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Umkämpfte Sache: Emre Can gegen Pau Torres. Foto: dpa

Werner trifft

DFB-Team nur 1:1 gegen Spanien: Geisterspiel mit spätem Schockmoment

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Nach fast zehn Monaten Länderspielpause schafft die DFB-Auswahl ein 1:1 gegen Spanien.

Die weißen Trikots mit feinen Nadelstreifen stehen den deutschen Nationalspieler an einem lauen Sommerabend wie im Stuttgarter Neckarpark recht gut. Doch die Vorstellung beim ersten Länderspiel nach fast zehn Monate Pause war kein ästhetischer Hochgenuss, und am Ende hat das erste Geisterspiel der deutschen Länderspielgeschichte in dieser Kluft noch einen Schockmoment bereit gehalten. Das 1:1 (0:0) gegen Spanien in Stuttgart zum Auftakt der Nations League war deshalb frustrierend, weil in der sechsten Minute der Nachspielzeit noch der Ausgleich durch Luis Jose Gaya fiel. Die Führung erzielte der gebürtige Stuttgarter Timo Werner, der nach Vorlage von Debütant Robin Gosens traf (51.). „Alles in allem war es ein gigantischer Abend für mich, aber das Eier- Gegentor ärgert natürlich sehr“, sagte Gosens noch voller Adrenalin direkt nach dem Abpfiff.

Gleichwohl scheinen vor allem die Fans mit dem jungen Wettbewerbsformat Nations League weiterhin zu fremdeln. Rund um die Arena hatten Anhänger gleich mehrere Protestplakate mit Aufschriften wie „Der Fußball braucht Veränderung. DFB & Vereine: Euer System krankt mehr denn je“ aufgestellt.

Insgesamt hat das DFB-Team zwar keine überzeugende, aber eine ordentliche Leistung geboten. Vortrefflich kann debattiert werden, ob das unterschiedliche Fitnesslevel, die fehlenden Automatismen oder die eigenartige Atmosphäre für die Mängel verantwortlich waren. Das erste von insgesamt acht Länderspielen bis zum Herbst hat insoweit sachdienliche Hinweise gegeben, dass Bundestrainer Joachim Löw noch einige Arbeit hat. Dem 60-Jährigen bleibt nicht viel Zeit zu Korrekturen, denn nach einem Erholungstag im Ländle geht es am Samstag nach Basel, wo das zweite Gruppenspiel gegen die Schweiz (Sonntag 20.45 Uhr/ ZDF) stattfindet.

Neben dem angekündigten Debüt von Bergamo-Legionär Gosens, der auf der linken Außenbahn mit Licht und Schatten agierte, stand auch Julian Draxler in der Startelf, der bei Paris Saint-Germain meist nur als Teilzeitkraft zum Zuge kommt und diesmal eine Rolle als hängende Spitze ausfüllte. Vorweg: Seine Chance konnte der zu zögerliche Ex-Schalker nicht nutzen, der schwächster Deutscher war. Ein teilweise ansprechendes Comeback nach fast 15-monatiger Abstinenz im DFB-Dress gab hingegen Leroy Sané, der in dem 3-5-2-System mit Timo Werner eine sprintstarke Doppelspitze bildete.

Anfangs kam die Löw-Elf zu guten Chancen, als Thilo Kehrer (11.), Draxler (14.) und Sané (18.) am spanischen Keeper David de Gea scheiterten. Doch mit fortschreitender Spieldauer häuften sich Unsauberkeiten und Ungenauigkeiten beim Gastgeber, der sich mit dem hohen Pressing der Spanier schwer tat. Die Dreierkette mit Niklas Süle, Emre Can und Antonio Rüdiger verlor in der ersten Hälfte zu viele Bälle bereits im Spielaufbau.

Werner schießt ein

Nach einem haarsträubenden Can-Fehlpass hatte Rodrigo Moreno den herauseilenden Kevin Trapp schon umlaufen, doch der anfangs nicht immer sichere wirkende Torwart von Eintracht Frankfurt grätschte noch rechtzeitig dazwischen (14.). Was dem 30-Jährigen zugute zu halten war: Gegen Sergio Busquets (23.) und vor allem Moreno (45.) verhinderte der Ersatz für Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen einen Gegentreffer. Insgesamt hatten die Iberer zwar ihren überragenden Strategen Thiago, der dieselbe Mixtur aus Übersicht und Spielfreude wie im Champions-League-Finale walten ließ, in ihren Reihen, waren aber als Mannschaft auch noch auf Formsuche.

Vor den roten leeren Schalensitzen in der mehr als 60 000 Zuschauer fassenden Arena tat sich Löws Teams nach der Pause ein bisschen leichter, endlich Schwung aufzunehmen. Im Rücken hatte der DFB über den Fanclub Nationalmannschaft Folien mit einem Treuebekenntnis gespannt, um den Rahmen für diese eigentümliche Mischung aus Test und Pflichtspiel ein bisschen aufzupeppen. Stadionbesucher hätten vermutlich lange Beifall nach einer Szene gespendet, die mit dem 1:0 belohnt wurde: Da inszenierte der lange unauffällige Ilkay Gündogan eine Spielverlagerung und der zur Strafraumkante sprintende Gosens fand mit seiner Hereingabe Werner, der noch Gegenspieler Pau Torres ausspielte und einschoss.

Damit hatte der 24-Jährige seine Ankündigung umgesetzt, auch im Nationalteam wieder als zuverlässiger Torproduzent in Erscheinung zu treten. Fast hätte der zum FC Chelsea gewechselte Stürmer noch einen Treffer nachgelegt, doch zielte er nach Sané-Vorlage nach einem schnellen Konter nur ans Außennetz (61.). Danach löste Matthias Ginter den Bayern-Neuzugang ab. Das Gästeteam von Trainer Luis Enrique verstärkte in der Schlussphase mit dem zur Pause eingewechselten 17-jährigen Ansu Fati den Druck, um noch den Ausgleich anzubringen. Aufregung gab es noch, als Fati in der Nachspielzeit ins Tor köpfte, doch Haudegen Sergio Ramos hatte sich zuvor im Luftkampf doch zu rabiat gegen Ginter eingesetzt. Dann aber bestrafte Gaya nach einigen verlorenen Kopfballduellen ganz spät doch noch die deutschen Nachlässigkeiten in der Defensive.

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