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EM 2021

EM 2021: DFB-Team steht vor dem Spiel gegen Portugal unter Zugzwang

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Thomas Müller und seine Teamkollegen basteln an Mitteln, um der Flaute im Angriff Herr zu werden. Aber im Personal findet sich kein klassischer Torjäger, der den Strafraum regiert.

München - Die supergute Laune hat selbst der sonst immer supergut gelaunte Thomas Müller ein klein bisschen verloren. Der 31-Jährige grinst nicht mehr ganz so breit unter seinem Helm hervor, wenn er mit dem Radl aus dem Tunnel in die Kurve zum Trainingsplatz einkehrt. Müller macht sich gerade ein paar Gedanken. Er hat ja selbst gespürt, dass es zum Auftakt der EM 2021 nicht gut gelaufen ist gegen Frankreich in der deutschen Angriffsreihe. Gegen Portugal muss heute Abend (Samstag, 19.06.2021, 18 Uhr/ARD) mehr Drang in den Sturm, darüber sind sie sich alle miteinander einig. Denn Scheindominanz gewinnt keine Spiele.

Aber Thomas Müller und mithin auch das DFB-Team als Ganzes haben ein Problem: Es ist niemand da, der den gegnerischen Strafraum regiert. Müller, in zwölf EM-Spielen noch immer ohne Tor, bräuchte so einen vor sich, um seine Stärken voll entfalten zu können. Gegen Frankreich war er meist unsichtbar. Das Comeback in seinem Münchner Wohnzimmer war anders geplant.

EM 2021: Deutschland trifft auf Portugal

In Reihe 8, nah dran an der deutschen Bank, saß Miroslav Klose auf der Tribüne. Er erholt sich gerade von den Folgen einer Thrombose. Klose wird bald wieder auf dem Platz stehen. Das Dumme aus Sicht von Joachim Löw ist nur: Klose wird das nicht als Torjäger tun. Sondern als Trainer. Als Assistent von Hansi Flick womöglich. Denn Klose ist schon 43, zu alt zum Stürmen.

Einer wie er fehlt jetzt. Klose konnte alles. War klasse im Kopfball, konsequent im Abschluss, lief auch ohne Ball an wie verrückt, war schnell genug, um lang zu gehen und körperlich so gut beisammen, um sich mit dem Rücken zum Tor zu behaupten.

So einen hätte Thomas Müller im Nationalteam gern dabei, in München erledigt Robert Lewandowski dieses Multitasking in Perfektion. Müller braucht Typen wie Lewandowski oder wie früher Klose, um ein echter Müller sein zu können. Weil solche Leute Verteidiger binden und ihm die Räume schaffen, in die er starten kann, weil sie als Wandspieler funktionieren, mit denen er kombinieren kann. Und weil sie wissen, wie er denkt.

Tonnenschwer lastet das Sturmproblem auf der deutschen Mannschaft und Thomas Müller. dpa

EM 2021: Ein halber Müller reicht nicht aus

Ohne einen solchen Torjäger vor sich ist Müller nur ein halber Müller. Portugal gilt defensiv als nur unwesentlich anfälliger als die französische Wand. Aber Deutschland muss mehr Spieler in den Strafraum bekommen. „Wir brauchen mehr Durchschlagskraft“ sagt Robin Gosens und hat Recht. Bundestrainer Joachim Löw hat hohe Flanken auf den Index gesetzt. Weil niemand mehr da ist, der sie in der Luft verwerten kann. Die Außen sollen deshalb lieber flach und hart in den Strafraum passen. Als Gosens einmal hoch flankte, scheiterte Thomas Müller knapp. Es blieb seine beste Szene. Ein Kopfball neben das Tor. Zu wenig.

Nach Miroslav Klose, der sich nach dem Titel 2014 aus dem Nationalteam zurückzog, war Mario Gomez noch ein paar Jahre da, musste in der Nationalmannschaft aber stets um Anerkennung kämpfen. 2016 im EM-Halbfinale fehlte er verletzt, nachdem er im Achtelfinale gegen die Slowakei das letzte deutsche Stürmertor einer EM oder WM erzielt hatte. 2018 wurde er im entscheidenden Spiel gegen Südkorea eingewechselt und blieb ohne Einfluss. Seitdem ist Gomez Ex-Nationalspieler und der Mittelstürmer hierzulande quasi ausgestorben.

Löw hatte lange nichts dagegen, ohne klassischen Torjäger zurecht zu kommen, behalf sich gern mit Marco Reus, Mario Götze oder auch mal Mesut Özil als schwimmende Spitze. Zum EM-Auftakt 2021 sollten Thomas Müller, Kai Havertz und Serge Gnabry gegen Frankreich flexibel unterwegs sein. „Wir haben den Pass nach hinten gesucht, anstatt ins Eins-gegen-Eins zu gehen“, kritisierte Havertz danach. Der Offensivauftritt gegen Frankreich geriet plan- und ziellos. Weil der Sturm ohne Spitze war. Und sich ständig im Kreis drehte. Die Speerspitze wird es auch im weiteren Turnierverlauf nicht mehr geben. Aus Havertz, Müller und Gnabry werden keine Mittelstürmer mehr, aus Timo Werner und Leroy Sané auch nicht. Löws Hoffnung ist nun die, dass es gegen schwächere Defensivreihen besser klappt mit den Rochaden vorne. Mit all seinen Außenstürmern, Fummlern, Raumdeutern und falschen Neunern.

EM 2021: Maiaise im Angriff - Sturm ohne Drang

Der DFB hat erst spät reagiert. Im Zuge der Nachwuchsreform soll sich einiges ändern. Ein Mittelstürmer soll das trainieren, was ein Mittelstürmer braucht. Vorangetrieben wird das Projekt von Oliver Bierhoff, dem Strafraumstürmer schlechthin, der Deutschland dort, wo auch jetzt wieder das Finale stattfindet, zum EM-Titel 1996 schoss: in Wembley, dem Sehnsuchtsort.

Im Hier und Jetzt veranschaulicht ein Blick auf die Torjägerliste der Bundesligasaison die Malaise. Unter den besten sechs Torjägern findet sich keiner mit deutschem Pass. Der Pole Robert Lewandowski (41 Saisontore), der Portugiese André Silva (28), der Norweger Erling Haaland (27), der Kroate Andrej Kramaric (20), der Niederländer Wout Weghorst (20) und der Österreicher Sasa Kalajdzic (16) sind vorne. Die besten deutschen Angreifer: Lars Stindl, Thomas Müller, Max Kruse. Alle über 30. (Jan Christian Müller)

Rubriklistenbild: © dpa

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