie auch der DFB inzwischen bestätigte, einen Aktenvermerk zu verschiedenen Vorgängen abgegeben. Das laut „Spiegel“ 34-seitige Memo kann wie ein Sündenregister interpretiert werden, dafür ist ein Compliance-Experte ja auch da. Er soll Missstände aufdecken. Laut Bergmoser-Bericht sei wegen der Finanzierung von Fernreisen, ausschweifenden Umtrunken sowie großzügigen Zuschüssen zu Geburtstagsfeiern einiger betagterer Funktionäre (zwischen 5000 und 20 000 Euro) die Gemeinnützigkeit des Verbandes wiederholt einer Gefährdung ausgesetzt worden. Dazu muss man wissen: Die Anerkennung gemeinnütziger Verband gewährt dem DFB jährliche Steuererleichterungen in zweistelliger Millionenhöhe.

Der Verband dementierte die Zahlen zu den diversen Geburtstagsfeiern nicht, betonte aber halbstark, dass niemals Geld an Privatpersonen geflossen sei. Es habe sich vielmehr um Zuschüsse für offizielle Empfänge gehandelt.

Beraterverträge mit Landesfürsten

Laut „Spiegel“ seien zudem Beraterverträge unter anderem mit Landesfürsten geschlossen worden, „die den Verdacht systematischer Korruption“ nahelegten. Zum Beispiel gibt es einen pauschal mit 3000 Euro pro Monat dotierten Kontrakt mit dem 74-jährigen Rheinland-Verbandschef Walter Desch zur „Interessenwahrnehmung der DFB GmbH im Zusammenhang mit DFBnet/IT, fussball.de“, der laut Verband per Gutachten als angemessen beurteilt worden ist und „insbesondere im Hinblick auf die kommende Digitalisierungsinitiative weitergeführt wird“. Der „Spiegel“ konstatiert spitz: „Ein beeindruckendes Beispiel für die Breite des DFB-Talentepools jenseits der Fußballstadien. Ein 74-Jähriger als Digital-Wunderkind.“ Desch, Oberstleutnant a.D., verteidigt sich in der „Rheinzeitung“: Er arbeite dafür 30 Stunden wöchentlich, ein Stundensatz von hundert Euro liege in der „IT-Branche am unteren Rand“. Ein Geschmäckle bleibt, dass ein derart betagter DFB-Ehrenamtler im Nebenjob so üppig kassiert und dass es in einem Verband mit inzwischen 300 Mitarbeitern sonst niemanden geben soll, der diese Arbeit verrichten könnte.

Der „Spiegel“ listet vor allem Vorgänge aus der Zeit vor Grindels Amtsantritt als Verbandschef auf, einige Vorgänge fallen in dessen Zeit als Schatzmeister von 2013 bis 2016. So habe der DFB während der WM 2014 in Brasilien für eine vor Ort abgehaltene Präsidiumssitzung 370 848 Euro ausgegeben, obwohl ein DFB-Steuerberater schon 2008 vor einer „erheblichen Gefährdung der Gemeinnützigkeit“ durch Funktionärsreisen gewarnt hätte. Der DFB widersprach der aufgeführten Summe. Es seien „unter Einbeziehung aller Kosten, Hotelbuchungen, Flüge und der besonderen Konstellation WM-Finale tatsächlich 287 304,35 Euro abgerechnet“ worden. Vor Ort werde stets „ein straffes, im Vorfeld festgelegtes Arbeitsprogramm im Rahmen der Satzungszwecke des DFB“ absolviert. Das hatten Medienvertreter seinerzeit allerdings ein wenig anders wahrgenommen. Weniger straff. Aber das ist Auslegungssache.

Vier Jahre später ist das Präsidium (vollzählig wären das 19 Leute) laut DFB bei der WM in Russland vier Tage vor Ort gewesen und habe in dieser Zeit „ein eng getaktetes Programm mit Sitzungen, Besuchen bei Kooperationspartnern und einen Empfang an der Deutschen Botschaft“ hingelegt, die steuerliche und vereinsrechtliche Unbedenklichkeit“ sei bestätigt worden.

Was das erste der beiden vom „Spiegel“ erwähnten „Saufgelage“ angeht, habe das interne DFB-Kontrollsystem den Compliance-Mann Bergmoser eigens beauftragt, den Fall zu prüfen. Führende Verbandsmitarbeiter hatten sich im Oktober 2016 in einem Münchner Szene-Restaurant zwei Flaschen Champagner (248 Euro) und zwei Pullen Wodka Belvedere (358 Euro) gegönnt. Man kam in der Prüfung zu dem Ergebnis, „letztmalig von der Geltendmachung von Rückzahlungsansprüchen gegenüber den betreffenden Mitarbeitern abzusehen“.

Im Jahr 2017 spülten insgesamt 90 Personen, laut DFB „fast ausschließlich aus dem Bereich der Mitgliedsverbände und des Schiedsrichterwesens“ in Düsseldorf für 4500 Euro unter anderem 639 Altbier und 86 Kräuterliköre runter. Das, so der Verband, habe „nicht gegen die seinerzeitigen Richtlinien“ verstoßen. Mittlerweile seien aber nur noch Kosten für nichtalkoholische Getränke, Bier und Wein erstattungsfähig.Kräuterlikör gehört nicht mehr dazu. Den müssen die Funktionäre jetzt selbst bezahlen.

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